Marziyeh Meshkini

ROOZI KEH ZAN SHODAM

Was bestimmt ein Frauenleben im Iran oder irgendwo auf diesem gewalttätigen Planeten? Männliche Sozialisation, Herrschaftsdenken, so brutal wie subtil mittels Ritualen, Gesetzen, Traditionen exekutiert. Ein Mädchen von neun Jahren möchte spielen und nicht Frau sein, eine Frau auf ihrem Fahrrad nicht von Männern auf Pferden gejagt werden, eine alte Frau nicht frustriert dem Konsumterror erliegen. Davon erzählt Marziyeh Meshkini in ihrem ersten Spielfilm, auch von archaischen Unterdrückungsmechanismen, verstümmelten Träumen …. Hava, das Kind, soll verstehen, daß ihr Frauenleben mit ihrem neunten Geburtstag, mit Kopftuch und moralischem Sündenschwert beginnen soll? Sie wehrt sich. Erfindet natürliche Ausreden, hält mit einem kleinen Stock im Sand die Zeit an und gibt ein letztesmal ohne Schuldgefühle aus ihrem Mund den Zuckerschlecker an ihren Kindheitsfreund und zukünftigen Feind Hassan, der ebensowenig verstehen kann, warum er plötzlich Feind sein soll. Ahoo kämpft in einem Fahrradrennen gegen Frauen, aber es sind die Männer, die sie mit ihren disziplinierten, verwundeten Pferden zur Strecke bringen. Wer aufgehalten wird, kann in einer Zeit-Geld-Welt nie gewinnen. Hoora, die jenseits aller Schrecken überlebensnotwendige Frau an sich, vergaß längst sich und die anderen, versucht nur mehr zu retten, was zu retten und erhältlich ist: Haushaltsartikel, Wohlstandsinsignien lächerlicher gesellschaftlicher Sicherheiten, aber doch Werbetraumprodukte eines ganz nahen, vermeintlich glücklichen Lebens. Hava, Ahoo, Hoora, drei fiktive Lebensspiegelungen, drei realistische Tragödien, ein Film, der Realitätsfluchten ermöglicht und trotzdem insistiert das Nichtvergessen einer utopischen Gegenwelt, zu schön, zu traurig, zu wahr, um wahr zu sein? Marziyeh Meshkini warnt, aber verdammt nicht. Was für eine Regisseurin… (or) • CICT-UNESCO Preis, bester Erstlingsfilm Venedig 2000 • Bester asiatischer Film Pusan Film Festival 2000 • Speziallerwähnung Nantes 2000 Marziyeh Meshkini (1969 Teheran) machte ihre Filmausbildung in der Schule der Familie Makhmalbaf, Regieassistentin bei Mohsen und Samira Makhmalbaf.

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