Libanon

MABROUK AGAIN

Zehn Jahre später ein Hochzeitsphoto nachstellen, das vom Krieg vereitelt wurde? Oder: wie aus Hühnern Tauben werden.

Libanon 2000
Regie: Hany Tamba
18 min, 35mm, Farbe

TAIF AL MADINA

Auf der Flucht vor den ausbrechenden Kämpfen im Südlibanon kommt Rami als Halbwüchsiger nach Beirut. Eine neue Existenz aufzubauen ist für seine Familie nicht einfach und Rami muß sich an der Geldbeschaffung beteiligen. Er beginnt, in einem Cafe zu arbeiten, dessen Welt ihn bald in Bann zieht. Der Sänger mit seinen Balladen, die geschäftstüchtige Barbetreiberin, die wie eine Königin der Unterwelt schmutzige Geschäfte sauber abwickelt. Doch der Krieg läßt nicht auf sich warten, Beirut explodiert im Bürgerkrieg, der 17 Jahre dauern und Ramis Leben bestimmt wird. Er verliert seine Kinderliebe Yasmine aus den Augen, sein Vater wird entführt, schließlich entschließt er, der Pazifist, sich, auch Soldaten zu werden. In seinem Spielfilmdebut entwirft der Dokumentarist Jean Chamoun mit Rami einen Filmheld, der seinen Idealen von Mitmenschlichkeit treu bleibt. In der Begegnung mit einer jungen Frau, beginnt er zu zweifeln. Sie ist in einer Bewegung von Müttern, Ehefrauen und Schwestern, die Aufklärung um die Verschwundenen einfordern. Die Verschwundenen, die bis heute Schatten auf die Stadt werfen. (vt) Jean Khalil Chamoun (1945 Sarine, Libanon), studierte Theater in Beirut, dann Film in Paris. Produziert und dreht Dokumentarfilme, arbeitet mit der Dokumentaristin Mai Masri, unterrichtet während des Bürgerkrieges an der Filmhochschule in Beirut. TAIF AL MADINA ist sein erster Spielfilm. Filmographie (Auswahl): BEYROUTH – GENERATION DE LA GUERRE (1988), REVES SUSPENDU (1992)

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WEST BEYROUTH

Das autobiographische Debüt von Ziad Doueiri ist vorerst die lebenssprühende Geschichte dreier ungestümer Jugendlicher, eine bewegende und humorvolle Chronik des Erwachsenwerdens. Tarek, Omar und die schöne May führen uns gleichzeitig durch das lokale Kolorit der geteilten Stadt Beirut, und sie erfahren, wie sorgloses Vergnügen sich an den Realitäten der Gesellschaft zu reiben beginnt. Wie ein unaufdringlicher Leitfaden wirkt, was Tareks Vater zu Beginn des witzigen, zugleich fiebrigen und fragilen Filmes sagt: „Der Westen analysiert den Orient, ohne ihn zu verstehen.” Durch die beiden unzertrennlichen Freunde Omar und Tarek, die im muslimischen Westbeirut leben, aber im christlichen Osten zur Schule gehen, und durch die Christin May erleben wir die chaotische und rebellische, inkonstante und archaische Kultur des Nahen Ostens. So bedeutet der Ausbruch des Bürgerkriegs im April 1975 für die Helden des Films vor allem die Freude an der schulfreien Zeit und die unerhoffte Möglichkeit ganz neuer Abenteuer, darunter der heimliche Besuch eines in der Grenzzone zwischen West und Ost gelegenen Bordells. Dessen ältere Besitzerin verkörpert wie ein bizarres Symbol das kosmopolitische Beirut. Während Tareks liberale Eltern tief betroffen den wachsenden Fanatismus beobachten, haben die Jugendlichen die Spielregeln und Vorteile der neuen Situation rasch durchschaut. Im Chaos unbegreiflicher Ereignisse entdecken sie mit ungestümer Lust und Neugier die Freuden des Lebens: Ihre erwachende Sexualität, die Liebe, die Freundschaft und ihre gemeinsame Leidenschaft für Super-8. Ihre Kamera folgt den Beinen der Mädchen und schaut neugierig über die mitten in der Stadt errichtete Mauer.

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