Fokus auf Lemohang Mosese
IFFI #35
Lemohang Mosese ist Filmemacher aus Lesotho und lebt derzeit in Berlin. Seine Arbeiten werden weltweit auf Festivals und in Museen gezeigt. Sie kreisen um Themen wie Heimat, Verlust und Überleben und sind zugleich sinnliche Erfahrungen wie intellektuelle Herausforderungen. Für Mosese ist Filmemachen eine Form des Gesprächs – mit seinem Land, seinen Vorfahren und sich selbst.
Mit MOTHER, I AM SUFFOCATING. THIS IS MY LAST FILM ABOUT YOU und THIS IS NOT A BURIAL, IT’S A RESURRECTION wurde er zu einer prägenden Stimme der internationalen Festivalszene. Während der eine Film vom Weggehen, von Exil und Distanz erzählt, verhandelt der andere das Bleiben, das Verharren an einem Ort, der Identität stiftet. ANCESTRAL VISIONS OF THE FUTURE bewegt sich zwischen diesen Polen – in einem Dazwischen, in dem Erinnerung, Zeit und Zugehörigkeit ineinander übergehen. Gemeinsam zeichnen die Filme eine Bewegung nach: gehen, bleiben, dazwischen existieren.
Mosese, oft als Autodidakt beschrieben, versteht das Kino selbst als seinen Lehrer: ein Lernen durch Sehen, Hören, Experimentieren und Scheitern. Inspiriert von Djibril Diop Mambétys Idee, „mit den Ohren zu sehen und mit den Augen zu hören“, begreift er Film als Rhythmus und Erfahrung – etwas, das zuerst gefühlt wird, bevor es verstanden werden kann. Zentrale Figur seiner Arbeiten ist häufig die Mutter – als Person, aber auch als Metapher für Land, Erinnerung und Ursprung. Mosese begreift sich dabei nicht als Repräsentant seines Landes, sondern als jemand, der seine eigene Beziehung dazu zu verstehen versucht.
Über kulturelle Grenzen hinweg entfalten seine Filme eine bemerkenswerte Resonanz. Ob als Reflexion über Exil, als Form des Erinnerns oder als spirituelle Erfahrung – im Zentrum stehen universelle Fragen nach Zugehörigkeit, Glauben und Überleben. Kino erscheint dabei auch als kollektives Ritual: ein Raum, in dem Menschen gemeinsam sehen, fühlen und einander zuhören.
Das gesamte Interview von Lemohang Mosese ist hier abrufbar.