Wang Xiaoshuai

SHI QI SIU DE DAN CHE – BEIJING BICYCLE

Ein Junge, ein Fahrrad und der Traum von einem anständigen Leben als Alptraum. Gerade vom Land gekommen, wirft sich der 16-jährige Guo in seine erste Anstellung als Fahrradkurier: leidenschaftlich, voll freudiger Selbstsicherheit tritt er die Pedale durch das Großstadtgewühl und scheint zu schweben. Zu früh geträumt, sein Fahrrad wird gestohlen, ungläubig geht er auf und ab, wo noch vor kurzem sein Arbeitsgerät und Lebensmittel stand. Und träumt aus Wut und Verzweiflung: Ich finde mein Fahrrad, ein paar aus Vorahnung eingeritzte Kerben erinnernd. Sogar sein Chef zeigt sich beeindruckt, weil Wunder in der modernen Geschäftswelt Chinas ohnehin unmöglich sind. Regisseur Xiaoshuai aus Shanghai läßt diese Wunder in Beijing geschehen, nicht aus spekulativem Mitleid, sondern weil er als sensibler Beobachter viele Geschichten nebenbei reflektiert, Beijing als Hauptdarsteller gesellschaftlicher Transformationen porträtiert und demaskiert, haßt, liebt und letztendlich verdammen muß. So inszeniert er Fahrrad-Verfolgungsjagden von denen Hollywood-Regisseure träumen sollten, sich Bilder im Gedächtnis eingraben wie Guos infernalisches Brüllen, an die Speichen seines Rads geklammert. Und letztlich von Tränen und Regen gedämpft die Worte des Feindes, der nie einer war: „Nimm mein Fahrrad, ich brauch es nicht mehr.“ Das letzte Bild: Wie ein Gekreuzigter schleppt Guo sein demoliertes Rad auf der Schulter in irgendeinen Nachmittag einer zu großen Stadt mit sich, von sich…

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