Richard Dindo

GENET IN CHATILA

„Ich mußte nach Chatila gehen, um die Obszönität der Liebe und die Obszönität des Todes wahrzunehmen.“ 1982 drang der Foltertod von palästinensischen Flüchtlingen im Lager Chatila bei Beirut durch Jean Genets Netzhaut und holte ihn ein: Nach 30 Jahren hat er noch einmal Literatur geschrieben. Sein Gesicht war wie verbrannt, schildert seine Begleiterin Leila Chahid Barrada, als er aus Chatila zurückkam. Er sperrte sich ein und schrieb, jedem Reflex, den die Niedergemetzelten auf seiner Netzhaut auslösten, jedem Gedanken folgte er in düstere Gänge. Auch solchen: „Das Recht ist auf ihrer Seite, weil ich sie liebe. Doch würde ich sie lieben, wenn das Unrecht sie nicht zu einem Wandervolk gemacht hätte?“ „Memory-composer“ hat man den Schweizer Filmemacher Richard Dindo genannt. In GENET IN CHATILA führt er Mounia ein, eine junge Französin aus algerischem Elternhaus, die Genets Reise zu ihrer Odyssee macht. Ihre uninszenierte Schönheit, ihre unaufdringlich hartnäckige Präsenz, ihre Jugend, die gegen das Vergessen setzt, schlagen eine Brücke zwischen der Solidaritätsbewegung und der „Wickie, Slime and Paiper“-Generation. (vt) • Erwähnung der FIPRESCI-Jury Locarno 1999 Richard Dindo (1944 Zürich) ist Chronist grenzgängerischer Figuren. Filmographie (Auswahl): ARTHUR RIMBAUD (1990), ERNESTO „CHE“ GUEVARA – DAS BOLIVIANISCHE TAGEBUCH (1994), GRÜNINGERS FALL (1997)

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NI OLVIDO NI PERDÓN (Kein Vergessen, kein Pardon)

Zehn Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Mexiko am 2. Oktober 1968 richtete das mexikanische Militär am Platz der Drei Kulturen ein Massaker an, das hunderte Menschenleben kostete. Die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Ein Film gegen das Vergessen.

Schweiz 2003
Regie: Richard Dindo
85 min, 35 mm, Farbe, span. OF mit dt. UT