Tunesien

ARAÏS AL-TEÏN (Poupées d´Argile)

Im Dorf vertrauen die Familien ihre Mädchen Omrane, einem ehemaligen Hausangestellten, an. Sie werden nach Tunis gebracht, um dort als „Mädchen für alles“ zu arbeiten. Die kleine Feddha, die soeben in die Stadt gekommen ist, kann sich nicht an ihr neues Leben gewöhnen. Die Flucht eines anderen Mädchens aus dem Dorf, Rebeh, gibt ihr Gelegenheit auszubrechen. Sie macht sich davon, zusammen mit Omrane, der in Rebeh verliebt ist, und sucht in der ganzen Stadt nach jener, die fortlief, um frei zu sein. Mit seltener formaler Meisterschaft deutet der Film mehr an, als er aussagt, schafft Stimmungen und nicht Situationen, stellt Fragen, statt fertige Lösungen zu liefern. In eindringlicher Weise drücken gestische Metaphern – die eine angemessene Distanz zwischen Andeutung und Übertragung halten – die Gemütszustände der Personen aus; direkte Rede kommt selten vor. So formt und zerstört die kleine Feddha ihre Puppen aus Ton und lebt in einer imaginären Welt, dank der sie sich ein Stückchen der ihr allzu früh geraubten Kindheit zu bewahren vermag. Statt Moral zu predigen oder Lehren zu erteilen, will der Regisseur den Zuschauer dazu bringen, sich die Dinge selbst zu erklären; er zieht es vor, auf der Ebene der Emotion zu bleiben, um so in die Tiefe und Einsamkeit der Personen vorstoßen zu können, ohne deuten zu müssen.

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BAB EL MAKAM (Passion)

Imane kümmert sich liebevoll um ihre Kinder, ihren Mann und ihre Nichte. Ihr Alltag und das Leben ihrer Familie werden von den Melodien von Oum Kalsoum bestimmt, die sie ständig vor sich hinsingt. Ihr Mann, der nicht nur Beamter, sondern daneben auch Taxifahrer ist, bestärkt seine Frau in ihrer neuen Leidenschaft. Doch Imanes Familie sieht diese Passion für die Musik mit sehr viel misstrauischeren Augen.

Frankreich/Syrien/Tunesien 2004
Regie: Mohammad Malas
98 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT

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BAB’ AZIZ (Le prince qui contemplait son âme)

Alle dreißig Jahre geben sich die Derwische ein mysteriöses Stelldichein mitten in der Wüste. Bab’Aziz, ein alter, blinder Derwisch, der von seiner Enkelin Ischtar geführt wird, sucht seinen Weg zwischen den Sanddünen, geleitet von seinem Glauben und der Stille der Wüste. Unterwegs begegnen ihnen reale und imaginäre Personen, unter ihnen ein geheimnisvoller Prinz, der sein Reich verließ, um sich auf die Suche nach seiner Seele zu begeben.

Frankreich/D/Iran/Tunesien/GB 2005
Regie: Nacer Khemir
98 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT
Prix de l’Institut Français; Festivals: Locarno 05, Nantes 05, Fribourg 05; In Kooperation mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Südwind Tirol und Izola Cinema – Kino Oto

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DAS VERLORENE HALSBAND DER TAUBE (Tawk al hamama al mafkoud)

Die Kalligrafie wird in der arabischen Kultur als Anteil der ewigen, göttlichen Schönheit verstanden. Hassan ist gelehriger Schüler in der Kunst der Schönschrift und macht es sich zum Ziel, alle sechzig arabischen Worte für Liebe zu sammeln. Auf der Suche danach entdeckt er ein halb versengtes Manuskript, durch das er in den Bann der Prinzessin von Samarkand gezogen wird.

Tunesien/F 1991
Regie: Nacer Khemir
90 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt./franz. UT

DIE WANDERER DER WÜSTE (El Haimoune)

Nacer Khemir führt uns bildlich gesprochen ins Leben der Wüste ein. Es ist ein Leben außerhalb des gängigen Zeitbegriffs. Das Schiff, das da plötzlich vor den Mauern der Stadt liegt, könnte jenes von Sindbad, dem Seefahrer, sein. Es steht für das Meer, für die Suche nach der Weite, nach dem Anderen hinter dem Horizont. Das Schiff weist seinerseits auf die andalusische Brücke: Cordoba ist da und Samarkand nie fern.

Tunesien 1984
Regie: Nacer Khemir
95 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt./franz. UT
Festivals: Nantes 1984, Izola Cinema – Kino Otok 06

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FATMA

Fatma, als Mädchen in einem Dorf Tunesiens vergewaltigt, kämpft für ihr Studium in Tunis und mit vehementen, stillen Selbstanklagen gegen ihre Scham, sich als selbständige Mädchenfrau in einer lächerlichen Männergesellschaft ständig als Außerirdische fühlen zu müssen und zu dürfen. Ganz still, subtil, kämpft sie mit seltsamen Verweigerungen und Schutzmaßnahmen gegen sich und vor allem die dominant disziplinierende Männerwelt, studiert in Tunis, flüchtet als Volksschullehrerin in ein winziges Dorf, heiratet einen durchreisenden Arzt, der ihre Schulkinder impft, und um eine Spur verständnisvoller scheint als all die anderen. Aber falls er ahnen könnte, daß sein Kollege mit wenigen Nadelstichen ihre Jungfernhaut wegen ihrer unverschuldeten Schuldgefühlen für ihn zusammennähte… In langen Einstellungen entwirft Regisseur Khaled Gorbal dichte, erschütternde, sogar farbenfrohe Stimmungsbilder einer weiblichen Passion, oder, wie ein mutiger Kritiker schrieb: „Vielleicht das erste echte Frauenporträt einer arabischen Frau im arabischen Kino“.

