Rodrigo Fürth

BAJO TIERRA

Argentinien, kurz nach der Militärdiktatur: Manuel lebt als Taxiboot-Fahrer am Paraná; eines Tages steigt jener Mann in sein Boot, der Manuels Frau entführte und verschwinden hat lassen…

Argentinien 1985
Regie: Rodrigo Fürth
17 min, 16mm, Farbe, OmeU
Bester Kurzfilm UNCIPAR Villa Gessell Film Festival 1985, Preise in USSR, Bahia Brasil Film Festival 1986

TOCA PARA MI

arlos lebt zufällig in die Tage, mehr noch die Nächte, von Buenos Aires hinein. Seine Eltern sah er nie, das sollte und durfte nicht sein, so schlägt er sich als Schlagzeuger einer Punkband mit dem unfreiwilligen Leben herum, bis Genaro, jener lebenslustige Akkordeonspieler, der ihn einst als Kind adoptierte, stirbt. Oft bringt in richtigen Filmen wie im richtigen Leben gerade der Tod lebendige Impulse, die auch vor jugendlichem Scheintod retten können. Carlos bricht auf, macht sich auf den Weg in die Vergangenheit zur Zukunft, von den guten Lüften zu den Engeln, von Buenos Aires nach Los Angeles, einem trostlosen Dörfchen in der argentinischen Pampa. Sein Geburtsort. Sein Gepäck: Genaros Akkordeon. Spielend leicht etabliert Rodrigo Fürth, dessen Großeltern aus Österreich auswanderten, das Koordinatenflugsystem versteckt verwirrter jugendlicher Verzweiflung: Als Carlos sich auf den Weg macht, dröhnt noch die Punkversion des alten kreolischen Walzers „Desde el alma (Aus ganzer Seele)“ in seinen Ohren, der vielen Generationen zu ersten Zärtlichkeitserfahrungen verhalf, später werden es Cumbias, Chamames, Rasguido Dobles sein, die den Heimatflug in turbulente Schwingungen versetzen. In Los Angeles gibt es keine Engel, trotzdem nimmt ihn einer mit, nicht nur um zu beweisen, daß Engel ohnehin meistens weiblich sind. Fabiana darf er zu ihr sagen. Ihren Lebensunterhalt verdient Fabiana mit schnellem Sex für Lastwagenfahrer, da im Plüschbordell von Los Angeles familiäre Langeweile nur mehr von vergangenen Zeiten träumen läßt. Aber jetzt will auch sie nach Hause, zu ihrem kleinen Sohn, ihrem Zuhälterfreund, zu ihrem Haus, einem stillgelegten alten Bahnhof. Und nimmt Carlos einfach mit. Kaum eine Sekunde steht Fürths Reisefilm still, schon beginnt eine bizarre dörfliche Tragikomödie, die Himmel und Hölle in jeder Sekunde vereint. Kleine Gesten, traditionelle Metaphern, Regen, Sonne, die ausufernde Enge der flachen Landschaft, bestimmen die melancholische Lebenswut dieses außergewöhnlichen Films, nicht zuletzt die Musik, die jedem sein Leitmotiv wie ein Brandmal oder Hoffnungszeichen klingen läßt, all das macht TOCA PARA MI zu einem seltenen filmischen Ereignis.(or) Rodrigo Fürth machte seine Filmausbildung heimlich während der argentinischen Militärdiktatur. Es entstanden die Kurzfilme TESTIGOS DE CADENA und BAJO TIERRA (1986). Letzteren hat er im Gepäck nach Innsbruck (s.S 11). Regie-Dozent an der Filmschule von Eliseo Subiela in Buenos Aires.

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