Indien

AHIMSA – DIE STÄRKE VON GEWALTFREIHEIT

Die Organisation Ekta Parishad unterstützt die indische Bevölkerungsgruppe der Adivasi bei ihrem Kampf um Land und Wasser. Durch gewaltfreien Widerstand sollen ihre Ziele erreicht werden. Der erste Schritt dorthin ist die Festigung der dörflichen Gemeinschaften. Der charismatische Gründer von Ekta Parishad, P.V. Rajagopal, und seine MitarbeiterInnen geben ein Seminar für junge DorfbewohnerInnen, das ihnen helfen soll, Solidarität in ihren Gemeinden aufzubauen.

Karl Saurer Geboren 1943 in Einsiedeln. Studien in Zürich, München, Köln und Osnabrück, M.A. der Medien- und Literaturwissenschaft. Filmpublizistische Tätigkeit. 1980–84 Dozent für Dramaturgie und Mitarbeiter der Studienleitung an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin). Lehraufträge an Universitäten und Filmschulen. Seit 1970 Drehbuchautor und Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen. Sein Dokumentarfilm RAJAS REISE war der Eröffnungsfilm des IFFI 2007.

Schweiz/Indien 2012
Regie: Karl Saurer
65 min, DCP, OmU

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AJANTRIK – DER VAGABUND

Die eigenwillige, oft schelmische Liebesgeschichte zwischen einem Taxifahrer und seinem Auto: Bimal, der in seinem veralteten, über alles geliebten Gefährt Jaggadal die indische Provinz durchquert, wird auf seinen Wegen nebenbei Zeuge eines wirtschaftlichen Umbruchs. Während die Natur den Bulldozern weichen muss, ist er damit beschäftigt, seinen Wagen trotz allseitigen Spotts in Schuss zu halten, und investiert seine letzten Ersparnisse in das Objekt, das er für beseelt hält. Erst als sich Bimal in eine Frau verliebt, gibt Jaggadal den Geist auf. Als Exeget von C.G. Jung konstruiert Ghatak von AJANTRIK an alle seine Filme nach dessen Archetypen: In Jaggadal sieht er das Abbild der Mutter und des alten Indiens. Die Hupe, die klingt wie die Hörner des Oraon-Stamms, dessen ekstatischen Tanzriten Bimal in einer elektrisierenden Sequenz beiwohnt, wird nach Jaggadals Verschrottung von einem kleinen Jungen gefunden, der sie prompt betätigt: Ghataks Filme enden bevorzugt mit Tod und Leben – Ende und Neubeginn im selben Bild. „Der einzelne Mensch stirbt, aber die Menschheit entwickelt sich weiter.”

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CHERIA LOKAVUM VALAYA MANUSHYANUM (Small word & big person)

„Es war eine wunderbare Gelegenheit für mich, als Kameramann in fast allen Filmen Aravindans (1935-1992) mitzuwirken. Seine Leidenschaft fürs Leben durch sein Farb- und Musikverständnis (seine Gemälde, Karikaturen und Songs) kommt in seinen Filmen äußerst stark zur Geltung. Mit dem Film Small Word & Big Person wollte ich ihn aus eigener Sicht sehen: als liebevollen Familienvater und Freund.“ Shaji N. Karun

Indien 2002
Regie: Shaji N. Karun
30 min, 35mm, Farbe, OF mit engl. UT

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Ek Adhuri Kahani

Schaupatz: eine Zuckerfabrik, in deren Nachbarschaft Arbeiter der Grundbedürfnisse beraubt werden und die Bauern betrügen. Ein junger Mann entflieht dem städtischen Leben und beginnt dort als Beamter zu arbeiten. Er lernt den Ort und die Leute kennen und das Vertrauen zueinander wächst. Das Jahr der Depression zieht sich, die Krisen werden immer schlimmer und verbreiten sich unaufhaltsam über die ganze Welt. Die Arbeiter der Fabrik und die Bauern der Nachbarschaft vereinigen sich und machen sich bereit zum Kampf. Der junge Beamte begeht Verrat und die Rebellen werden zum Schweigen gebracht.

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JOHN AND JANE

Eine Mischung aus Beobachtung und tropischer Sciencefiction. Der Film folgt den Geschichten von sechs „Call Agents“ in einem Call-Center in Bombay, deren Arbeit darin besteht, Anrufe von amerikanischen 1-800-Nummern entgegenzunehmen.

