Robert Glinski

CZESC TERESKA – Hi, Tereska

Mädchen und Knaben in weißen Kleidern singen rührende Lieder in einer Betonkirche am Rande Warschaus, zwischen trostlosen Wohnungskasernen vollführen sie Beschönigungsrituale, hilflose Beschwichtigungszeremonien und gefangen mittendrin: Tereska. Gefangen von der Macht ihrer überforderten, alkoholisch-euphorisiert-deprimierten, immer tiefer ins soziale Abseits schlitternden Eltern. Tereska wagt zaghaft mutig ihre ersten Schritte bedingungsloser Selbständigkeit, schafft die Aufnahme in eine Modeschneiderinnenschule um nur noch verwirrter dem alltäglichen Terror zu widerstehen. Schonungslos lernt Tereska von ihrer Kollegin Renata den brutalen Weg in eine kalte Erwachsenenwelt: die erste Zigarette, am Friedhof die erste Flasche Wein, der erste Diebstahl, der erste Kuß als peinliches Machtspiel, die erste sexuelle Erfahrung wie eine Vergewaltigung. Verzweifelt versucht Tereska ihr junges Leben lebenswert zu machen, aber schon früh lernte sie Spiele von Macht, Ohnmacht, Verletzung mit dem kranken Hausmeister Edek, der sie spielerisch Zigaretten an seinen schmerzunempfindlichen Beinstümpfen ausdrücken ließ. Und dennoch sieht sie ihn als ihren einzigen Verbündeten, darf kurzzeitig mächtig, sie selbst sein und unmögliche Wünsche äußern: „Ich will deine verkrüppelten Beine schlagen, daß es dir wehtut“. Aber Edek, das zutiefst menschliche, verwundete Tier, lehrte Tereska auch, verdammt zu selbstzerstörender Einsamkeit, was die Gesellschaft so normal brutal funktionieren läßt: Tauschwerte schaffen, profitieren und radikal Gefühle verhandeln, verletzen, töten. Und Tereska erweist sich als außergewöhnlich gute Schülerin… Der 50-jährige polnische Regisseur Robert Glinski schuf mit „Tereska“ einen seltenen Film, einen der weh tut, der nichts beschönigt, sondern den brutalen Slang der Vorstadttrostlosigkeiten von unmittelbar Betroffenen vor- und nachspielen, echt sein läßt. Aleksandra Gietner, die Darstellerin von Tereska, pendelt stetig zwischen kurzzeitigen Verhaftungen und langen Fluchten.

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