Frankreich

ADANGGAMAN

Afrika, 17. Jahrhundert: König Adanggaman kooperiert mit Sklavenhändlern, schickt Ama-zonen in feindliche Dörfer, läßt sie in Brand stecken und die Bewohner/innen für den Sklavenverkauf gefangen nehmen. Vor diesem historischen Hintergrund erzählt Roger Goan M´Bala unsentimental die Geschichte von Ossei, einem, der sich noch nie beugen wollte. Und sich plötzlich mit dem Erniedrigensten aller Zwänge konfrontiert sieht: der Sklaverei. Wie Gesellschaften sich selbst im Fluß der Geschichte empfinden, als Spielball von Stromschnellen oder gegen den Strom schwimmend, als rückwärts marschierende Flußkrebse, als Hechte oder als dessen Futter, so spüren sie sich auch in der Gegenwart. ADANGGAMAN ist der erste afrikanische Film über die Kollaboration eines schwarzen Königs mit den europäischen Sklavenhändlern, ein schmerzhaft kritischer Blick auf bislang verdrängte Zusammenhänge und eine aufbrechende, kommunikative Relativierung klischeehafter Schwarz-Weiss-Malerei.

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AGADEZ NOMADE FM

Agadez, eine Stadt in der Wüste. Die Straßen sind schmal, die Häuser völlig aus Lehm gebaut. Bachir und Salamatou arbeiten als Reporter bei der kleinen lokalen Radiostation Nomade FM. Sie streifen durch die Stadt, interviewen ihre Bewohner. Es ist Fastenzeit, und die Religion spielt im täglichen Leben eine noch größere Rolle als sonst.

Frankreich/NE/CH 2003
Regie: Christian Lelong
75 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT

ALF CHAHR (Mille Mois/Tausend Monate)

Die Hauptfigur des im Jahr 1981 spielenden Films ist der junge Mehdi, der in einem Bergdorf im marokkanischen Atlasgebirge lebt und auf die Rückkehr seines Vaters wartet. Dieser arbeitet laut seiner Mutter und seinem Großvater in Frankreich, sitzt in Wirklichkeit aber im Gefängnis. Das innere Gleichgewicht des Jungen ist in jedem Augenblick gefährdet …

Marokko/F/B 2003
Regie: Bensaïdi Faouzi
124 min, 35 mm, Farbe, Farbe; arab. OF mit dt. und franz. UT

AMOUR, SEXE ET MOBYLETTE

In einer kleinen Stadt in Burkina Faso. Eine Gesellschaft, die im Rhythmus des schlagenden Herzens lebt und ihre Zukunft entwirft. Sehen, wie man sich liebt, irgendwo in Afrika – das bedeutet auch, unsere eigene Liebe im Spiegel zu erkennen. „Angehalten, auf die Bilder eines blutleeren Kontinents zu fokussieren und die Menschen zu anonymen und unterernährten Silhouetten zu reduzieren, vergisst man über den aufgeblähten Bäuchen, die uns von den Medien vorgesetzt werden, schnell die Millionen von schlagenden Herzen, die genau so schwingen wie überall auf der Welt.“ (Africultures)

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AOUD RIH – Das Windpferd

Rasend schmettert ein Zug über die Leinwand, langsam bringt ein Boot einen alten Mann an irgendein Ufer. Schon die ersten Bilder illustrieren, was kommen wird: Unterwegssein, flüchtige Bewegungen, Sehnsucht, Ankünfte, Abschiede. Zwei marrokanische Männer treffen sich zufällig. Taher, der Ältere, war einstmals geachteter Hufschmied, jetzt fühlt er sich nur mehr als Last seines Sohnes, bricht auf in die Ver-gangenheit, sucht verzweifelt einen Heimatort, sinnvolle Überlebenswahrzeichen in einem fernen Dorf, Azemmour, am Grab seiner zu früh verstorbenen, unsterblich geliebten Frau. Unterwegs trifft er auf den 30-jährigen Driss, dem Krankenhaus wie einem Gefängnis entronnen, auf der Suche nach seiner totgesagten Mutter. Schicksalshaft ketten sich ihre einsamen Sehnsüchte aneinander, und sie reisen, teilen Enttäuschungen, natürliche Mißverständnisse, seltene Einverständnisse, vorübergehende Hoffnungen. Bis ans Ende aller Enttäuschungen, am provozierenden Rande des Selbstmords, als der von allem enttäuschte alte Mann ein Leben retten darf…

