Jeanine Meerapfel

AMIGOMÍO

Ein Vater, ein arbeitsloser Akademiker, der kaum zum Helden taugt, soll seinen achtjährigen Sohn aus dem Unrechtsregime Argentinien in die Freiheit führen, um ihm ein besseres Leben zu ermöglichen. AMIGOMÍO ist ein Roadmovie. In zweifacher Hinsicht. Die Geschichte einer Flucht und eine Reise durch innere Landschaften. Gegenwart und Vergangenheit verbinden sich, politisches Engagement trifft auf poetischen Realismus. AMIGOMÍO ist ein Film der Bilder. Bilder, die einen unvermittelt treffen wie ein Faustschlag, Bilder, die überwältigen und befreien zugleich.

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Annas Sommer

Anna (Angela Molina) räumt ihr Haus, sie will den auf einer griechischen Insel gelegenen Familienbesitz verkaufen. Während sie die vertrauten Gegenstände sichtet, steigen Erinnerungen in ihr auf, sie will weiter eintauchen, in die Geschichte ihrer sephardisch-jüdischen Familie. Anna hat den Tod ihres Mannes Max noch nicht überwunden. In diesem Sommer versucht sie sich mit ihrer Einsamkeit abzufinden. Zum ersten Mal öffnet sie die alte Familientruhe. Erinnerungen und Geister erwachen zum Leben, sie lacht, weint, kocht und erntet Feigen mit ihnen. Sie findet alte Briefe, die sie in das Schicksal ihrer Großmutter Anna entführen, und das Tagebuch einer ihr unbekannten Anna, die erste Liebe ihres Vaters. Doch auch die Gegenwart beginnt sie wieder zu erreichen. Sie lernt Nikola kennen. Anna beginnt einen Weg durch das Labyrinth der Geschichte zu suchen und endet in der Gegenwart, nimmt ihren Platz im Leben wieder ein.

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DESEMBARCOS – Es gibt kein Vergessen

Zehntausende Menschen sind zwischen 1976 und 1982 in Argentinien durch die Militärs verschleppt, gefoltert und ermordet worden. Wie lässt sich mit diesen Fakten umgehen? Was kann ein Film schon gegen das Grauen der Vergangenheit bewirken? Reicht es, Verbrechen zu dokumentieren und der Opfer zu gedenken oder kann ein Film auch andere Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit leisten? DESEMBARCOS – entstanden während eines Workshops mit RegiestudentInnen – spürt diesen Fragen nach und dokumentiert scheinbar beiläufig das Werden von Erinnerungskultur.

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DIE KÜMMELTÜRKIN GEHT

Die Integrationsdebatte in Deutschland anno 1985: Melek, eine 38jährige Türkin, hat, wie sie selbst sagt, „die Schnauze voll“. Nach 14 Jahren verlässt sie Berlin und kehrt in die Heimat zurück. Obwohl sie keines der erwartbaren Klischees, die man damals (aber hat sich wirklich so viel verändert, Herr Sarrazin?) von „den Türken“ hatte, erfüllt, ist sie nicht wirklich in Deutschland angekommen. Jeanine Meerapfel portraitiert eine starke Frau und zerlegt stereotype Vorstellungen und rassistische Zuschreibungen. Ein Zeitbild, sicherlich. Aber aktueller denn je.

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DIE VERLIEBTEN

Eine Karrierefrau jugoslawischer Abstammung und ein feingeistiger Musiker, dessen Vater im Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan stationiert war, treffen sich in Jugoslawien. Sie fremdelt, glaubt zur Heimatlosigkeit verdammt zu sein, ihm macht die väterliche NS-Vergangenheit zu schaffen. Für ihre Eltern spielen sie Verliebte, ein Paar – und machen sich auf die Reise durch Montenegro: eine berührende Liebesgeschichte. DIE VERLIEBTEN zeigt beschädigte Identitäten und brüchige Existenzen, vor allem aber eröffnet der Film einen Blick auf eine Sehnsuchtslandschaft, die Fanatismen und Geschäftemacherei wenig später in die Katastrophe rissen.

