Juan Carlos Tabío

DOLLY BACK

Ein Film über das Filmemachen. Die Spielfilmhandlung wird scheinbar unterbrochen und das Publikum glaubt plötzlich den Dreharbeiten beizuwohnen – ein making-off zum Film. Der Film ist aber kein making-off, sondern das making-off ist das eigentliche Thema des Films. Ein Spiel mit dem Thema Film im Film. DOLLY BACK erinnert in dieser Hinsicht an LA RICOTTA von Pier Paolo Pasolini.

Kuba 1986
Regie: Juan Carlos Tabío
12 min, 35mm, Farbe, OmeU

GUANTANAMERA

Kuba – ein ungewöhnlicher Leichentransport und ein Lastwagen folgen der gleichen Route von Guantánamo bis Havanna, jedoch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die Trauergäste, der Beerdigungsinstitutsbeamte Adolfo, seine Frau Gina und Cándido, der sein Leben lang in Ginas Tante verliebt war, und die tote Yoyita müssen sich einem neuen wirtschaftlichen Staatsplan für Totenüberführung fügen. Mariano, ein eingefleischter Verführer, und Ramón, sein vertrauter Freund, fahren den Truck auf ihrem gewöhnlichen Weg und treffen die Trauergesellschaft. „Man sollte nicht glauben, daß GUANTANAMERA Geschosse gegen die Misere auffährt: Das pralle karibische Leben, der joviale Ton von Heiterkeit, den die Autoren ihm verleihen und der Optimismus, mit dem die Liebesgeschichte beleuchtet wird, gleichen alles aus und legen einen Tropfen Poesie auf die geliebte Insel.” (La Vanguardia/Madrid) „Im Mittelpunkt steht die offenbar unzerstörbare Vitalität kubanischer Menschen, die sich an ökonomische, gesellschaftliche und politische Schwierigkeiten, die sie nicht beseitigen können, anpassen und ihre Alltagsprobleme mit lebensbejahender Zuversicht und originellen Ideen zu lösen versuchen.” (Multimendia) Tomás Gutiérrez Alea und Juan Carlos Tabío gelang es, von der ersten Szene an bis zum Finale auf dem Colon Friedhof jenen optimistisch-fröhlichen Grundton beizubehalten, der auch das auf Kuba so populäre Lied „Guantanamera” prägt. Der Ohrwurm erzählt zwar die völlig unpolitische Geschichte eines Mädchens vom Lande, doch die Botschaft zwischen den Zeilen, nämlich die Kritik an der amerikanischen Präsenz auf Kuba, wurde stets als solche verstanden. Die gilt auch für die Komödie GUANTANAMERA, ein ebenso kurioses wie auch heiteres Road-movie mit bemerkenswertem Tiefgang.” (Salzburger Nachrichten) „Diese Geschichte beruht auf Fakten. Wir haben die absurden Dinge nicht erfunden. Sie sind Teil unserer alltäglichen Realität.” (Tomás Gutiérrez Alea)

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LISTA DE ESPERA

Auf der Warteliste – der „Lista de espera” – stehen sie alle, die Passagiere, die sich in diesem kubanischen Bus-Terminal treffen. Und weil all diese klapprigen Busse zusammengebrochen oder überfüllt sind, geht bald das Gerangel um die letzten Plätze los. Der zerfallende Busterminal mit den vergeblich wartenden Fahrgästen ist eine hübsche Metapher für den Zustand der kubanischen Gesellschaft, und der einstige Co-Regisseur von FRESA Y CHOCOLATE (1993) und GUANTANAMERA (1994) gewinnt der Story von Arturo Arango noch eine zusätzliche raffinierte Erzählperspektive ab. Solidarität und Verliebtheit, Futterneid, Schlitzohrigkeit und schließlich ein fast schon utopisches Gemeinschaftserlebnis machen den Film zum verschmitzten Vergnügen. (nach: epd Film 8/2000; Film 9/2000; Presseheft) „LISTA DE ESPERA ist kubanisches Kino, wie man es sich (auch) hier zu Lande wünscht, mit heißen Tanzszenen, feurigen Fressgelagen, Liebesgeschichten und Ehrenhändeln. Aber zugleich ironisiert der Film genau diese Versatzstücke, indem er sie perspektivisch fast unmerklich verschiebt.” (Michael Sennhauser) „Eine Parabel um eine Utopie, um einen gemeinsamen Traum, der realisierbar ist, wenn alle anpacken – darin schwingt noch eine Aufbruchstimmung mit, die hier zu Lande schon längst nicht mehr zu finden ist, weder in der Politik und schon gar nicht im Film.” (Rudolf Worschech)

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PLAFF O DEMASIADO MIEDO A LA VID

In Zusammenarbeit mit dem urugayanischen Krimiautor Daniel Chavarría entstand eine Detektivkomödie, in der die Hauptfigur Concha Ronda das Opfer mysteriöser Attacken wird. Doch PLAFF ist mehr: Tabío bricht mit den Erwartungen des Publikums, welche er in enthusiastischer Weise in SE PERMUTA noch erfüllte. Hinter dem komödienhaften Stil liegt eine provokante Kritik des revolutionären Kuba. Der Film zeichnet eine Welt, die trotz harmonischer Erscheinung und sozialem Fortschritt rassische, klassenbedingte und sexuelle Spannungen an der Oberfläche brodeln lässt wie ein Zeichen der Zerstörung. Es ist ein „dirty“ Film: Tabío läßt den Film als mißlungenen Film erscheinen. Seine Akte werden verwechselt und so gerät der Film zum Puzzle. Das Rätsel versuchten in Kuba über 2 Millionen Zuschauer zu lösen. (hg)

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