Joseph Pitchhadze

SHNAT EFFES

Drei Geschichten aus dem heutigen Israel zeigen Menschen am Wendepunkt. Und sie müssen sich mit den Folgen einer Entscheidung herumschlagen, die sie vor Jahren in einer anderen Krise getroffen haben.

Israel 2004
Regie: Joseph Pitchhadze
131 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT
Festival: Mannheim 05

UNDER WESTERN EYES

Der junge Architekt Gary Razumov führt in Berlin ein sorgloses Leben, bis ihn eines Tages die plötzliche Nachricht vom Tode seines Vaters zurück nach Israel führt. In Tel Aviv angekommen erfährt er aber, daß sein Vater gar nicht tot ist. Er ist aus dem Gefängnis entflohen, wo er für zwanzig Jahre wegen Spionage eingesperrt wurde. Wolf, ein skrupelloser Agent des Geheimdienstes und dessen Assistent Carmi macht Gary klar, dass er solange in Israel bleiben muss, bis sein Vater gefunden worden ist. Zusammen mit der Schauspielerin Tom macht sich Gary auf die Suche nach seinem Vater. Wolf und Carmi bleiben den beiden hart auf den Fersen. Während der Verfolgungsjagd, die mitten in der Wüste endet, wird Gary mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert. „Der gebürtige Georgier Joseph Pitchhadze zeichnet kein vorteilhaftes Bild der aktuellen Gesellschaft in Israel. Die Menschen sind sich selbst entfremdet, mit Schuldgefühlen beladen oder hadern mit ihrem Schicksal – und sei es nur das eigene Älterwerden. Sein Film handelt von Verrat und Einsamkeit, Schuld und Sühne, Exil und Heimat – von denselben Themen wie der gleichnamige Roman von Joseph Conrad (erschienen 1910).“ (Niklaus Baschung, Bieler Tagblatt) Joseph Pitchhadze: „Natürlich gab es Leute im Publikum, die mit dieser karikierenden Zeichnung von Agenten nicht einverstanden waren. UNDER WESTERN EYES ist für israelische Filme ungewöhnlich, weil die Filmsprache wichtiger ist als soziale oder politische Ansichten: Ich wollte reines Kino machen. Unsere Filmgeschichte ist sehr jung, und Kino war anfänglich vorwiegend ein Propagandainstrument, um den eingewanderten Juden ein Identifikationsangebot machen zu können. In den sechziger Jahren begannen einige junge ‚verrückte‘ Filmemacher, persönlichere Filme zu drehen, doch der große Schub setzte erst zu Beginn der neunziger Jahre ein. Viele Regisseure begannen nun nach einer ‚israelischen Filmsprache‘ zu suchen und verstehen Film als eine Kunstform, um einen persönlichen Standpunkt zu vertreten.“ (trigon-film Magazin Nr. 4)

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