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El Amigo Alemán

„Er ist nicht Deutscher, er ist Argentinier“, meint die junge Sulamit Löwenstein über ihren Freund Friedrich. Beide wachsen im Argentinien der 1950er auf, sie als Tochter jüdischer Eltern, er als Sohn eines Nazis. Als sie sich ausgerechnet in Deutschland als Austauschstudenten wiedertreffen, kämpft Friedrich politisch gegen den Makel seiner Herkunft. Den beiden stellt sich die Frage „was wird aus uns?“, während in Argentinien die Militärdiktatur wütet. Jeanine Meerapfel erzählt in dieser autobiografisch gefärbten Geschichte von zwei Liebenden in einer Zeit, in der auch das Private politisch ist.

DE 2012
Regie: Jeanine Meerapfel
100 min, 35mm, Farbe, OmeU

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IM LAND MEINER ELTERN

Wenn es Hitler nicht gegeben hätte, wäre ich ein deutsch-jüdisches Kind geworden, mehr deutsch als jüdisch, geboren in einem kleinen süddeutschen Dorf. Aber ich bin in Argentinien geboren, meine Muttersprache ist Spanisch. 1960 kam ich nach Deutschland.“ Dies ist Jeanine Meerapfels Ausgangssituation, von der aus sie ihre Suche nach möglichen Wurzeln ihrer eigenen jüdischen Identität beginnt, eine Suche, die immer wieder konfrontiert wird mit der deutschen Realität die sie vorfindet. So spürt sie über subjektive und objektive Gegebenheiten hinaus der Frage nach, was es bedeutet, heute als Jude in Deutschland zu leben.

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LA AMIGA

Zwei Mädchen versprechen sich Freundinnen zu bleiben. Die eine, Raquel, wird berühmt, die andere, Maria, Ehefrau und Mutter. Beide sind das, was man glücklich nennen könnte. Plötzlich ist Marias ältester Sohn verschwunden, verschleppt von der argentinischen Armee – ein Desaparecido. Gemeinsam machen sich die Freundinnen auf die Suche und entfernen sich zusehends voneinander. Jeanine Meerapfel porträtiert Widerstand in Zeiten größter Ohnmacht, ist viel zu klug für Schwarzweißmalerei und setzt den „Madres de la Plaza de Mayo“ ein Denkmal.

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MALOU

Jeanine Meerapfels behutsamer Debütfilm von 1981 ist eine doppelte Identitäts-Suche: Im modernen Berlin versucht Hannah durch die Lebensgeschichte ihrer Mutter Ma- lou ihr eigenes Schicksal zu finden: „Ich suche sie und mich“. Frankreich und Deutschland der 1930er und jüdisches Exil in Argentinien, das sind die Stationen Malous, ge- spielt von Ingrid Caven. Im Titellied besingt sie ihr Thema des woher und wohin: „Die kleine Französin würde gerne heimwärts fliegen, doch ihre Flügel sind verbrannt, die kleine Französin sucht ein Zuhaus‘, doch ihr ruheloses Herz treibt sie immer wieder hinaus.“

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MOSCONI – ODER WEM GEHÖRT DIE WELT

In Mosconi, einer Kleinstadt im Norden Argentiniens, wird eine Union arbeitsloser Arbeiter gegründet. Mosconi gilt als Paradigma für das, was man heute unter Verlust von Staat und Politik versteht. Waren vor der Privatisierung des staatlichen Erdölkonzerns 95 Prozent der Bevölkerung beschäftigt, so stieg die Arbeitslosenquote danach auf 70 Prozent. Doch nicht nur die traditionellen Arbeitsverhältnisse lösten sich auf, sondern das gesamte System infrastruktureller Versorgung. Heute kann sich die Mehrheit der dort lebenden Bevölkerung nicht einmal eine Gasflasche leisten.

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