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KHAMSA

Marco, ein junger Mann, findet sich zwischen 2 Kulturen gefangen. Er läuft von seiner Gastfamilie weg, um in das Zigeunerlager zurück zu kehren, in dem er geboren ist. Mit einem Kindheitsfreund und einem jungen Araber aus einem benachbarten Viertel begeht er viele Dummheiten. Sehr schnell gerät das leichtsinnige Trio vom Rollerdiebstahl zu Hauseinbrüchen. Als Sohn einer arabischen Mutter und eines rumänischen Vaters wurde er, als er noch Kind war, von seiner Mutter verstoßen. Nachdem ihn dann auch noch sein Vater im Stich lässt, lebt Marco bei Pflegefamilien. Er wünscht sich nur eines: seinen Platz in dieser gleichgültigen Welt zu finden.

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LA SAISON DES HOMMES

Ein Tag am Meer: eine kleine befreiende Ausflucht für die Protagonistinnen eines Films, der sich mit sozialen Räumen auseinander setzt, die im Kino immer noch ein Schattendasein fristen: Wie in ihrem viel beachteten Spielfilmdebüt DAS SCHWEIGEN DES PALASTES bindet die tunesische Regisseurin Moufida Tlatli auch in LA SAISON DES HOMMES die Erzählung an einen konkreten Ort, der zugleich die Erinnerungen und Sehnsüchte seiner Bewohnerinnen bewahrt und wieder freisetzt. Aicha kommt mit ihrem kleinen Sohn, den erwachsenen Töchtern und ihrer Schwägerin aus Tunis in den verlassenen Familiensitz auf der Insel Djerba zurück. Bald wird klar, dass es sich dabei nicht um die Rückkehr in ein früheres Idyll handelt. Das Haus, in dem die Frauen und der kleine autistische Bub nun Zuflucht finden, haben sie zuvor viele Jahre lang als Gefängnis empfunden: ein Wohnsitz von Frauen, die auf den einen Monat warten, in dem ihre Männer zum Heimaturlaub von ihren fernen Arbeitsstätten anreisen. Ein Ort, geprägt von patriarchalen Traditionen und streng verwaltet von Aichas Schwiegermutter, gegen deren systemerhaltendes Regiment die nächste Generation nur zaghaft aufbegehrt und von dem sich erst die darauf folgende langsam und unter Mühen befreien wird. Der Film beginnt mit der Rückkehr der Protagonistinnen an den zentralen Ort ihrer Vergangenheit. Von dort aus entwickelt Tlatli mit Hilfe von Rückblenden die Geschichte ihrer Heldinnen. So lässt die Regisseurin in langen, ruhigen Einstellungen verschiedene Zeitebenen sich kreuzen und verknüpft die Alltagserfahrungen und Wünsche der Mutter- und der Töchtergeneration. Der Umgang mit Sexualität ist dabei ein zentrales Element, wobei Sexualität als Teil der individuellen Freiheit und Kreativität wie auch als historisches Instrument der Unterdrückung erkannt wird. Außer in der filmischen Montage liegt die Stärke von Tlatlis Film denn auch im Verständnis für den Zwiespalt vom repressiven Charakter der Tradition und dem Aufgehobensein in ihr. (nach: Der Standard, berlinaleonline.de, www.taz.de, NZZ) „Die komplexe und nichtlineare Erzählstruktur ließe einen kopflastigen Film erwarten. Das Gegenteil ist der Fall: LA SAISON DES HOMMES ist ein geschmeidiger, flüssiger Film voll sinnlicher Überraschungen. Dazu gehört der gleitende Wechsel von äußerer Handlung zu Bildern, die das Innenleben der Protagonistinnen offenbaren.“ (Robert Richter, NZZ)

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MIEL ET CENDRES – HONIG UND ASCHE

Drei Frauen und ihr sehr persönlicher Kampf gegen eine verklemmte tunesische Männergesellschaft stehen im Zentrum dieses Films. Drei Frauen versuchen ihr Leben und ihre Beziehungen mit Männern zu meistern. Obwohl sie aus verschiedenen sozialen Schichten stammen und verschiedenen Alters sind, kreuzen sich ihre Wege und zeigen subtile Formen des Patriachats auf.

