Polen

CZESC TERESKA – Hi, Tereska

Mädchen und Knaben in weißen Kleidern singen rührende Lieder in einer Betonkirche am Rande Warschaus, zwischen trostlosen Wohnungskasernen vollführen sie Beschönigungsrituale, hilflose Beschwichtigungszeremonien und gefangen mittendrin: Tereska. Gefangen von der Macht ihrer überforderten, alkoholisch-euphorisiert-deprimierten, immer tiefer ins soziale Abseits schlitternden Eltern. Tereska wagt zaghaft mutig ihre ersten Schritte bedingungsloser Selbständigkeit, schafft die Aufnahme in eine Modeschneiderinnenschule um nur noch verwirrter dem alltäglichen Terror zu widerstehen. Schonungslos lernt Tereska von ihrer Kollegin Renata den brutalen Weg in eine kalte Erwachsenenwelt: die erste Zigarette, am Friedhof die erste Flasche Wein, der erste Diebstahl, der erste Kuß als peinliches Machtspiel, die erste sexuelle Erfahrung wie eine Vergewaltigung. Verzweifelt versucht Tereska ihr junges Leben lebenswert zu machen, aber schon früh lernte sie Spiele von Macht, Ohnmacht, Verletzung mit dem kranken Hausmeister Edek, der sie spielerisch Zigaretten an seinen schmerzunempfindlichen Beinstümpfen ausdrücken ließ. Und dennoch sieht sie ihn als ihren einzigen Verbündeten, darf kurzzeitig mächtig, sie selbst sein und unmögliche Wünsche äußern: „Ich will deine verkrüppelten Beine schlagen, daß es dir wehtut“. Aber Edek, das zutiefst menschliche, verwundete Tier, lehrte Tereska auch, verdammt zu selbstzerstörender Einsamkeit, was die Gesellschaft so normal brutal funktionieren läßt: Tauschwerte schaffen, profitieren und radikal Gefühle verhandeln, verletzen, töten. Und Tereska erweist sich als außergewöhnlich gute Schülerin… Der 50-jährige polnische Regisseur Robert Glinski schuf mit „Tereska“ einen seltenen Film, einen der weh tut, der nichts beschönigt, sondern den brutalen Slang der Vorstadttrostlosigkeiten von unmittelbar Betroffenen vor- und nachspielen, echt sein läßt. Aleksandra Gietner, die Darstellerin von Tereska, pendelt stetig zwischen kurzzeitigen Verhaftungen und langen Fluchten.

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EDI

Zwei Alkohollieferanten bieten Edi an, Privatlehrer ihrer 17-jährigen Schwester „Prinzessin“ zu werden. Bald wird das Mädchen schwanger. Die Brüder verdächtigen einen Zigeuner. Um ihren Geliebten zu retten, beschuldigt „Prinzessin“ Edi, sie vergewaltigt zu haben.

Polen 2002
Regie: Piotr Trzaskalski
100 min, 35 mm; Farbe, poln. OF mit engl. UT

ZUD

Als die eisige Kälte über die mongolische Steppe hereinbricht, verliert die Familie des elfjährigen Sukhbat zahlreiche Schafe und Ziegen. Um die drohende Schuldennot des Vaters zu lindern, soll Sukhbat mit einem halbwilden Pferd an einem gut dotierten Rennen teilnehmen. Herausforderungen und Konflikte, Geduld und Einsicht sind mit den Vorbereitungen verbunden – die Beziehung zwischen Vater und Sohn spitzt sich zu. Die hellen Singrufe, mit denen Sukhbat sein Pferd antreibt, und das Rauschen des kalten Windes dominieren den Klang der Steppe.
Regie: Marta Minorowicz
Deutschland/Polen 2016
85min, OF­eUT DFW

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