Indien 2005
Regie: Ashim Ahluwalia
83 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT
Festival: Berlinale 06

JUKTI, TAKKO AAR GAPPO – VERNUNFT, DEBATTE UND EINE ERZÄHLUNG

Der schonungsloseste Epitaph der Filmgeschichte, selbstverfasst: Ritwik Ghatak, stets gepeinigt von Identitätszweifeln, die er im Alkohol ertränkte, beginnt den Film, der sein letzter werden sollte, noch vor TITASH EKTI NADIR NAAM. Wie dort werden die Dreharbeiten immer wieder unterbrochen, wegen akut auftretender Tuberkulose und Alkoholdelirium. Ghatak selbst spielt einen alkoholkranken Intellektuellen, den seine Frau nach einem (autobiographischen) Wortwechsel verlässt, und der mit zwei Bürgerkriegsflüchtlingen aus Bangladesh eine Odyssee durchs zerfallene Westbengalen unternimmt. Halb Narr, halb Weiser, trifft er, zumeist betrunken, auf ehemalige Mitstreiter, die der Dekadenz anheimgefallen sind, wohnt einem traditionellen Chau-Tanz bei und findet nach einer langen, fruchtlosen Diskussion mit jungen Widerstandskämpfern durch eine zufällige Kugel den Tod, wobei er seine letzte Flasche ins Kameraobjektiv verschüttet. Inhaltlich wie stilistisch ein Film der Ratlosigkeit, die aber mit solcher Leidenschaft vorgetragen wird, dass sie zielstrebig scheint: „Das Universum brennt. Ich brenne.”

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Kaagaz ke phool

In einer Rückblende wird die Geschichte vom berühmten FilmregisseurSuresh Shina (Guru Dutt) erzählt. In den Augen der reichen Familieseiner Frau Bina (Veena) ist seine Arbeit als Filmmacher nicht standesgemäßund ihre Ehe steht dadurch kurz vor dem Aus. Shina ist esauch verboten, seine Tochter Pammi (Baby Naaz) zu sehen, die in einInternat in Dehradun geschickt wird. In den 1980ern ein Kultfilm.

IN 1959
Regie: Guru Dutt
148 min, Schwarzweiß, 35mm, OmdU

KABHI KHUSHI KABHIE GHAM (SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD)

Ein modernes Märchen aus dem Indien von heute: Der reiche und tyrannische Vater wählt eine Braut für seinen Sohn Rahul aus. Dieser verliebt sich, wie könnte es anders sein, in die arme Anjali und verweigert seinem Vater den Gehorsam. Die Liebenden gehen nach London, und die Familie ist über Jahre entzweit. Endlich bricht Rahuls jüngerer Bruder nach London auf, schleicht sich unter falschem Namen im Haus seines Bruders ein und gewinnt das Herz und die Komplizenschaft von Anjalis Schwester. Nach einigen dramatischen Anläufen kehren alle nach Delhi zurück, und der kaltherzige Vater gesteht seine Schuld ein. Die Tränen fließen in Strömen, die Liebe wird in ausladenden Duetten besungen und Heere von Tänzern bewegen sich zu den Musiknummern übers Set: KABHI KHUSHI KABHIE GHAM ist eines der monumentalen Unterhaltungswerke der indischen Filmindustrie, ein herausragendes Bollywood-Epos mit mitreißendem Soundtrack und all dem Glamour, den Indiens Filmwelt zu bieten hat. Mit Indiens Superstars an der Spitze wird vor verschwenderischen Kulissen getanzt, herzzerreißend gesungen und 210 Minuten lang in großen Gefühlen geschwelgt: Kinovergnügen pur!

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KANNATHIL MUTHAMITTAL (A PECK ON THE CHEEK)

Amudha ist im indischen Tamil Nadu aufgewachsen und fühlt sich bis zu ihrem neunten Geburtstag wohl und geborgen in ihrer Familie – als sie plötzlich erfährt, dass sie ein Adoptivkind ist. Zwar hätte sie von dieser Vergangenheit lieber nichts gewusst, doch nun ist sie fest entschlossen, ihre biologischen Eltern zu suchen, die als Mitglieder der Tamil Tigers in den Wirren des Bürgerkriegs auf Sri Lanka verschwunden sind. Die Adoptiveltern wollen Amudha zuerst davon abbringen, willigen dann aber ein, sie auf der schmerzlichen Reise zu begleiten … Mani Ratnam ist einer der wenigen Regisseure Indiens, die versucht haben, das kommerzielle Unterhaltungskino mit seinen beliebten Sing- und Tanznummern mit politisch und gesellschaftlich brenzligen Themen anzureichern. Zwei seiner Markenzeichen, die Maximierung der Gefühlsintensität sowie das ständige Bemühen um ein perfekt gestaltetes Bild, bilden hier den Hintergrund für den blutigen Kampf zwischen der tamilischen und singalesischen Kultur auf Sri Lanka.

