Taiwan

BLUE GATE CROSSING

Das Herz der 17-jährigen Mittelschülerin Kerou schlägt für Yuezhen, ihre beste Freundin, und diese ist hoffnungslos verliebt in den schönen Shihao, den Schwimmchampion und Star der Schule. Als Yuezhen ihre Freundin bittet zu vermitteln, rechnet sie nicht damit, dass es zwischen den beiden anderen funken könnte. Aber Kerou hat ein Geheimnis, das sie erst allmählich kundtut.

Taiwan 2002
Regie: Chih-yen Yee
85 min, 35 mm, Farbe, mandarin. OF mit dt. und franz. UT

NI NEI PIEN CHI TIEN – WHAT TIME IS IT THERE?

Während ein vom Leben enttäuschter Familienvater stirbt, seine gegen diesen Tod revoltierende Witwe wahnsinnig zu werden droht und beim Anblick eines alten Photos zu onanieren beginnt, träumt sich sein Sohn, Uhrenverkäufer in Taipeh, in die Parallelwelt einer Zufallsbekanntschaft, unterwegs nach Paris. Da er ihr nicht nachreisen kann, stellt er kurzerhand alle Uhren in Reichweite um sieben Stunden zurück, zeitnah. Vielschichtig, assoziativ erzählt Tsai Ming-Liang poetisch, humorvoll, trostlos von Ritualen der Sehnsucht, fragmentierten Alltagserfahrungen, verstümmelten Träumen: „ Eigentlich wollte ich einen Film über viele Verluste drehen und warum nach jedem Tod die Zeit schneller zu vergehen scheint.“ So erzählt er nebensächlich hauptsächlich von grandiosen unterschiedlichen Welten, Taiwan-Europa, Sohn-erträumte Freundin, toter Vater-überlebende Mutter… Und gemeinsamen Sehnsüchten, elementaren Defiziten, nicht angestrengt, fast heiter…

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XIAO BAI WU JIN JI – HIDDEN WHISPER

Ein Hochzeitsbild in Scherben, langsam tropft Blut von den Handgelenken, Haß zweier Menschen, die durch ihr Kind noch aneinander gefesselt sind: Für die fünfjährige Xiao-bai bedeuten Spiel, Flucht und Abenteuer, mit dem behinderten Vater bis spät in die Nacht betteln zu gehen. Aber Regisseurin Vivian Chang erzählt in ihrem Debütfilm kein Elendsmelodram, wie es Millionen tagtäglich erleben. Von den düsteren Blaugelbtönen zu Beginn tastet sie sich in urbane Neonwelten vor, verfolgt ruhelose Ausbrüche einer Kindheitsnomadin, spiegelt fast nebenbei grandios die Inhumanität Taipehs, der Welt, um letztendlich konsequent in einem Krankenhaus zu enden. Erzählt darüber hinaus von einem ewigen Konflikt zwischen einer Tochter und ihrer Mutter, von Desillusionen, mächtigen Vergewaltigungen, ohnmächtigen Abhängigkeiten. Xiao-bai als Fünfjährige: „Ich liebe Mama, Papa auch“, und dann mit 17: „Für mich ist Mutter nur ein Name, mein Leben wäre besser ohne sie“. Fast schon abgeklärt, resümiert sie gefangen am Totenbett der Mutter: „Sind alle Mutter-Tochter-Beziehungen so: ohne Ende, ohne Ausweg…?“ Mutig springt Vivian Chang zwischen Vor- und Rückblenden, Parallelmontagen, sparsamen Dialogen mitten ins Herz. Wenn Xiao-bai noch als Erwachsene traurige Zeichnungen malt, und Männer als ewig Behinderte fast sprachlos am Rande hilflos agierend verenden, dann zeigt sie mehr als sonst auf Kinoleinwänden üblich ist. Auch wenn die Mutter verzweifelt schreit: „Ich hätte Dich nie haben wollen“, lacht am Ende Xiao-bai als junge Mutter der Welt herausfordernd entgegen.

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