Kohei Oguri

NEMURU OTOKO

Beim Betrachten von Kohei Oguris Film hat man das Gefühl, am Anfang müsse das Bild gewesen sein, zu dem die Menschheit erst auf dem Umweg über das Wort wieder zurückgefunden hat. Das Bild als direkte sinnliche Erfahrung, als Wahrnehmung auf der Netzhaut, das Bild als eigenständige Existenz. Kohei Oguri setzt der Bilderflut und Bilderhetzeder Gegenwart eine Bilderruhe entgegen mit einem archaischen Film, der vom urtümlich Menschlichen handelt und dieses aus der Gegenwart heraus neu erahnen läßt. Takuji hat bei einem Sturz in den Bergen das Bewußtsein verloren. Seitdem schläft er. Seine Eltern pflegen ihn und hoffen auf das Unmögliche. Die Gegenwart des schlafenden Mannes lastet schwer auf dem Dorfleben. Tia erfährt von ihm. Sie hat ihren Sohn während einer Überschwemmung, die auf die Entforstung folgte, verloren. Sie nimmt auf einer ‚Matsukaze‘-Feier teil, auf der die Toten nach den Lebenden rufen. Die Existenz Takujis ist eine Provokation, denn für die anderen geht das Leben weiter. Es wird aber auch vom schlafenden Mann in Frage gestellt. Was ist das Leben? Wonach streben wir? Was ist, wenn es endet? „Eine kontemplative Meditation über das Verhältnis von Leben und Tod in der japanischen Gesellschaft.“ (zoom) Die ‚Tessenkai‘ und ihr ‚Nô‘ sind nicht nur das Medium zu einer anderen Welt; sie symbolisieren auch das Verschmelzen verschiedener Kulturen. Oguri formuliert in Anlehnung an Yeats seine Vorstellung von einem Leben das größer ist als alles, was den Menschen umgibt, und auch größer ist als die Summe aller Erfahrungen. Es ist die Unendlichkeit aller Möglichkeiten, somit das Gedächtnis. Nach dem Theaterstudium hat sich Regisseur Kohei Oguri dem Kino […]