Ziad Doueiri

WEST BEYROUTH

Das autobiographische Debüt von Ziad Doueiri ist vorerst die lebenssprühende Geschichte dreier ungestümer Jugendlicher, eine bewegende und humorvolle Chronik des Erwachsenwerdens. Tarek, Omar und die schöne May führen uns gleichzeitig durch das lokale Kolorit der geteilten Stadt Beirut, und sie erfahren, wie sorgloses Vergnügen sich an den Realitäten der Gesellschaft zu reiben beginnt. Wie ein unaufdringlicher Leitfaden wirkt, was Tareks Vater zu Beginn des witzigen, zugleich fiebrigen und fragilen Filmes sagt: „Der Westen analysiert den Orient, ohne ihn zu verstehen.” Durch die beiden unzertrennlichen Freunde Omar und Tarek, die im muslimischen Westbeirut leben, aber im christlichen Osten zur Schule gehen, und durch die Christin May erleben wir die chaotische und rebellische, inkonstante und archaische Kultur des Nahen Ostens. So bedeutet der Ausbruch des Bürgerkriegs im April 1975 für die Helden des Films vor allem die Freude an der schulfreien Zeit und die unerhoffte Möglichkeit ganz neuer Abenteuer, darunter der heimliche Besuch eines in der Grenzzone zwischen West und Ost gelegenen Bordells. Dessen ältere Besitzerin verkörpert wie ein bizarres Symbol das kosmopolitische Beirut. Während Tareks liberale Eltern tief betroffen den wachsenden Fanatismus beobachten, haben die Jugendlichen die Spielregeln und Vorteile der neuen Situation rasch durchschaut. Im Chaos unbegreiflicher Ereignisse entdecken sie mit ungestümer Lust und Neugier die Freuden des Lebens: Ihre erwachende Sexualität, die Liebe, die Freundschaft und ihre gemeinsame Leidenschaft für Super-8. Ihre Kamera folgt den Beinen der Mädchen und schaut neugierig über die mitten in der Stadt errichtete Mauer.

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