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KARVAAN

Indien 1999
Regie: Pankaj Butalia
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KOMAL GANDHAR – E-MOLL

Ghataks zärtlich-kritischer Tribut an die „Indian People´s Theatre Association” (IPTA) – eine Erzählung von zwei rivalisierenden Theatergruppen, die für eine einzige stehen, so wie das geteilte Bengalen für Ghatak immer die Erinnerung an die Einheit heraufbeschwört. Das Wechselspiel von Trennung und Einheit ist das kennzeichnende Merkmal von Ghataks Kino: schmerzhafte Trennung von Ton und Bild, um durch außer-erzählerische Klänge (hier: Schüsse, Lieder, Sirenen) eine übergeordnete Einheit der Bedeutung herzustellen. Trennung von individueller, mythischer und sozialer Erzählung, die doch erst durch die Verbindung der Ebenen zur vibrierenden, vielschichtigen Einheit des zyklischen Weltbilds von Ghatak wird. Trennung Bengalens durch den Fluss Padma, die schon die erste Szene von KOMAL GANDHAR zu überwinden sucht. Auch der Titel handelt von dieser Überwindung: Er verdankt sich dem bengalischen Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore, der in der Tonart E-Moll eine Metapher für die Ehe, die Wiedervereinigung sah. Am Ende von KOMAL GANDHAR gönnt sich Ghatak nach zahlreichen tragikomischen Intrigen und Auseinandersetzungen die Erfüllung dieser Hoffnung.

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KUTTY SHRANK – SAILOR OF HEARTS

Drei Frauen kommen zu einer Polizeistation, um einen toten Körper zu identifizieren. Es soll sich um Kutty Shrank handeln, einen Bootsmann, der ein abwechslungsreiches Leben hinter sich hat. Alle drei Frauen behaupten seine Geliebte zu sein. Aus ihren Erzählungen über ihre Zeit mit ihm entsteht ein Bild seines vielschichtigen Charakters und seiner Persönlichkeit. Die Geschichte wird in Form des magischen Realismus erzählt, wodurch Realität und Fiktion verschmelzen zu scheinen.

Indien 2009
Regie: Shaji N. Karun
127 min, 35mm, Farbe, OF mit engl. UT

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Kya Hua Is Shahar Ko ?

Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen im Jahre 1984sind der Ausgangspunkt dieses Films mit immenser politischer Kraft,die er durch seine Vielschichtigkeit erreicht. Durch einen engagierten Kommentar gewinnt der Film seine historische Perspektive: Mechanismen politischer Machtkämpfe, die Dynamik zwischenMachtträgern sowie die Instrumentalisierung ökonomischer Verhältnisse und städtischer Armut führen zu einer eindrücklichen Analyse und einzigartigen Vorausschau auf die Entwicklung kommunalistischer Konflikte und Marginalisierungspolitik.

IN 1986
Regie: Deepa Dhanray
90 min, Farbe, DCP, OmeU

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Millions Can Walk

Hunderttausende Inder und Inderinnen – landlose Bauern und Ureinwohner – begeben sich auf einen 400 Kilometer langen Protestmarsch von Gwalior nach Delhi, um ihr Recht auf eine würdige Existenz einzufordern. Wie kann man für seine Rechte kämpfen, ohne Gewalt anzuwenden? Mit dieser wichtigen aktuellen Fragestellung strahlt der Film weit über die Grenzen Indiens hinaus. Er zeigt die vielfältigen Facetten des imposanten Protestmarsches und fokussiert dabei auch immer wieder auf die tägliche Realität dieser stolzen Menschen.

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Mohandas

Anhand einer Geschichte, die sich über die Interviews der schönen Reporterin Meghna entwickelt, untersucht MOHANDAS die Frage des Identitätsverlustes: ein Mann glaubt nicht mehr er selbst zu sein. Mit den Musikszenen erinnert der Film an die indische Filmtradition, während er sich davon entfernt, indem er die Rolle der Medien kritisch beäugt. Gleichzeitig beleuchtet der Film die kapitalistisch motivierten Ausschweifungen der Demokratie. MOHANDAS behandelt die Hilflosigkeit eines Einzelnen gegenüber der Macht von Politik, Wirtschaft, Gesetz und Medien.

