Jean-Marie Téno

AFRIQUE, JE TE PLUMERAI… (AFRICA, I WILL FLEECE YOU)

AFRIQUE, JE TE PLUMERAI ist eine Aufarbeitung der Kameruner Geschichte: die Kolonialgeschichte, die mit der ersten deutschen Mission beginnt; die ersten Schulen und die französische Besetzung nach dem Ersten Weltkrieg; bis zur politischen Unterdrückung in der postkolonialen Gegenwart Kameruns/Afrikas. Die Erzählerstimme Tenos aus dem Off erklärt seine Intention: „Ich wollte die Beziehung von Ursache und Wirkung zwischen der unerträglichen Vergangenheit und der kolonialen Gewalt von gestern herausfinden, um zu verstehen, warum ein Land, das einst aus wohlstrukturierten traditionalen Gesellschaften bestand, als Staat versagt. „AFRIQUE, JE TE PLUMERAI“ handelt von der „Macht der Wörter“. Dabei bedient er sich verschiedenster Konventionen, mixt Elemente der Satire, Komödie und Musik mit simpler Didaktik und neorealistischer Kamera. Metacinematisch wendet Teno kolonialistische Propagandafilme gegen sich selbst. Durch eine kunstvolle Legierung zeitgenössischer Bilder mit Fiktion, genauso wie mit wichtigen Zeitdokumenten und sorgsamen Rekonstruktionen will der Filmemacher das Recht der Afrikaner auf eigenen Ausdruck zurückerobern. Entscheidend dafür ist es, sich seiner eigenen Geschichte bewusst zu werden.

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CHEF!

„Chef! ist ein Film über die Frustration angesichts des wachsenden Elends in einem Land reich an Naturschätzen, die jedoch ausschließlich der Minderheit zugute kommen, die an der Macht ist. Frustration angesichts der Indifferenz und der Arroganz der Chefs gegenüber der Not so vieler Menschen. Frustration angesichts des schweigenden Zorns der Menge, der sich durch Gewalt gegen die Schwächsten Ausdruck verschafft. Frustration, in einem Gefängnis ohne Gitter zu leben, dem das ganze Land gleicht, und dem guten Willen eines allmächtigen Chefs ausgeliefert zu sein. Durch diesen Film will ich die Verantwortlichkeit der großen und kleinen Chefs herausstellen, die vom Durcheinander der Kolonialzeit profitierten und zu Tyrannen ihrer Völker wurden, wodurch sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung dieser Gesellschaft leisteten, die von der Korruption angefressen ist und immer mehr im Elend versinkt.“ Jean-Marie Teno

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CLANDO

Kamerun 1995
Regie: Jean-Marie Téno
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LE MALENTENDU COLONIAL – DAS KOLONIALE MISSVERSTÄNDNIS

Rubrik: IFFI 2008, Prix de l’Institut Français
Auf den Spuren der Missionare reist Téno von Wuppertal über Südafrika, Namibia, Kamerun und Togo wieder zurück nach Wuppertal, um dort die Geschichte der „Rheinischen Missionsgesellschaft“ zu erkunden. Ténos Film rekonstruiert die Wechselwirkungen zwischen christlichem ‚Ethos’, kaufmännisch-kolonialen Interessen und den traumatischen Erlebnissen der Missionierten, thematisiert aber auch die aktuelle Position der afrikanischen Kirchen und deren politisches Engagement.

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LE MARIAGE D‘ALEX

Chronik eines besonderen Nachmittags, der das Leben von drei Personen verändert. Alex, der Ehemann, bricht auf, um seine zweite Ehefrau zu sich zu holen. Elise, seine Jugendliebe und erste Frau, begleitet ihn, wie es die Tradition vorschreibt. Joséphine, die zweite Ehefrau, muss ihre Eltern verlassen, um ihr neues Heim aufzusuchen. Von den Essensvorbereitungen über die religiöse Zeremonie und die Ratschläge des Vaters an die Braut bis zur Hochzeitsnacht enthüllt der Film die Realität der polygamen Ehe.

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LIEUX SAINTS

In einem armen Viertel in Ouagadougou gibt es einen Cineclub, bestehend aus nicht viel mehr als ein paar Bänken und einem kleinen Fernseher. Teno spricht mit dem cinephilen Betreiber des Clubs, einem Instrumentenbauer, und anderen BewohnerInnen des Viertels, die sich hier besonders gerne Karatefilme, aber auch afrikanisches Kino ansehen. Um Gedanken zu Politik, Alltag, Raubkopien und das Erbe der Griots, der westafrikanischen Herolde, kreist diese Reflexion eines Filmemachers zum Stellenwert des Kinos in Afrika. Jean-Marie Teno wurde 1954 in Kamerun geboren und lebt seit 1977 in Frankreich. Seit über 20 Jahren dreht er Dokumentarfilme über die koloniale und postkoloniale Geschichte Afrikas. Beim IFFI 2003 gab es eine Werkschau des Regisseurs.

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VACANCES AU PAYS

VACANCES AU PAYS ist das Filmtagebuch einer Reise und Rückkehr. Der Filmessayist Jean-Marie Téno kommt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat Kamerun zurück, begibt sich auf die Suche nach der Vorstellung von Modernität, von der sein Volk besessen ist. Mit spitzer Zunge und Ironie, Traurigkeit und Betroffenheit spürt Téno einen Begriff von Entwicklung, von Fortschritt auf, der in seiner Heimat „tropische Modernität“ genannt wird und letztlich nur meint: Alles, was aus Europa oder Nordamerika kommt, ist modern – alles was heimisch, archaisch und traditionell ist, steht dieser Modernität im Wege, muß verschwinden. Jean-Marie Téno wiederholt als Weltbürger und Heimatloser eine Reise, die er als Jugendlicher während der Sommerferien gemacht hatte. Sie führt ihn von der Großstadt Jaunde nach Bandjoun, ins Dorf seiner Eltern und Vorfahren. VACANCES AU PAYS ist eine persönliche Reflexion, das Protokoll einer Betroffenheit über den Drang zur Modernität, über ein europäisch vorgeformtes Entwicklungsmodell und über Autoritätsgläubigkeit. Jean-Marie Téno (1954 Famleng, Kamerun) studierte audiovisuelle Kommunikation in Valencienne. Dokumentarfilme seit 1983, 1996 drehte er seinen bislang einzigen Spielfilm CLANDO (Film Festival Innsbruck 1996). AFRIQUE, JE TE PLUMERAI (1992) gilt bereits als Klassiker des afrikanischen Autorenkinos. CHEF! (1998) war eine harsche Kritik an seinem Land, seiner Kultur, seinen Landsleuten. Lebt und arbeitet in Paris.

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