Tunesien/CH 1996
Regie: Nadia Farès
80 min, 35mm, Farbe, OmU

POUPÉES D’ARGILE (Araïs al-Teïn)

In einem tunesischen Dorf, dessen Frauen für ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der Töpferkunst der Berber bekannt sind, vertrauen die Familien ihre Mädchen Omrane, einem ehemaligen Hausangestellten, an. Er vermittelt sie an Haushalte in den neureichen Stadtteilen der Hauptstadt. Die schöne Rebeh erträgt das harte Leben als schuftende Hausangestellte aber nicht und reißt aus.

Tunesien/F 2002
Regie: Nouri Bouzid
100 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt./franz. UT
Festivals: Nantes 02, IFFI 2003 (Filmpreis des Landes Tirol)

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SATIN ROUGE

Tunis, die Hauptstadt. Lilia, die Hauptdarstellerin. Lilia, verwitwet, Hausfrau und Mutter, lebt nur mehr für ihre Tochter Salma, versorgend, beschützend, alle Lebenszeichen auf Rückzug und Gefahr sensitiv redu-ziert. Und eines Tages… Eines Tages entdeckt sie, daß ihre Tochter mit einem Musiker liiert ist, aber nicht mit irgendeinem, sondern einem, der nur nächtens spielt, in jenen „Cabarets“. Um ihre Tochter zu retten, schleicht sie sich in die fremde Nachwelt ein, wie eine plötzlich freigelassene Katze, Angst und gleichzeitig die nur vorzeitig vergessene Instinktsicherheit von jeher mobilisierend, läßt sie sich betören, schminken, lebendige Tänzerin sein… Plötzlich, als vor der Zeit altgewordene Mutter, entdeckt sie jenes junge Mädchen in sich, dem nie Zeit gegeben war, sich zu fühlen, geschweige denn, sich zu entfalten und tanzt sich weg von allem und mitten in ihr verschüttetes Lustzentrum hinein. Plötzlich entdeckt sie ihren sinnlos versteckten Körper wieder, läßt ihn schweben, vibrieren, nicht um die Geilheit des dumpfen männlichen Publikums zu erregen, sondern um sich selbst lustvoll begehrend zu erleben. Raja Amari, die 32-jährige Tunesierin, entwirft in ihrem Debütfilm nicht nur ein weitsichtiges Panorama weiblicher Sehnsüchte, sondern auch die Vision eines zukünftigen politischen Widerstand-Szenarios. Noch ist es nicht soweit. Raja Amari: „Die Scheinheiligkeit, mit der sich Lilia unterordnet und die Rolle der Mutter übernimmt, reiht sich ein in die Scheinheiligkeit der Gesellschaft.“

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SHAMT AL KUSHUR – DAS SCHWEIGEN DES PALASTES

„Die einzige Regel, die wir hier lernen, ist das Schweigen.” Dieser Satz stammt von den Frauen, die im Palast von Tunis als Dienerinnen arbeiten. Der jungen Alia gelingt mit 15 Jahren die Flucht von dort. Erst 10 Jahre später, anlässlich des Todes des Prinzen kehrt sie in den Palast zurück und durchlebt in einer Rückschau alle Bedrückungen ihres Lebens noch einmal. Moufida Tlatli: „Aus dem Blickwinkel eines Kindes habe ich versucht, die Welt der orientalischen Fürsten und die von ihnen ausgehende Ungerechtigkeit darzustellen, die vom Glanz einer Jahrtausend alten dekadenten Kultur verstellt ist. Obwohl es das Schicksal des Kindes ist, seiner Mutter in die Sklaverei zu folgen, wollte ich auch die Fähigkeit der Frauen, mit diesen Bedingungen zu brechen, zeigen. Alia ist die erste aus ihrer Familie, die es wagt, sich selbst zu behaupten.”

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Tawk al hamama al mafkoud

In this fairy tale, Hassan is a young man who occupies himself with the study of ancient manuscripts, the better to improve his calligraphy.

Tunesia/F 1991
Regie: Nacer Khemir
90 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt./franz. UT

The Wanderers of the Desert (El Haimoune)

Under huge skies and a boudless horizon, an old bus is blown along an almost invisible road. Among the travellers is a young schoolteacher assigned to a remote village at the outermost bounds of a sandy wilderness. Suddenly, the deep and monotonous echo of a song resonates in the midst of the silence: it is an Andalusian chant which is like a call in the sand. Then, as in a dream, figures appear like statues of salt – they are the surveyors of the desert …

Tunesia 1984
Regie: Nacer Khemir
95 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt./franz. UT
Festivals: Nantes 1984, I

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LE CHALLAT DE TUNIS

Im Jahre 2003 schlitzte ein Motorradfahrer Frauen auf der Straße von hinten mit einem Rasiermesser den Hintern auf. Die Taten sorgten in Tunesien für Aufregung, doch dann wurde der Täter laut eines Zeitungsartikels gefasst – und nie wieder war von ihm zu hören. Zehn Jahre nach den Taten und mitten im Arabischen Frühling begibt sich die tunesische Filmemacherin Kaouther Ben Hania auf die Suche nach dem Täter.

Filmpate: Länderzentren der Universität Innsbruck
Regie: Kaouther Ben Hania
Tunesien, Frankreich 2013
90min, OF­eUT

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