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Araf – Somewhere in Between

Die hübsche Zehra und der gut aussehende Olgun verbringen die meiste Zeit ihres jungen Lebens damit, in der Cafeteria einer Autobahntankstelle zu arbeiten. Alles an ihrer Umgebung erscheint vergänglich. Die meisten Bewohner der Gegend sind auf der Suche nach einer neuen Zukunft in die große Stadt gezogen. Aber Zehra, Olgun und ihre Freunde sind immer noch da, irgendwo zwischen der Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft. Zehra träumt, dass die Liebe sie weg von ihrem sinnlosen Job und Leben zu Hause mit ihrer strengen altmodischen Mutter bringen kann. Sie beginnt, sich für einen älteren LKW-Fahrer, Mahur, der viel Zeit auf der Straße, verbringt zu interessieren. Während Zehras Verlangen nach Mahur sich in eine tragische erste Liebe verwandelt, wird ihr rebellischer Freund Olgun immer frustrierter. Zehra und Olgun erleben eine harte Zeit. Aber der Abschied von ihrer kindlichen Unschuld wird ihnen durch Liebe und Hoffnung erleichtert.

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ARAÏS AL-TEÏN (Poupées d´Argile)

Im Dorf vertrauen die Familien ihre Mädchen Omrane, einem ehemaligen Hausangestellten, an. Sie werden nach Tunis gebracht, um dort als „Mädchen für alles“ zu arbeiten. Die kleine Feddha, die soeben in die Stadt gekommen ist, kann sich nicht an ihr neues Leben gewöhnen. Die Flucht eines anderen Mädchens aus dem Dorf, Rebeh, gibt ihr Gelegenheit auszubrechen. Sie macht sich davon, zusammen mit Omrane, der in Rebeh verliebt ist, und sucht in der ganzen Stadt nach jener, die fortlief, um frei zu sein. Mit seltener formaler Meisterschaft deutet der Film mehr an, als er aussagt, schafft Stimmungen und nicht Situationen, stellt Fragen, statt fertige Lösungen zu liefern. In eindringlicher Weise drücken gestische Metaphern – die eine angemessene Distanz zwischen Andeutung und Übertragung halten – die Gemütszustände der Personen aus; direkte Rede kommt selten vor. So formt und zerstört die kleine Feddha ihre Puppen aus Ton und lebt in einer imaginären Welt, dank der sie sich ein Stückchen der ihr allzu früh geraubten Kindheit zu bewahren vermag. Statt Moral zu predigen oder Lehren zu erteilen, will der Regisseur den Zuschauer dazu bringen, sich die Dinge selbst zu erklären; er zieht es vor, auf der Ebene der Emotion zu bleiben, um so in die Tiefe und Einsamkeit der Personen vorstoßen zu können, ohne deuten zu müssen.

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ARLIT, DEUXIÈME PARIS

Christian Berger Dokumentarfilmpreis, Prix de l´Institut Français
Inmitten der nigerianischen Wüste gelegen, war Arlit in den 1970er Jahren ein Eldorado, dessen Wohlstand auf dem imperialistischen Impetus der französischen Uranbergwerke beruhte. Seine Bewohner nannten es stolz das „zweite Paris“. Doch der Kurssturz des Uraniums und der Aufstand der Tuareg ließen es zu einer Geisterstadt werden, in der die Alten ihren enttäuschten Hoffnungen und die Jungen ihren unrealistischen Zukunftsträumen in Algerien oder Europa nachhängen.

Benin/F 2005
Regie: Idrissou Mora-Kpai
78 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT

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BAB EL MAKAM (Passion)

Imane kümmert sich liebevoll um ihre Kinder, ihren Mann und ihre Nichte. Ihr Alltag und das Leben ihrer Familie werden von den Melodien von Oum Kalsoum bestimmt, die sie ständig vor sich hinsingt. Ihr Mann, der nicht nur Beamter, sondern daneben auch Taxifahrer ist, bestärkt seine Frau in ihrer neuen Leidenschaft. Doch Imanes Familie sieht diese Passion für die Musik mit sehr viel misstrauischeren Augen.

