Jorge Aguilera

SERES HUMANOS – Menschen

Ein kleines Mädchen streckt selbstvergessen ihre Hände dem Regen entgegen, blinzelt in das vom Schein einer Lampe glitzernde Wasser. Wenige Minuten später stirbt es in einem absurden, vermeidbaren Unfall. Eltern und Bruder erleben Momente am Abgrund, bis das Leben weitergeht, sie scheinbar mitreißt. Nur Derek, der Vater, zieht sich voller Schuldgefühle in eine Welt zurück, in der ihn andere nicht mehr erreichen – und es auch nicht versuchen. Er verbringt seine Zeit mit einem kleinen Theaterkasten, der ihm ermöglicht, seine tote Tochter in ausufernden Phantasien weiterleben zu lassen. 11 Jahre später brechen nicht verheilte Schmerzränder auf. Dulce, die Mutter, vergnügt mit ihrer TV-Talkshow „Das Schicksalsrad“ ein Millionenpublikum, doch erlebt sie Momente der inneren Irritation, je mehr sie mit und über „Menschen“ sprechen will. Damián, der Bruder, erlebt seine erste Liebe. Doch die Nähe zu seiner Freundin erweckt unbewältigte Erinnerungen an die geschwisterliche Zärtlichkeit aus Kindertagen und an ihr abruptes Verschwinden, das er trotz kinderpsychologischer Betreuung nicht verarbeiten konnte. Jorge Aguilera hat seinen Debütfilm im Innenleben seiner Protagonisten angesiedelt. Die narrative Form, die er findet, ist ungewöhnlich, sekundenlange Schwarzblenden erzeugen einen Rhythmus des Ungesagten, Groß- und Detailaufnahmen vermitteln ein klaustrophobisches Ambiente. SERES HUMANOS ist ein Film über das schleichende Einbrechen von Fassaden, deren Aufbau nicht wenig gekostet hat.

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