IFFI

Curtain Raiser*



*curtain-raiser /ˈkɝː.t̬ənˌreɪ.zɚ/

a short play sometimes performed before the main play.
a small event that happens before a bigger one and is a preparation for it.

Das IFFI hätte diese Woche stattgefunden. Durch die Öffnung der Kinos, können wir nun mit drei Filmen aus dem November-Programm einen kleinen Vorgeschmack auf das Festival geben.

AFRICAN MIRROR | 29. Mai, 20:00 im Leokino 1

R: Mischa Hedinger; OmU

Der im Jahr 2000 verstorbene Schweizer Afrikaforscher René Gardi schwärmte jahrzehntelang in Büchern, Fernsehsendungen und Filmen von den schönen, nackten Wilden in einer vormodernen Zeit. AFRICAN MIRROR problematisiert diese geistige Aneignung einer fremden Kultur und Lebenswelt und zeigt, wie auch Bildermachen eine Form des Kolonialismus sein kann. Hedinger verwendet ausschließlich Materialien aus Gardis Archiv und arbeitet durch scharfe Kontrastmontage von Bild und Text sowie mit Hilfe von Zeitlupeneffekten heraus, wie brüchig und fragwürdig die Sehnsuchtsprojektion des Reiseschriftstellers in ihrer zynischbetulichen Onkelhaftigkeit war. (Thomas Mießgang)

Schweiz 2019; Regie & Buch: Mischa Hedinger; Ton: Fabian Gutscher; Daniel Hobi; Schnitt: Mischa Hedinger & Philipp Diettrich; Musik: Rutger Zuydervelt; Mitwirkender: René Gardi; (DCP; Farbe/Schwarzweiß; 84min; deutsch-schwizerdütsch-französische).

LA VIDA EN COMÚN | 30. Mai, 20:00 im Leokino 1

R: Ezequiel Yanco; OmU

Eine realistische und doch poetische Erzählung, dokumentarisch mit fiktiven Einschüben, gedreht in einem entlegenen Dorf in der Pampa im Norden Argentiniens und teilweise in lokalem Dialekt. Yanco, ein studierter Historiker, filmt die dortige Welt aus der Sicht heranwachsender Kinder und Jugendlicher, die sich in dieser archaisch anmutenden Umgebung zwischen Hi-Tech und uralten Mythen um Pumas und Jäger zurechtfinden müssen. Erwachsene kommen nicht vor – sieht man von der Lehrerin in einer Schule ab, die aussieht, als hätten Außerirdische ausgerechnet hier in der Steppe ihr Raumschiff geparkt.
(Andreas Ungerböck)

ARGENTINIEN/F 2019; Regie & Buch: Ezequiel Yanco; Ton: Mercedes Gaviria; Schnitt: Ana Godoy; Kamera: Joaquin Neira; Mitwirkende: Uriel Alcaraz, Isaías Barroso, Ángel Baigorria, Brian Llambia, RodrigoAlcaraz, Jeremías Barroso, Luana Baigorria, Yuliana Alcaraz, Mabel Baigorria, Yamila Rodríguez; (DCP; Farbe; 70min; spanisch ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN).

VITALINA VARELA | 31. Mai, 20:15 im Leokino 1

R: Pedro Costa; OmU

Einmal mehr beweist Pedro Costa, dass er ein entscheidender Filmemacher unserer Zeit ist. In diesem Porträt einer Frau, die nach Jahren ihrem Ehemann von den Kapverden nach Lissabon folgt, nur um drei Tage nach seiner Beerdigung anzukommen, verbindet er formvollendete Behutsamkeit im Umgang mit den Menschen vor der Kamera mit inhaltlicher Notwendigkeit. Die Frau ist die titelgebende Vitalina. Ihre heisere Stimme erzählt wie ihre ungemeine Präsenz von einem Leben, das sich gegen die Tragik stemmt. Im Halbdunkel verwahrloster Vororte finden Kamera und Ton essenzielle Gefühle einer Heimatlosigkeit. Auf seine Art Costas sentimentalster Film. (Patrick Holzapfel)

Portugal 2019; Regie: Pedro Costa; Buch: Vitalina Varela
Pedro Costa; Ton: João Gazua; Schnitt: João Dias
Vítor Carvalho; Kamera: Leonardo Simões; Mitwirkende: Vitalina Varela, Ventura, Manuel Tavares Almeida, Francisco Brito, Imídio Monteiro, Marina Alves Domingues; (DCP; Farbe; 124min; portugiesisch ORIGINALFASSUNG MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN).

Programm leokino-cinematograph: www.leokino.at

28.05.2020