Frankreich/Syrien/Tunesien 2004
Regie: Mohammad Malas
98 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT

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BAB’ AZIZ (Le prince qui contemplait son âme)

Alle dreißig Jahre geben sich die Derwische ein mysteriöses Stelldichein mitten in der Wüste. Bab’Aziz, ein alter, blinder Derwisch, der von seiner Enkelin Ischtar geführt wird, sucht seinen Weg zwischen den Sanddünen, geleitet von seinem Glauben und der Stille der Wüste. Unterwegs begegnen ihnen reale und imaginäre Personen, unter ihnen ein geheimnisvoller Prinz, der sein Reich verließ, um sich auf die Suche nach seiner Seele zu begeben.

Frankreich/D/Iran/Tunesien/GB 2005
Regie: Nacer Khemir
98 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT
Prix de l’Institut Français; Festivals: Locarno 05, Nantes 05, Fribourg 05; In Kooperation mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Südwind Tirol und Izola Cinema – Kino Oto

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BAKSY – NATIVE DANCER

Aidai ist eine Baksy – eine Naturheilerin – die mit ihren schamanischen Kräften die Gelähmte wieder zum Gehen bringt und kinderlosen Paaren Kinder schenkt. Ihre Klinik, die inmitten der kasachischen Steppe liegt, wird von Kranken und sorgenbeladenen Menschen aus dem ganzen Land aufgesucht. Als beschlossen wird, genau an diesem Ort eine Tankstelle und ein Motel zu bauen, verschwindet Aidai auf mysteriöse Weise. In einer Welt, die vom technischen Fortschritt gelenkt die alten Traditionen des kasachischen Volkes zu vergessen scheint, kämpft Aidai mit ihren Tänzen darum, den Glauben an das Übernatürliche in den Menschen zu bewahren.

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BAMAKO

Vertreter der afrikanischen Bevölkerung haben einen Prozess angestrebt gegen den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank, weil sie diese zur Rechenschaft ziehen wollen für das, was auf dem afrikanischen Kontinent schief läuft. Der Wohnhof wird also gleichzeitig Gerichtshof, und während Anklagende, Zeugen und Verteidiger ihre Standpunkte vertreten, spielt das Leben munter weiter, als wäre da gar nichts Besonderes.

Frankreich/Mali 2006
Regie: Abderrahmane Sissako
118 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT
In Kooperation mit Südwind Tirol

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BAYIRI – LA PATRIE

BAYIRI  zeigt das Schicksal von Menschen, die Burkina Faso einst verlassen mussten und versuchten, in Côte d’Ivoire neu Fuß zu fassen. Als in Côte d’Ivoire 2002 ein Bürgerkrieg ausbricht, müssen die Burkinabe wieder fliehen. Sie werden nach Burkina Faso in das Flüchtlingslager Operation Bayiri gebracht, wo gerade die Frauen Hunger, Gewalt und Willkür durch Polizei und Rebellen erleben müssen. Auch Biba, eine starke junge Frau, landet in Bayiri, wo sie versucht, trotz ihrer Schwangerschaft nach der Vergewaltigung durch einen Rebellenchef für sich und ihre Freundinnen zu sorgen. Zodo, ein Schlepper, hilft dabei, so gut er kann.

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BESHKEMPIR

Der Junge Azate lebt im ländlichen Kirgisistan, wo die Zeit – zumindest für westeuropäische Verhältnisse – stehen geblieben zu sein scheint. Gemeinsam mit anderen Jungen entdeckt er die Welt. Als sein bester Freund ihn eines Tages mit jenem Mädchen schäkern sieht, auf das auch er ein Auge geworfen hat, kommt es zu einer Keilerei. Azate sei ein Waisenkind, bekommt er vom gekränkten Freund zu hören, ein Adoptivsohn, ein „Beshkempir“, wie man in der Region sagt: Sohn von fünf Großmüttern. Der Name „Beshkempir“ deutet auf ein Ritual hin, das am Beginn steht: Fünf Frauen nehmen auf einem aus bunten Stoffstücken zusammengeflickten Teppich Platz; sie beten und weihen das gefundene Kind der Erde. Nach kirgisischem Brauch stellt jedes Stoffstück des Teppichs die Erinnerung an einen verstorbenen Verwandten dar. In schlichter Natürlichkeit, schnörkellos, bedächtig und mit wundervoll komponierten Schwarzweißbildern erzählt Abdikalikow vom Erwachsenwerden. Nur punktuell kehrt der Film zur Farbe zurück, immer dann, wenn ein Erinnerungsmoment besonders stark wird: Das kann ein so kleines Detail wie ein Stoffstück im Lehmwasser sein. (nach: trigon-film magazin 9; Film 4/2000) „Das Außerordentlichste an BESHKEMPIR ist für den westlichen Zuschauer jedoch, dass man den Eindruck hat, endlich einmal wieder bloß schauen zu dürfen. Abdikalikow komponiert so sinnlich und sinnstiftend wie die Frauen, die den Teppich betreten und dem Kind einen Namen geben. Und das ist ein Genuss.“ (epd Film 12/99)

