Marokko

ALF CHAHR (Mille Mois/Tausend Monate)

Die Hauptfigur des im Jahr 1981 spielenden Films ist der junge Mehdi, der in einem Bergdorf im marokkanischen Atlasgebirge lebt und auf die Rückkehr seines Vaters wartet. Dieser arbeitet laut seiner Mutter und seinem Großvater in Frankreich, sitzt in Wirklichkeit aber im Gefängnis. Das innere Gleichgewicht des Jungen ist in jedem Augenblick gefährdet …

Marokko/F/B 2003
Regie: Bensaïdi Faouzi
124 min, 35 mm, Farbe, Farbe; arab. OF mit dt. und franz. UT

AOUD RIH – Das Windpferd

Rasend schmettert ein Zug über die Leinwand, langsam bringt ein Boot einen alten Mann an irgendein Ufer. Schon die ersten Bilder illustrieren, was kommen wird: Unterwegssein, flüchtige Bewegungen, Sehnsucht, Ankünfte, Abschiede. Zwei marrokanische Männer treffen sich zufällig. Taher, der Ältere, war einstmals geachteter Hufschmied, jetzt fühlt er sich nur mehr als Last seines Sohnes, bricht auf in die Ver-gangenheit, sucht verzweifelt einen Heimatort, sinnvolle Überlebenswahrzeichen in einem fernen Dorf, Azemmour, am Grab seiner zu früh verstorbenen, unsterblich geliebten Frau. Unterwegs trifft er auf den 30-jährigen Driss, dem Krankenhaus wie einem Gefängnis entronnen, auf der Suche nach seiner totgesagten Mutter. Schicksalshaft ketten sich ihre einsamen Sehnsüchte aneinander, und sie reisen, teilen Enttäuschungen, natürliche Mißverständnisse, seltene Einverständnisse, vorübergehende Hoffnungen. Bis ans Ende aller Enttäuschungen, am provozierenden Rande des Selbstmords, als der von allem enttäuschte alte Mann ein Leben retten darf…

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ARAÏS AL-TEÏN (Poupées d´Argile)

Im Dorf vertrauen die Familien ihre Mädchen Omrane, einem ehemaligen Hausangestellten, an. Sie werden nach Tunis gebracht, um dort als „Mädchen für alles“ zu arbeiten. Die kleine Feddha, die soeben in die Stadt gekommen ist, kann sich nicht an ihr neues Leben gewöhnen. Die Flucht eines anderen Mädchens aus dem Dorf, Rebeh, gibt ihr Gelegenheit auszubrechen. Sie macht sich davon, zusammen mit Omrane, der in Rebeh verliebt ist, und sucht in der ganzen Stadt nach jener, die fortlief, um frei zu sein. Mit seltener formaler Meisterschaft deutet der Film mehr an, als er aussagt, schafft Stimmungen und nicht Situationen, stellt Fragen, statt fertige Lösungen zu liefern. In eindringlicher Weise drücken gestische Metaphern – die eine angemessene Distanz zwischen Andeutung und Übertragung halten – die Gemütszustände der Personen aus; direkte Rede kommt selten vor. So formt und zerstört die kleine Feddha ihre Puppen aus Ton und lebt in einer imaginären Welt, dank der sie sich ein Stückchen der ihr allzu früh geraubten Kindheit zu bewahren vermag. Statt Moral zu predigen oder Lehren zu erteilen, will der Regisseur den Zuschauer dazu bringen, sich die Dinge selbst zu erklären; er zieht es vor, auf der Ebene der Emotion zu bleiben, um so in die Tiefe und Einsamkeit der Personen vorstoßen zu können, ohne deuten zu müssen.

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LE GRAND VOYAGE

Einige Wochen vor der Matura muss Reda, ein etwa 20-jähriger Gymnasiast, der in der Provence lebt, den Chauffeur für seinen Vater spielen, der den Hadsch, die traditionelle Pilgerfahrt nach Mekka, unternehmen will. Während der Reise von Südfrankreich über Italien, Serbien, die Türkei, Syrien und Jordanien nach Saudi-Arabien wandelt sich die anfängliche Gleichgültigkeit und Feindschaft zwischen den beiden zu gegenseitiger Anerkennung und Versöhnung.

Frankreich/MAR 2004
Regie: Ismaël Ferroukhi
108 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. und franz. UT

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LOS PERDEDORES – DIE VERGESSENEN

Sie waren Francos Kanonenfutter: 90 000 Marokkaner kämpften im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten des Generals. Unter Zwang und mit falschen Versprechen waren sie in die Armee gepresst worden. Obwohl viele noch Teenager waren, erwiesen sie sich als entscheidend für den Sieg Francos. Doch der spanische Staat hat ihr Opfer nie anerkannt, die Überlebenden, mittlerweile spanische Staatsbürger, erhalten nicht einmal eine Rente.

Marokko/D/E 2006
Regie: Driss Deiback
80 min, Beta SP, Farbe, OF mit dt. UT
Berlinale 2007

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TRANCES

Ahmed El Maanouni verfolgt in TRANCES den Werdegang der mythischen, 1971 in Casablanca gegründeten Musikgruppe Nass El Ghiwane. „Die Trancen der Band entsprechen unserer Soulmusik, sie drücken unsere Irrationalität aus“, sagt der Regisseur. „Wie es auch Nass El Ghiwane selbst machen, bin ich den Wurzeln nachgegangen“. Die Gruppe schöpft ihre Musik aus dem letzten Jahrtausend der marokkanischen und afrikanischen Geschichte, und der Film will dieses Erbe zeigen und hochhalten.

Marokko 1981
Regie: Ahmed El Maanouni
90 min, 35mm, Farbe, OF mit frz. UT
restauriert von der Cinemateca di Bologna

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YADON ILAHEYYA (INTERVENTION DIVINE)

Eine Liebesgeschichte entspinnt sich zwischen einem Palästinenser, der in Jerusalem lebt, und einer Palästinenserin aus Ramallah. Der Mann, Elia Suleiman, pendelt zwischen seinem hilfsbedürftigen Vater und seiner Geliebten hin und her. Er möchte beiden gerecht werden. Wegen der politischen Situation endet die Bewegungsfreiheit der Frau bei dem Kontrollpunkt der israelischen Armee zwischen den beiden Städten. Da es nicht möglich ist, die Grenze zu überschreiten, finden ihre zärtlichen Begegnungen auf dem Streifen Niemandsland gleich neben dem Grenzstützpunkt statt. Den Liebenden ist es nicht möglich, die Wirklichkeit frei von der Besatzung zu sehen. Sie sind auch nicht fähig, im Angesicht dieser Belagerung ihre eigene Intimität zu bewahren. Wo die Leidenschaft langsam Gewaltbereitschaft erzeugen könnte, reagiert das Paar auf unglaublich fantasievolle Weise.

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