Maryse Sistach

PERFUME DE VIOLETAS: NADIE TE OYE – Nobody Hears You

„Alle 28 Tage muß ich auf meine Menstruation achten“, befiehlt eine überforderte Lehrerin strafend der 15-jährigen Yessica sinnlos wiederholend in ihr Schulheft einzutragen, aber die Blutspuren an Yessica sind nicht Zeichen freudigen Wandels vom Kind- zum Frausein, sondern unübersehbar verbliebene Wundmerkmale einer von ihrem Stiefbruder er-möglichten Vergewaltigung. Nicht zufällig lautet der Untertitel „Niemand hört dich“, weil letztlich niemand nichts wissen will, Oberflächenrituale den Alltag von überlebensnotwendigen Abhängigkeiten bestimmen, Heuchelei, verheeren-des Nützlichkeitsdenken… Es hätte noch gut gehen können, zwei vaterlose Mädchen, Yessica und Miriam, adoleszent lebendig in einer überbevölkerten Millionenstadt, Mexiko Stadt, finden zueinander, teilen Nachmittage zwischen Hausaufgaben, Schminktiraden, ausgelassenen Schaumbadespielen, ungefähren Vertraulichkeiten. Aber weder die ängstlich konstruierte Heimpuppenwelt Miriams noch Yessicas kalte Verachtetsein-Welt dürfen sich versöhnen, provokant verweigert sich Regisseurin Maryse Sistach radikal jeder Gefallsucht, läßt die mitleidslose Gesellschaft ausufern, Fehler um Fehler begehen und im Geiste Buñuels letztendlich alle Hoffnung hoffnungsvoll schweben… An einem Nachmittag erkennt Yessica: „Ich bin als Verliererin zur Welt gekommen.“ Und alles Wehren hilft nicht. Im Gegenteil, jeder Schritt ein Fehltritt, von einem Streit zum nächsten, von einer Hoffnung zur folgenden Verachtung, so taumelt sie verzweifelt vor sich hin, momentane Glücksmomente zur Täuschung täuschen nicht mehr, Miriam, ihre einzige Freundin, betrogen, verloren, fällt tödlich…

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