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BOULEVARDS D’AFRIQUE – BAC OU MARIAGE

Soukey ist gerade dabei, das Abitur an einem Gymnasium in Dakar zu machen, als sie erfährt, dass ihr Vater sie zur dritten Frau des alten Direktors einer Erdnussfabrik, des sehr eleganten Herrn Gueye, bestimmt hat. Soukey weigert sich und läuft davon. Ihre Freunde beschließen, den Plan scheitern zu lassen. Als Soukey einen jungen Juristen aus Paris kennen lernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Als auch noch Herr Gueye verhaftet wird, weil er zu schnell reich geworden ist, da ist Soukey außer sich vor Freude. Nur die Eltern sind verzweifelt. Aber die jungen Leute verzeihen den Alten und zwingen sie, der Farandole zu folgen, die auch Gueye befreit. Boulevards d’Afrique ist nach der gleichnamigen musikalischen Komödie von Tam-Sir Doueb entstanden.

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BREAD AND ROSES

Die Mexikanerin Maya arbeitet, genau wie Hunderte andere illegale Einwanderer aus aller Welt, nachts als Putzhilfe in den Büros der Wolkenkratzer von Los Angeles. Sie kann sich mit den menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen und dem praktisch nicht vorhandenen Lohn nicht abfinden. Dass sie den Job nur bekommen hat, weil ihre Schwester Rosa ihrem Chef dafür mit sexuellen Gefälligkeiten danken musste, weiß sie gar nicht. Als der Gewerkschafter Sam Shapiro auftaucht, beginnt Maya mit seiner Hilfe Widerstand zu organisieren.

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CHILE, LA MEMORIA OBSTINADA

Auf der Suche nach Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung kehrte Guzmán zu Schauplätzen aus LA BATALLA DE CHILE zurück, sprach mit den „anonymen Helden“ aus dem Umfeld Allendes – seinen Leibwächtern und seinem Chauffeur, der an diesem 11. September 1973 heiratete -, mit Hinterbliebenen von „Verschwundenen“ und auch mit einstigen Befürwortern des Putsches. An einer Universität organisierte Guzmán eine Vorführung von LA BATALLA für Studenten. Die plötzliche Gleichzeitigkeit ihrer unbelasteten Kindheitserinnerungen mit der Konfrontation einer brutalen Gesellschaftsspaltung ist wie ein Schock. Ein Student erinnert sich an einen Morgen, die Sonne schien, übermütig hüpfte er im Bett auf und ab. Den Haß, der draußen wütete, lernt er nun, in diesem in Chile unbekannten Film kennen. Nur eine Generation trennt jene, die den Putsch und seine Folgen miterlebten, und eine Jugend, die zum Verdrängen erzogen wurde. „Guzmán nimmt die Bedeutung und die Zerbrechlichkeit der politischen Erinnerung in Augenschein. Orte des Verbrechens werden aufgesucht, wie das Fußballstadion, das Konzentrationslager war. In einer außergewöhnlichen Sequenz filmt Guzmán die Reaktionen von Menschen auf der Strasse, als sie die Hymne der Partei Allendes, ‘Venceremos’ hören: In diesem Moment werden wir nichts weniger als Zeugen, wie eine kollektive Erinnerung entsteht.“ (Michael Sragow, San Francisco Weekly, 1998)

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COCORICO! MONSIEUR POULET

Ein Spielfilm, der die Abenteuer dreier Freunde im nigrischen Busch schildert. Lam beschließt, mit einem alten 2CV-Lieferwagen und einem Gehilfen in den Busch zu fahren, um in den Dörfern Hühner zu erwerben und damit einen Handel aufzuziehen. Eine dritte Person, die sich mehr schlecht als recht integriert, schwächt die ohnehin prekäre Organisation dieses Unterfangens. Das Auto spielt eine der Hauptrollen ihrer Reise, die sie von Niamey in den Busch führt. Die Reise ist gekennzeichnet von unerhörten Ereignissen, wie etwa der Begegnung mit einer Teufelin oder der Überquerung des Niger-Stroms, alles Vorwände für zahllose Diskussionen und Wortschwälle.

