Retrospektive

IFFI #35

Die Retrospektive #35 widmet sich Escuela Internacional de Cine y Televisión (EICTV), die am 15. Dezember 1986 in San Antonio de los Baños (Kuba) gegründet wurde. In seiner programmatischen Rede formulierte der argentinische Regisseur und erste Leiter Fernando Birri die Vision einer transnationalen Filmschule für Studierende aus Lateinamerika, Afrika und Asien – einer „Filmschule der drei Welten“, verstanden als solidarischer Akt mit von imperialen Machtverhältnissen geprägten Regionen. Heute ist die EICTV zur „Schule aller Welten“ geöffnet, wobei der Großteil der Studierenden aus Lateinamerika stammt. Die im Gründungstext formulierten Prinzipien sind bis heute prägend: Die EICTV versteht sich als „factory, laboratory and amusement park of the eye and the ear“ – als Ort des Schaffens, des Experimentierens und der Lust am filmischen Ausdruck. Zentral ist ein konsequent praxisorientierter, „anti-scholastischer“ Ansatz: Unterrichtet wird ausschließlich von aktiven Filmschaffenden, Theorie und Praxis sind untrennbar miteinander verbunden. Ziel ist es, Filmschaffende hervorzubringen, die technisch versiert, künstlerisch eigenständig und mit einem emanzipierten Blick arbeiten. Nach einem Jahr allgemeiner Ausbildung (Polivalencia) erfolgt die Spezialisierung in Bereichen wie Regie, Drehbuch, Kamera, Montage, Produktion oder Ton. Zu den prägenden Figuren der EICTV zählen neben Birri auch Gabriel García Márquez und Julio García Espinosa. Zugleich zeigt sich, dass die utopische Konzeption nicht immer der Realität standhält: Berichte über strukturelle Probleme, Vorwürfe von Zensur sowie die zunehmend schwierige Versorgungslage in Kuba verweisen auf bestehende Spannungen. Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens richtet die Retrospektive den Blick auch auf die Verbindungen zum IFFI Innsbruck. Fernando Birri war mehrfach zu Gast beim Festival und wurde 2010 mit dem IFFI-Ehrenpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus wurden zahlreiche Filme von EICTV-Absolvent*innen in Innsbruck gezeigt. Das Programm macht diese Verbindungen sichtbar und spiegelt zugleich die formale und inhaltliche Vielfalt der Schule wider.

Der vollständige Retrospektiven-Text ist hier abrufbar.