Moussa Touré

La Pirogue

Eine Piroge ist ein einfacher Schiffstyp, ein Einbaum, der eigentlich zum Fischen genutzt wird. In LA PIROGUE wird er aber kurzerhand zum Schicksalsträger umfunktioniert, denn das Boot soll eine Gruppe Afrikaner über die Kanaren in das vermeintliche Paradies Europa bringen. Doch die Überfahrt entpuppt sich schnell als lebensgefährliche Herausforderung. In dem politisch motivierten Drama wird der Blick auf die Ereignisse im Boot fokussiert und bringt damit das Publikum näher an das unbequeme Geschehen heran, als ihm vielleicht lieb ist.

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TGV

„Held” des Films ist ein sogenannter Car Rapide, ein in vielen afrikanischen Städten populärer Kleinbus, häufig in abenteuerlichem Zustand, mit dem sich nicht nur Menschen über unwegsame Straßen transportieren lassen, sondern in und auf dem auch Haustiere Platz finden. Ein „Train à Grande Vitesse” (TGV) ist der klapprige Bus, der zwischen Dakar im Senegal und Conakry in Guinea verkehrt, wahrlich nicht. Dafür heißt sein Chauffeur Rambo und ist ausgestattet mit unerschütterlicher Zuversicht und grenzenlosem Selbstvertrauen. Die Warnung des Militärs vor aufständischen Stämmen entlang seiner Route schlägt er in den Wind. Es findet sich auch eine kleine bunte Reisegesellschaft, die das Wagnis mitmacht: ein soeben aus dem Amt gejagter Finanzminister und seine Ehefrau, ein Drogendealer, eine Frau auf der Flucht vor der Polygamie, zwei miteinander konkurrierende Schamanen, eine selbstbewußte junge Städterin. Als ein französisches Forscherpaar, das mit einer Karte aus dem 18.Jhdt. reist, an Bord kommt, ist der Mikrokosmos perfekt. „Reisegesellschaft” wird in TGV zu einer Metapher für den Auf- und Umbruch der afrikanischen Gesellschaft. Das Road-Movie führt auf eine Reise durch ein Land, dessen soziales Gefüge seine Dynamik oft aus den scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen von Tradition und Moderne, von archaischen Lebensformen und Hightech bezieht. Jede der mitreisenden Personen repräsentiert einen besonderen Aspekt dieser Gesellschaft. Und dabei hat man es mit einer raffinierten Geschichte zu tun, die charmant mit Versatzstücken aus Komödie, Tragödie und Melodrama jongliert, untermalt von der schnörkellosen und beeindruckenden Musik Wasis Diops – „einer der unterhaltsamsten und klügsten Filme aus Afrika”, sagt Michael Lang. Moussa Touré: „Ich bin ein Afrikaner und ich mache afrikanisches Kino. Aber nicht jenes Kino, das die Europäer meinen, das der Folklore, der Exotik, der Langsamkeit. Dem verweigere ich mich kategorisch. Mein Film ist eine Kamerafahrt, die im Senegal beginnt und ganz Afrika umspannt. Krieg, Leiden und Lebensfreude erleben alle Afrikaner ähnlich. (…) Wenn man in Afrika in ein Sammeltaxi einsteigt, weiß man nie, wer einem gegenüber sitzt. Ein Polygamist, eine geschiedene Frau, ein Drogenhändler, eine seltsame Person, die vielleicht ein Rebellenchef ist.” (nach: epd Film 5/99; votiv 339; movimento 4/01)

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