Patricio Guzmàn

CHILE, LA MEMORIA OBSTINADA

Auf der Suche nach Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung kehrte Guzmán zu Schauplätzen aus LA BATALLA DE CHILE zurück, sprach mit den „anonymen Helden“ aus dem Umfeld Allendes – seinen Leibwächtern und seinem Chauffeur, der an diesem 11. September 1973 heiratete -, mit Hinterbliebenen von „Verschwundenen“ und auch mit einstigen Befürwortern des Putsches. An einer Universität organisierte Guzmán eine Vorführung von LA BATALLA für Studenten. Die plötzliche Gleichzeitigkeit ihrer unbelasteten Kindheitserinnerungen mit der Konfrontation einer brutalen Gesellschaftsspaltung ist wie ein Schock. Ein Student erinnert sich an einen Morgen, die Sonne schien, übermütig hüpfte er im Bett auf und ab. Den Haß, der draußen wütete, lernt er nun, in diesem in Chile unbekannten Film kennen. Nur eine Generation trennt jene, die den Putsch und seine Folgen miterlebten, und eine Jugend, die zum Verdrängen erzogen wurde. „Guzmán nimmt die Bedeutung und die Zerbrechlichkeit der politischen Erinnerung in Augenschein. Orte des Verbrechens werden aufgesucht, wie das Fußballstadion, das Konzentrationslager war. In einer außergewöhnlichen Sequenz filmt Guzmán die Reaktionen von Menschen auf der Strasse, als sie die Hymne der Partei Allendes, ‘Venceremos’ hören: In diesem Moment werden wir nichts weniger als Zeugen, wie eine kollektive Erinnerung entsteht.“ (Michael Sragow, San Francisco Weekly, 1998)

read more

EL CASO PINOCHET – Der Fall Pinochet

Am 22. September 1998 flog Augusto Pinochet zu einer Vergnügungsreise nach London, kaufte ein, trank Tee mit Margaret Thatcher. Als er Rückenschmerzen verspürte, unterzog er sich einer Operation. Von der Narkose aufgewachte, stand er unter Polizeiarrest. Patricio Guzmán: „Ich war gerade in Madrid, als ich von der Festnahme Pinochets erfuhr. Ich war verblüfft! 27 Jahre im Exil, von einem Land in das andere ziehen… Bis zu welchem Punkt gehörte Pinochet zu meinem Leben? Wie viele Jahre war ich ihm gegenüber in Opposition geblieben? (…) Es ist auch ein Film über das ‘Unglaubliche’, über ein Ereignis, das unrealistisch schien, über einen ‘Unfall’, der der Justiz gestattete, die Straffreiheit eines weltbekannten Tyrannen aufzuheben.“ In dreijähriger Arbeit schuf Guzmán einen erschütternder Film über die Zielstrebigkeit spanischer Juristen und über die anonymen Hüterinnen der Erinnerung: Weibliche Folteropfer als „Chor“ der Tragödie. Auf die Frage eines Journalisten, warum vorwiegend Frauen zu Wort kommen, antwortete Guzmán, dass sie offener über ihren Schmerz sprechen können und wollen. Sie seien zur moralischen Kraft Chiles herangewachsen. Unvergesslich, wie eine Frau erzählt, das Grauenhafte an der Folter war nicht nur der Schmerz, sondern die Formalität, mit der ihr Männer Elektroden in der Vagina platzierten.

Frankreich 2001
Regie: Patricio Guzmán
110 min, 35mm, 1:1.85, DTS, Farbe, span.-engl. OmenglU

read more

LA BATALLA DE CHILE – Der Kampf Chiles

Chile Anfang 1973: Ein Kampf zwischen politischen und privaten Prinzipien, Macht, Ohnmacht, ein Hexenkessel an Emotionen regiert in Santiago. Am 11. September 1973 tauchten frühmorgens am silbrigen Himmel Helikopter über dem Regierungssitzung Palacio Moneda auf und setzten dem „Krieg eines Volkes ohne Waffen“ ein gewaltsames Ende. In der großen Tragödie der Militärdiktatur ist die Ermordung des Kameramanns Henrickson am 11. September kein zu vernachlässigendes Detail: Er richtet die Kamera auf seinen Henker und zoomt ihn heran, „als würde er sich von der Kamera beschützt fühlen“ (Patricio Guzmán). Der Schuß fällt, der Kameramann stürzt tödlich getroffen zu Boden. Die weiteren Ereignisse verliefen für Jahrzehnte im Dunklen. Mit dieser Sequenz endet der erste Teil und beginnt der zweite von LA BATALLA. „Dieser Film ist das erste Kunstwerk einer neuen Art, Politik zu analysieren. Auch wenn bekannte Namen im Drehbuch stehen, so verdankt sich das Werk einem einzigen Mann. Und auch das nicht aus Gründen der Herkunft, sondern weil der kreative Part, die Realisierung, die Montage, einem Bresson oder Fellini ebenbürtig sind.“ (Louis Marcorelles, Le Monde, 1975)

read more

NOSTALGIA DE LA LUZ

Es sind Suchende, deren Geschichten Patricio Guzmán in NOSTALGIA DE LA LUZ, seiner Hommage an Chile, dokumentiert. Die Astronomen, die in der chilenischen Wüste ihre modernen Gerätschaften auf der Suche nach der Zukunft der Menschheit bemühen. Die Familien, die in den Massengräbern der Pinochet-Diktatur die Gebeine ihrer Angehörigen und damit einen Teil ihrer Geschichte zu finden hoffen. Die Bewohner der Hauptstadt, die Getriebene sind in ihrem Streben nach finanziellem Wohlstand. Vergangenheit und Zukunft Chiles verdichten sich in ihren Schicksalen.

read more

SALVADOR ALLENDE

Der 11. September 1973 ist ein denkwürdiges Datum: An diesem Tag wurde in Chile durch den US amerikanischen CIA der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende gestürzt, die Demokratie durch eine der brutalsten Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts ersetzt. Der Chilene Patricio Guzmán hat diese Zeit als junger Filmemacher erlebt und in mehreren Filmen thematisiert. Jetzt nähert er sich in einem sehr persönlichen und einfühlsamen Porträt der Figur Salvador Allendes, der zu den raren integren Persönlichkeiten auf dem politischen Parkett gehörte. Guzmán zeichnet mit eindrücklichem Bildmaterial den politischen Aufstieg Allendes bis hin zum Selbstmord vor dreißig Jahren nach.

read more