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DARATT (Dry Season/Trockenzeit)

Mit 15 Jahren macht sich Atim auf die Suche nach dem Mann, der seinen Vater getötet hat. Er kommt nach N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, wo er sich nach dem Mörder umhört. Dieser, Nassara, führt inzwischen eine kleine Bäckerei. Atim gelingt es, sich dort als Lehrling anstellen zu lassen. Eine eigenartige Beziehung entwickelt sich zwischen den beiden Männern, in die Nassaras Frau die Zärtlichkeit einbringt, nach der sich beide sehnen.

Tschad/Frankreich/Belgien/Österreich 2006
Regie: Mahamat-Saleh Haroun
93 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT
Festival: Mostra del Cinema Venedig 06 (Jurypreis); In Kooperation mit Südwind Tirol

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DARESALAM

Tschad in den siebziger Jahren. Ein Land, das im 20. Jahrhundert ausschließlich Kolonisation, zu selbstherrlicher Despotie entartete Freiheit, vage Träume demokratischer Rebellen und für den Großteil der Bevölkerung elendigliche Hilflosigkeit erlebte. Dörfliche Idylle, Erntezeit, Zeit der Zuversicht, zwei Bauernsöhne glauben noch, den Übergang vom Kind- zum Mannsein mit natürlicher unschuldiger Höflichkeit und vorsichtigen Träumen von zukünftigen Frauen spielend leicht erleben zu dürfen, aber jäh werden sie – von Soldaten brutal unterstützten und inszenierten Staatshäuptlingen – zum militanten Widerstand gezwungen. Lernen Speere gegen Gewehre tauschen, von demokratisch-sozialistischen Idealen träumen, die „eigentlich ur-afrikanisch sind, teilt doch jeder im Dorf mit dem Ärmsten“. Nicht mehr. Regisseur Issa Serge Coelo: „Bauern und Handwerker griffen zu den Waffen, um sich gegen ein blutrünstiges autokratisches Regime zu wehren. Der Krieg wurde zum mächtigsten Wirtschaftsfaktor des Landes und Gewalt zur einzig möglichen Form der Kommunikation.“ Und dennoch setzt er seinen Film dagegen, läßt Momente unverschütteter, zärtlicher Anständigkeit sichtbar, detailreich und hoffnungsvoll sprechen.

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DELWENDE (Lève-toi et marche)

Das Dörfchen Saaba in Burkina Faso wird vom Unheil heimgesucht. Täglich sterben Kinder auf unerklärliche Weise. Der Ältestenrat glaubt, es handle sich um einen Fluch, und beschließt, mit Hilfe des Siongho-Ritus den Verantwortlichen zu finden. Im gleichen Augenblick gesteht die junge und hübsche Pugbila ihrer Mutter Napoko, sie sei vergewaltigt worden, weigert sich jedoch, den Schuldigen zu nennen. Während eines magischen Ritus bezeichnen die Geister Napoko, die aus dem Dorf gejagt wird.

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DER BIENENZÜCHTER / O MELISSOKÓMOS

Ein alter Mann kappt die Verbindung zu dem, was einst sein Leben war. Auch eine junge Frau, die er am Straßenrand aufliest, weckt seine Lebensgeister nicht mehr. Lediglich Panik löst das Mädchen im Alten aus. Sie will um ihn, der sich verloren wähnt, kämpfen. In einem alten Kino liebt sich das Paar. Dann packt das Mädchen ihre Sachen und der Alte geht in den Tod. O MELISSOKÓMOS – so Walter Ruggle – handelt davon, „dass die Vergangenheit allein für die Zukunft nicht reicht und dass die Zukunft ohne Vergangenheit auch nicht einfach ist“. Vor allem aber, möchte man hinzufügen, ist O MELISSOKÓMOS ein Lehrstück in Sachen Sehen.

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Der Imker

Der Film erzählt das berührende Schicksal eines Bienenzüchters. Die Wirren des türkisch-kurdischen Krieges haben ihm alles genommen: seine Frau und Kinder, seine Heimat und mit seinen über 500 Bienenvölkern auch die Lebensgrundlage. Geblieben ist ihm nur seine Liebe zu den Bienen und das unerschütterliche Vertrauen in den einzelnen Menschen, egal welcher Herkunft. Nach einer langen und entbehrungsreichen Odyssee hat der Imker dank seiner Leidenschaftfür die Bienenzucht in der Schweiz zurück zum Leben gefunden.

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