Jean Rouch

BOULEVARDS D’AFRIQUE – BAC OU MARIAGE

Soukey ist gerade dabei, das Abitur an einem Gymnasium in Dakar zu machen, als sie erfährt, dass ihr Vater sie zur dritten Frau des alten Direktors einer Erdnussfabrik, des sehr eleganten Herrn Gueye, bestimmt hat. Soukey weigert sich und läuft davon. Ihre Freunde beschließen, den Plan scheitern zu lassen. Als Soukey einen jungen Juristen aus Paris kennen lernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Als auch noch Herr Gueye verhaftet wird, weil er zu schnell reich geworden ist, da ist Soukey außer sich vor Freude. Nur die Eltern sind verzweifelt. Aber die jungen Leute verzeihen den Alten und zwingen sie, der Farandole zu folgen, die auch Gueye befreit. Boulevards d’Afrique ist nach der gleichnamigen musikalischen Komödie von Tam-Sir Doueb entstanden.

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COCORICO! MONSIEUR POULET

Ein Spielfilm, der die Abenteuer dreier Freunde im nigrischen Busch schildert. Lam beschließt, mit einem alten 2CV-Lieferwagen und einem Gehilfen in den Busch zu fahren, um in den Dörfern Hühner zu erwerben und damit einen Handel aufzuziehen. Eine dritte Person, die sich mehr schlecht als recht integriert, schwächt die ohnehin prekäre Organisation dieses Unterfangens. Das Auto spielt eine der Hauptrollen ihrer Reise, die sie von Niamey in den Busch führt. Die Reise ist gekennzeichnet von unerhörten Ereignissen, wie etwa der Begegnung mit einer Teufelin oder der Überquerung des Niger-Stroms, alles Vorwände für zahllose Diskussionen und Wortschwälle.

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JAGUAR

Der Hirte Lam, der Fischer Illo und der Dorfschreiber Damouré beschließen, nach Accra zu gehen, um ihr Glück zu suchen, denn in Niger will es die Sitte, dass die jungen Leute ins Ausland gehen, bis sie die Aussteuer für ihre Hochzeit beieinander haben. Die drei Freunde gehen zu Fuß weg, und nachdem sie die Grenze illegal überquert haben, trennen sich ihre Wege. Illo wird Fischer bei den Ewé, und Lam wird Parfümhändler. Damouré erreicht Accra, wo er zuerst als Handlanger arbeitet, bald aber zum modischen Mann, zum „Jaguar“, aufsteigt. Nach verschiedenen Wechselfällen kehren sie in ihr Dorf zurück, wo sie in einem Tag verteilen, was sie während mehreren Monaten verdient haben.

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LE RÊVE PLUS FORT QUE LA MORT

Jean Rouch erzählt uns drei Träume von Freundschaften und dionysischen Abenteuern. Erster Traum: Damouré, der Rouch einst in die Rituale des Flusses Niger eingeführt hat, kehrt nach Hause zurück, nachdem er in Ghana reich geworden ist. In seinem schwarzen Jaguar mit offenem Verdeck fährt er durch ein verändertes Niamey. Bald wird Damouré klar, dass die Dinge nicht mehr sind, wie sie einmal waren. Zweiter Traum: Als Rouch mit seinen Freunden den Fluss Niger hinabfuhr, konnte er Damouré nicht mitnehmen. So trat Lam Ibrahim Dia an dessen Stelle. Im Verlauf der Fahrt erzählte er von seiner Marabout-Reise nach Nigeria, wo er wunderkräftige weiße Kühe entdeckt hatte. Sie sprachen sogar Hindi, aber die Einwohner trauten ihnen nicht, weil sie keine Hörner hatten. Dritter Traum: In einem antiken Theater findet die seltsame Aufführung eines Stückes von Aischylos statt, multikulturelle Schauspieler spielen „Die Perser“. „Barbaren“ sprechen und tanzen in adaptiertem Altgriechisch und in moderner Peul-Sprache. Aus Bequemlichkeit haben die Komplizen-Dichter die Dialoge in die Sprache der Kolonisatoren übersetzt. Im Schatten agieren ganz nah und auf der Suche nach Licht die antiken Doppelgänger der Schauspieler mit einem Abstand von 25 Jahrhunderten.

