Pier Paolo Pasolini

APPUNTI PER UN FILM SULL’INDIA

Die beiden Dokumentarfilme APPUNTI PER UN FILM SULL’INDIA (1967/68) und APPUNTI PER UN’ORESTIADE AFRICANA (1968/69) entstanden im Rahmen eines geplanten Projektes über die Themen Religion und Hunger in den Ländern der „Dritten Welt“. Es waren weitere Dokumentationen über die Realitäten in den arabischen Ländern, in Lateinamerika und den afroamerikanischen Vierteln der USA geplant, die aber aufgrund anderer Projekte nie umgesetzt wurden. Pasolinis Faszination für diese Länder und Kulturen muss im Gesamtkontext seiner Gesellschaftskritik gesehen werden. Pasolini meinte, dass die eigentliche, noch nicht durch die zerstörerische Macht des Kapitals und des Konsums beeinflusste Kultur hauptsächlich im Proletariat und in agrarisch strukturierten Gesellschaften vorzufinden sei: Diese Gesellschaften seien das ursprüngliche Element und Prinzip der Ordnung selbst. Auch wenn die Länder der „Dritten Welt“ vom Westen kolonialisiert wurden, so finde man doch in diesen Gesellschaften mehr Authentisches als zum Beispiel in den Strukturen des korrupten Westen. Von diesen Ländern und Kulturen aus eröffne sich auch für den Westen eine positive Dynamik des Revolutionären, ein Gedanke, von dem sich Pasolini allerdings wenige Jahre später distanzierte, als er sich eingestehen musste, dass nicht die erhoffte Revolution des Proletariates, sondern vielmehr die Revolution der Bourgeoisie vollzogen wurde.

read more

APPUNTI PER UN’ORESTIADE AFRICANA – NOTIZEN ZU EINER AFRIKANISCHEN ORESTIE

Zwischen Dezember 1968 und Anfang 1970 drehte Pier Paolo Pasolini Probeaufnahmen für eine moderne Fassung der Tragödie von Aischylos, die nicht in Griechenland, sondern in einem noch von Stämmen regierten Afrika spielen sollte, in das die Moderne Einzug hält. Zugleich den politischen Fortschritt und die Risiken von Eingriffen in die Natur hinterfragend, bereiste er Uganda und Tansania auf der Suche nach Dekors und Personen, während er seine eigenen Bilder kommentierte. Die Appunti fungieren als Vorstudie zu einem Film, der letztendlich nie gedreht wurde.

read more

CHE COSA SONO LE NUVOLE?

Episode aus: Capriccio all’italiana In einem volkstümlichen Puppentheater wird Shakespeares „Othello“ aufgeführt. Othello (Ninetto Davoli) wird durch Jago (Totò) in die Irre geführt. Der listige Jago inszeniert eine vermeintliche Affäre zwischen Desdemona (Laura Betti) und Cassio (Franco Franchi). Othello will sich an Desdemona rächen, doch die Situation droht zu eskalieren.

Italy 1967
Regie: Pier Paolo Pasolini
20min, 35mm, Farbe, OmeU

LA SEQUENZA DEL FIORE DI CARTA

Episode aus: Amore e rabbia Der naive Ricietto (Ninetto Davoli) tingelt durch die hektischen Straßen Roms. Er ist fröhlich und unbekümmert, und sein Erscheinungsbild steht geradezu im Kontrast zu seiner Umwelt. Plötzlich geschieht das Unerwartete: Ricietto wird von Gott angesprochen und mit der Schuldhaftigkeit der Welt konfrontiert. Die Inspiration für diesen Film fand Pasolini in der biblischen Erzählung des Feigenbaums, der keine Früchte trägt (LK 13,1-9).

Italien 1968
Regie: Pier Paolo Pasolini
10min, 35mm, Farbe, OmeU

read more

LA TERRA VISTA DALLA LUNA

Episode aus: Le streghe Die Episode erzählt die donquijotesken Abenteuer von Ciancicato Miao (Totò) und seinem Sohn Baciù (Ninetto Davoli). Nach der Trauer um ihre kürzlich verstorbene Gattin und Mutter Crisantema beschließen die beiden Alleingebliebenen die ideale Frau zu finden, die würdig die Rolle der Verstorbenen einnimmt. Nach mehreren Fehlschlägen begegnen sie Assurdina Caì (Laura Betti), die geradezu perfekt ihren klischeehaften Vorstellungen entspricht: jung, hübsch, schweigsam und stets um den Haushalt bemüht. Doch wie könnte es wohl anders sein: Der Schein trügt!

read more

LE MURA DI SANA’A

Während der Dreharbeiten von DECAMERON (1970) verbrachten Pasolini und sein Filmteam einige Wochen im Jemen, um dort die Episode ALIMBECH zu drehen, die letztlich aus der Endfassung des Films geschnitten wurde und bis heute als verschollen gilt. Mit den übriggebliebenen wenigen Metern Film aus den Dreharbeiten machte sich Pasolini am 18. Oktober 1970 durch die Straßen Sanaas auf den Weg, um die wunderbaren Fassaden, Mauern und Türme dieses „wilden, auf Staub gebauten Venedig“ zu filmen. Ziel dieser Dokumentation war ein Appell an die UNESCO, diese einzigartige „Perle des Orients“ als Teil des Weltkulturerbes aufzunehmen.

read more

SOPRALLUOGHI IN PALESTINA PER IL VANGELO SECONDO MATTEO

1963 begab sich Pasolini im auf eine Reise ins Heilige Land, um passende Drehorte für den geplanten Film IL VANGELO SECONDO MATTEO zu suchen. Er besuchte Israel, Palästina, Syrien und Jordanien und verweilte an den Wirkungsstätten Jesu, um dort nötige Inspiration für den Film zu finden. Doch diese Schauplätze entsprachen nicht seinen Vorstellungen: Das „moderne“ Heilige Land hatte inzwischen seine Chimäre des Ursprünglichen und Archaischen verloren, sodass Pasolini den Film doch in Süditalien drehte. Aus dem vorhandenen Filmmaterial entstand in Folge diese einmalige Dokumentation.

read more