Luiz Fernando Carvalho

LAVOURA ARCAICA – To the left of the Father

Langsam nähert sich die Kamera dem Gesicht eines jungen Mannes in einsamer Ekstase, begleitet von alarmierenden Zugsignalen, orgiastisch krallt sich seine Hand fest. Jemand klopft an die Tür. André öffnet, umarmt überrascht seinen Bruder Pedro und läßt ihn in sein nacktes Pensionszimmer. „Der Vater will, daß du heimkommst“, teilt Pedro seine Mission mit. Heim… André erweckt in leidenschaftlichen Reden und zornigen Ausbrüchen das Zuhause: Ritualisierte Tagesabläufe in idyllischer, aber abgeschiedener Umgebung, ein patriarchalischer, religiöser Vater, der bei den Mahlzeiten biblische Vergleiche über Tugenden und Moral zum Besten gibt. Eine Schar Geschwister, deren Vereinsamung sie zu Fluchten in die Familienzusammengehörigkeit nötigt, und eine geduldig liebende Mutter. „Der Zwang und die Freude zu Hause haben mich getötet“, wehrt sich André gegen das verordnete Glück. Für erwachende Sexualität ist kein Platz in dieser Welt, die der Vater regiert und die Mutter exekutiert. Was bleibt ist traditionell: Ein Bordell ermöglicht Andrés Initiation. Seine Schwester Ana entdeckt ihren Körper vorerst nur über heimliche, indirekte Blicke: In einem unbeobachteten Moment schiebt sie einen Spiegel zwischen ihre gespreizten Beine. In sinnlichen Bildern manifestiert sich das verbotene Begehren zwischen André und Ana, das später zum Inzesttabubruch führt, nur der erste Zwischenfall einer ausufernden Tragödie im verschlingenden Schoß der Familie…

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