Faröer-Inseln

BYE BYE BLUEBIRD

„Kleine Inseln sind nichts für Menschen, nur für Vögel, die wegfliegen können,“ sagt einmal eine der beiden jungen Frauen. Rannvá und Barba, wie schrill-bunte Paradiesvögel, rebellisch mit ihren verletzten Flügeln schlagend, sind sie nach vielen Jahren im Ausland im haßgeliebten Land ihrer Kindheit gelandet: den Faröer-Inseln. Ein paar Häufchen Erde nordwestlich von Island, wo jeder, der auf längere Zeit weggeht, wie ein Verräter behandelt wird. Zwei seltsame Heldinnen, Rachegöttinnen, die ihre Wut und Unsicherheit, saufend, fluchend oder tangotanzend entladen. Aber hinter der grellen Fassade der Selbstinszenierung verbergen sich zwei zutiefst Verwundete. Barba wurde von ihrer blutjungen Mutter verstoßen, Rannvá war selbst blutjung Mutter geworden und hatte ihre Tochter auf den Inseln zurückgelassen. Katrin Ottarsdóttir, die erste und einzige Filmregisseurin der Faröer-Inseln, weiß nur allzu gut, wovon sie in ihrem komischen, phantasievollen und berührenden Roadmovie erzählt: Von kleinbürgerlichen Denkmustern, beengenden Verhaltensweisen, täglicher Heuchelei. Sie selbst flüchtete mit 19 Jahren in die Kopenhagener Punkszene. Um jetzt, mit 45, mit einem tragikomischen Spiegelbild-Film nicht mit ihrer Vergangenheit abzurechnen, sondern versäumte Chancen, brutale Gefühllosigkeiten sichtbar zu machen. Mutig hat sie Rannvá, die junge Mutter, von ihrer eigenen Tochter spielen lassen.

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