IFFI

JAHRESTHEMA

Das IFFI – International Film Festival Innsbruck findet vom 3. – 8.11.2020 zum 29. Mal statt und das erste Mal unter der neuen Leitung von Anna Ladinig. Das IFFI ist das größte Filmfestival Westösterreichs und nach der Viennale, Diagonale und Crossing Europe das größte Österreichs. Filmschaffende sowie Besucher*innen schätzen die offene Struktur und entspannte Atmosphäre des Festivals. In diesen sechs Festivaltagen werden die Kinosäle des Leokino/Cinematograph mit aktuellen Filmen aus dem globalen Festivalzirkus sowie filmhistorischen Perlen bespielt. Dieses Jahr werden in rund 60 Programmpunkten unter anderem Filme aus Brasilien, Peru, Kolumbien, Mexiko, Algerien, Mosambik, Angola, Kirgistan, Afghanistan, Thailand, Philippinen, Österreich etc. gezeigt. Auch dieses Jahr werden zahlreiche Filmvorführung in Anwesenheit der Regisseur*innen stattfinden. Das Leokino und Cinematograph bieten dem Festival mit seinen drei Sälen, der technischen Ausrüstung und dem dazugehörenden Wissen die optimalen Voraussetzungen. Es ist immerhin eines der letzten Kinos Österreichs, in dem alle analogen Formate vorgeführt werden können. Seit seiner Gründung 1992 durch den langjährigen Festivaldirektor Helmut Groschup gab es beim IFFI stets einen Schwerpunkt auf Filme und Themen, die in globalen Kinonetzwerken unterrepräsentiert sind.

Der Filmkritiker Béla Balázs attestierte 1924 dem Kino die Rolle eines Wegbereiters für den Welthumanismus. Seit 1924 haben wir jedoch gesehen, dass Kino auch Stereotype reproduzieren, Kluften vergrößern und Grenzen verhärten kann. Die idealistische und utopische Vision von Balázs leuchtet aber im Kern des IFFI weiter. Diese Vision ist wichtig – insbesondere in unserer Gegenwart. Das IFFI mit seinem Ziel Themen und Regionen, die in globalen Kinonetzwerken unterrepräsentiert sind, sichtbar zu machen, ist ein Ort der Unterhaltung und des Zusammenkommens. Das IFFI ist aber auch ein Ort, an dem vielschichtige und differenzierte Darstellungen stereotypen Vereinfachungen entgegengestellt werden, ein Ort, an dem wir Austausch verhärteten Grenzen entgegensetzen und ein Ort, an dem wir im Kleinen diese Vision eines Welthumanismus anstreben.

Ausgehend von dieser Positionierung finden beim 29. IFFI erneut zahlreiche aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme in den Wettbewerben Platz sowie filmhistorische Perlen in den Retrospektiven. Diese werden von dem Motto WE [STILL] MUST DISCUSS, WE [STILL] MUST INVENT eingerahmt. Es bezieht sich auf das dem antikolonialen Vordenker Frantz Fanon zugeschriebene Zitat, welches die Regisseure Octavio Getino und Fernando Solanas als Einstieg in ihr Manifest des Dritten Kinos „Hacia un tercer cine“ wählten. Das Dritte Kino im Gegensatz zum Zweiten Kino (europäischer Autorenfilm) und dem Ersten Kino (Hollywood) versteht sich als antikolonial und antikapitalistisch sowie als Träger von emanzipatorischen Diskursen. Diese Bewegung fand netzwerkartig globale Verbreitung. Dieses Dritte Kino bildet den Referenzrahmen, wobei das Einfügen des [STILL] den Bogen dieser (film)historischen Referenz in die Gegenwart spannt. Es stellt Fragen inwieweit diese Themen noch heute relevant sind, wo sich die Grenzen dieses Konzepts finden und ob es Verschiebungen gab. Auch verweist das [STILL] auf die Einzelbilder, die aneinandergereiht die filmischen Welten schaffen.