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NAALU PENNUNGAL – FOUR WOMEN

Rubrik: IFFI 2009, Masters
In der Zeit nach der Unabhängigkeit Indiens zwischen den 40er- und 60er- Jahren verfolgen wir das wenig beneidenswerte Schicksal von vier Frauen aus Kerala: eine verheiratete Frau, die keine Kinder hat, eine sehr junge Frau, die von ihrem Vater gezwungen wird, einen Mann zu heiraten, um dessen Haushalt zu führen, und – als Kontrast – eine „alte Jungfer“, die mit den Moralstandards einer rückständigen Gesellschaft zurechtzukommen hat; sowie eine Prostituierte, die ihr Leben verändern möchte. Alle Geschichten spielen in einem bäuerlichen Indien und beleuchten die Komplexität weiblicher Lebensentwürfe in einer traditionellen und von Männern dominierten Gesellschaft.

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NINE EMOTIONS (Navarasa)

Tausende von Homosexuellen, Eunuchen und Transvestiten aus ganz Indien nehmen jedes Jahr am Koovagom-Festival teil. Die 13-jährige Swetha entdeckt, dass ihr Onkel Gautam ein Transvestit ist. Sie folgt ihm nach Koovagom. Santosh Sivan taucht seine Geschichte in den Aravan-Mythos. Eine bissige Bollywood-Parodie.

Indien 2005
Regie: Santosh Sivan
97 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT
Festivals: Rotterdam 06, Pusan 05

NIYAMGIRI YOU ARE STILL ALIVE

Rubrik: IFFI 2003, Internationaler Wettbewerb
1971: Die Spannung ist groß. Der Ausbruch des Krieges zwischen Indien und Pakistan steht unmittelbar bevor. Das ruhige Leben von Sati und Gopi Gujral wird durch den irrtümlichen Anruf eines Jungen gestört, der verzweifelt seine Mutter zu erreichen versucht. Sati ist Musiklehrerin in einer von der tibetischen Exilregierung geführten Schule. Gopi ist Arzt in einem Regierungskrankenhaus. Ihr einziger Sohn Ashok, Pilot der indischen Luftwaffe, meldet sich jede Woche telefonisch. Zwischen der immer verzweifelter klingenden Stimme des Kindes mit der falschen Nummer und dem Warten auf den Anruf des Sohnes wächst die Angst. Nishad befasst sich mit der Unsinnigkeit des Krieges, mit der Verwirrung und den Verletzungen. Nishad ist zudem die aus indischer Sicht dargestellte Geschichte des Exils des tibetischen Volkes. Die Anrufe des Kindes, das nach der Trennung von seinen Eltern immer mehr in Verzweiflung gerät, gemahnen das Paar an das Schweigen des eigenen Sohns, an die Gefahren, die er zu gewärtigen hat. Die Angst ergreift zunehmend von den beiden Besitz, während eine unbekannte Stimme ihr Leben zerrüttet. Die Konflikte entsprechen einander, und die Erinnerung an diese Geschichte setzt sich allmählich zwischen den Zeilen des Films fest.

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NIYAMGIRI YOU ARE STILL ALIVE

Das Niyamgiri-Gebiet im Osten Indiens ist eine bewaldete Bergkette, in der das Volk der Dongria Kondh ein zurückgezogenes Leben führt. Die Berge, besonders der Niyam Raja, sind ihnen heilig. Der britschen Minengesellschaft Vedanta sind die Berge auch einiges wert: Sie sollen als Abbaugebiet für Bauxit, ein Mineral, das unter anderem für die Herstellung von Nuklearwaffen und Make-up verwendet wird, erschlossen werden. Zumindest offiziell müssen die Dongria Kondh erst zustimmen. Suma Josson verfolgt den Kampf gegen die Zerstörung der einzigartigen Landschaft durch das übermächtige Unternehmen.

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Oridathu

Zeit des Geschehens: die Mitte der Fünfziger Jahre, als Indiens Staatenreorganisiert wurden. Der Ort: ein abgelegenes Dorf in Kerala. Als das unterentwickelte Dorf Panchayath, angeführt vom Gastwirt Brahmin,sich dazu entschließt, dass auch sie endlich von den Vorzügen derElektrizität profitieren sollten, ist die Aufregung nahezu greifbar. Im Laufe der Geschichte lernen wir äußerst verschiedene Charaktere des Dorfes kennen und jeder von ihnen erzählt seine eigene Geschichtein eigenständigen Episoden, die alle irgendwie miteinander verbundensind.

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