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LES MAÎTRES FOUS

„Les Maîtres fous“ verfolgt die jährlichen großen Besessenheitszeremonien der „Hauka“ (Geister der Macht) und des Wahnsinn bringenden Windes in der Region von Accra in Ghana. Während der Zeremonien ergreifen die Hauka-Geister von den Initiierten Besitz – in der Form von kolonialen Autoritäten wie dem Wachoffizier, dem General, dem Admiral, aber auch der Lokomotive, deren Rollen von den Besessenen gespielt werden … Der Hauka-Kult war Ende der Zwanzigerjahre in der Nigerregion entstanden. In den Dreißigerjahren zogen viele seiner Anhänger, von der französischen Kolonialregierung verfolgt, von den orthodoxen Moslems geächtet, an die Küste, wo sie als Wanderarbeiter lebten.

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MADAME L‘EAU

MADAME L` EAU erzählt die Geschichte dreier Männer aus Niger: Damouré, Lam und Tallou, die nach einer Lösung suchen, um der verheerenden Dürre, die ihre Ernte zu vernichten droht, ein Ende zu setzen. Der Wasserpegel des Niger-Flusses, der durch ihr Land fließt, fällt immer weiter ab, die Seitenarme des Flusses sind infolge der kontinuierlichen Entwaldung versandet. Darum muss ein Weg gefunden werden, um die Felder auf natürliche Weise zu bewässern. Damouré schlägt vor, sich mit ihrem Freund Philo Bregstein aus den Niederlanden in Verbindung zu setzen. Wie schaffen es die Holländer, das Wasser von einem Punkt zu einem anderen zu transportieren? In Enschede finden sie schließlich, was sie suchen: eine hölzerne Windmühle, die sie sogar selbst bauen können! Ihr Traum wird wahr. Im Januar 1992 reisen die Filmcrew und ein Ingenieur nach Niger. Zusammen mit den Schreinern vor Ort gelingt es ihnen, die Mühle in einem Monat zu bauen. Da steht sie, in voller Pracht: eine hölzerne Mühle, selbst erdacht, selbst gebaut und selbstgenügsam. Die Mühle pumpt Wasser und bewässert das Land, auf dem sie nun alles anbauen und pflanzen können, sogar Tulpen.

Niederlande/F/NE 1992
Regie: Jean Rouch
127 min, 16mm, Farbe, franz. OmU

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PETIT À PETIT

Dieser Film ist die Fortführung von Jaguar und gleichzeitig eine vergnügliche, aber berührende Vorschau auf Madame L’Eau (1993). Am Ende von Jaguar hatten Damouré und Lam eine Firma mit dem Namen „Petit à Petit“ gegründet, frei nach dem Sprichwort, dass der Fleißige seinen Kopfschmuck Stück für Stück zusammentrage – wobei hier mit Kopfschmuck der Turban eines Stammesführers gemeint ist. Damouré, Lam und Illo spielen moderne afrikanische Geschäftsleute, die in ihrem Dorf, Ayorou/Niger, ein hohes Gebäude errichten wollen. Sie reisen nach Paris, um herauszufinden, wie man in solchen mehrstöckigen Gebäuden lebt; außerdem haben sie vor, die Einwohner von Paris zu erforschen. Während sie in Frankreich sind, stellen sie eine Gruppe von Exilafrikanern und französischen Bohemiens zusammen und kehren mit ihnen nach Ayorou zurück. Die Gruppe zerfällt schließlich aufgrund der Belastung durch die Bauarbeiten, und die drei Männer kehren in ihre Strohhütte am Fluss zurück, um dort zu überlegen, wie ein modernes Afrika entstehen könnte, das eben nicht Paris nachahmt.

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