Seiichi Motohashi

NAHJA NO MURA

In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986: Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl. Damals gehörte das Gebiet der heutigen Ukraine noch zur Sowjetunion. Der Landstrich Gomel bei Tschernobyl gehört heute zu Weißrussland. Kurz nach dem Unglück verteilte ein starker Wind Radioaktivität über das ganze Gebiet und verwandelte die Erde in verseuchtes und totes Land. Fast alle der dort lebenden dreihundert Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Nur sechs von ihnen blieben zurück. Da sie sich weigerten, in einen anderen Teil des Landes zu ziehen, wurden sie „Samosyol” (Egoisten) genannt. Die achtjährige Nadia im Dorf Dudichi (Landkreis Tschetschersk in Gomel) gehört zu einer dieser sechs Samosyol-Familien. Im Frühling breiten sich grüne Felder vor ihnen aus und im Sommer ernten sie Getreide. Elf Jahre sind vergangen und noch immer ist das radioaktiv stark belastete Land offizielles Sperrgebiet. Die Menschen, die trotzdem geblieben sind, leben ihr eigenes, isoliertes Leben in der weiten Ebene. „Die Schönheit von Belarus ist überwältigend. Man kann die Dorfbewohner verstehen, die fragen: ’Wie könnt ihr von uns verlangen, unsere Heimat zu verlassen, weil sie verstrahlt wurde? Warum lasst ihr uns nicht in Ruhe?’ Die provokative Kamera macht klar, wie lebenssprühend diese Dörfer einst gewesen sein müssen.” (Sato Tadao in: Asahi Shinbun)

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