Daniel Diaz Torres

ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS

In Memoriam Daniel Díaz Torres
Ein Kulturauftrag führt die Theaterwissenschaftlerin Alicia in den Ort Maravillas (Wunder), von dem sich herausstellt, dass er in seiner Absurdität Lewis Carrols Wunderland ebenbürtig ist. Die Ansässigen der düsteren Gemeinde verhalten sich überaus seltsam und Alicia erlebt eine bizarre Situation nach der anderen, bis sich in ihr der Verdacht formt, dass die Irrenanstalt Satan für die grotesken Zustände verantwortlich ist. Daniel Diaz-Forres – selbst Revolutionsbefürworter – übt mit dieser Realsatire humoristisch Kritik an den Verirrungen und Fehlentwicklungen der Revolution in Kuba.

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HACERSE EL SUECO

„Den Schweden spielen“ bedeutet in Lateinamerika „die Rolle des Dummen spielen, ohne es zu sein“ … In einer Wirklichkeit, die sich ändert und die alte Denkweise auf den Kopf stellt, sieht sich ein pensionierter Polizist mit unerwarteten Konflikten konfrontiert. Seine Autorität wird in Frage gestellt. Wird er ebenfalls den Schweden spielen müssen? Daniel Díaz Torres: „Wir wollten eine Art kubanisches Märchen erfinden, welches das nicht-touristische Havanna in realistischen Bildern zeigt. Die Figuren handeln auf komödiantische Art, manchmal ohne das Pathetische zu umgehen. Es ist ein Film über den Schein, über die Freundschaft und das Bedürfnis, in einen Dialog zu treten sowie über das Vertrauen. Diese stellen sich den Schemen und alten Dogmen entgegen, die in der komplexen kubanischen Wirklichkeit keinen Platz mehr haben.“ „Der Wert dieses Films liegt in seiner Art und Weise zu kritisieren. Er bringt uns zum Nachdenken, nicht nur über den Mangel. Díaz Torres geht weiter, bringt uns auch zum Nachdenken über die Bedingungen, die Natur des Menschen, der ethische Werte hat, diese Mängel bekämpft und für seine persönlichen Werte eintritt.“ (Emilio Barreto, Palabra Nuevo, Havanna) / (hg) • Publikumspreis Fribourg 2001 Daniel Díaz Torres (1948 Havanna) begann 1975 als Dokumentarist. 1991 erregte er mit seinem Spielfilm ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS (s. S 16) nationale Ärgernisse und internationales Aufsehen. HACERSE EL SUECO ist der dritte Film, den er gemeinsam mit Drehbuchautor Eduardo del Llano machte. Filmographie (Auswahl): JIBARO (1985), QUIEREME Y VERAS (1995), KLEINES TROPIKANA (1998) (Publikumspreis Innsbruck 1998)

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JIBARO

Kuba 1982
Regie: Daniel Diaz Torres
14 min, 35mm, Farbe, OmU

KLEINES TROPIKANA – Tropicanita

uriges Kuba. Havanna in den 90er Jahren. In der Dunkelheit einer tropischen Sommernacht wird im Hinterhof eines großen Hauses die Leiche eines deutschen Touristen aus dem Schwarzwald gefunden. Am Rücken hat er Engelsflügel umgeschnallt, in der Hand hält er eine Flasche Schnaps. Für die lokale Polizei ist der Fall schnell klar: Betrunkener Ausländer stürzte bei einer wilden Party vom Dach. Einzig den Polizeileutnant Lorenzo lässt der Fall nicht los, und er beginnt gegen den Willen seines Chefs auf eigene Faust zu recherchieren. Was hatte dieser Ausländer in Kuba gemacht? Welche Rolle spielte sein Vater, der vor 40 Jahren eine Bar mit dem Namen „Tropicanita” betrieb? Die Untersuchung nimmt immer haarsträubendere Wendungen, und als Lorenzo am Ende die Lösung seinem Vorgesetzten präsentiert, wirkt diese nicht unbedingt wahrscheinlich, aber so verrückt und abenteuerlich, dass man glatt einen Film daraus machen könnte. Alle Fiktion ist Lüge, besagt ein geflügeltes Wort aus Kuba. Aber die Lüge, so heißt es da weiter, sei lediglich die außer Kontrolle geratene Vorstellung einer Wahrheit. Der Kubaner Daniel Díaz Torres, 1995 mit der Komödie QUIEREME Y VERAS, macht mit seiner jüngsten Produktion KLEINES TROPIKANA klar, dass die Grenzen zwischen dem Erfundenen und dem Wirklichen, zwischen dem Erlogenen und dem Wahren, zwischen der Phantasie und der Realität fließend sind. Und dass das eine das andere durchfließt, die magische Wirklichkeit sprießt. Seine Hauptfigur Lorenzo ist ein vorbildlicher Polizist aus der Provinz, der dichtet, und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass er uns eine Geschichte erzählen möchte, die von ihm handelt und vielleicht sogar wahr ist, sicher aber schön erfunden. Er tut auf alle Fälle so, als sei sie wahr, indem er sie gleich zweimal dokumentiert, faktisch belegt und damit natürlich auch zeigt, wie leicht man im Kino den Leuten etwas als Wahrheit verkaufen kann. Der Deutsche aus dem Schwarzwald (Kuckucksuhr mit Dirndl) soll unter anderem an einem Dokumentarfilm gearbeitet haben über die kubanische Seele. Er wusste zu berichten, wie unglaublich es sei, eine Kubanerin zu lieben, was wiederum den Polizeioffizier im Detail sehr interessiert hätte. Von den Ursachen des mysteriösen Todes des deutschen Touristen gibt es am Ende gleich mehrere Versionen, von denen die irrwitzigste jene ist, dass der Tourist ein Bruder des Polizisten war. Geschrieben hat KLEINES TROPIKANA Kubas erfolgreichster Drehbuchautor Eduardo del Llano, der auch am Buch zu ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS von Daniel Díaz Torres mitwirkte und für Fernando Pérez das Buch zu LA VIDA ES SILBAR verfasste. Man hätte seine liebe Mühe, aus den Fadensträngen, die er und Díaz Torres ausklügelt, einen einzelnen herauszunehmen, um zur Gewissheit zu gelangen: So war es. Doch just diese Gewissheit wollen uns die beiden Kubaner nicht vorgeben. Im Gegenteil: Sie zeigen uns, dass es eine Gewissheit nicht gibt. (Texte aus: Trigon Film Magazin Nr. 10, erhältlich an der Kinokasse) Die Urfassung des Drehbuches zu KLEINES TROPIKANA hat Eduardo del Llano mit Unterstützung des Otto Preminger-Institut in St. Sigmund im Sellraintal geschrieben. Die österreichische Erstaufführung von KLEINES TROPIKANA fand im Rahmen des Internationalen Film Festival Innsbruck im Jahre 1998 statt, wo der Film vom Publikum zum Lieblingsfilm gewählt wurde.

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La Película de Ana

LA PELÍCULA DE ANA, Anas Film. Sie ist Schauspielerin und versucht wenig erfolgreich ihr Leben in Kuba mit schlecht bezahlten Fernsehrollen zu bestreiten. Nicht nur vor der Familie muss sie ihre Berufswahl rechtfertigen. Doch eines Tages vermittelt eine Freundin Ana an österreichische Produzenten weiter, die eine Dokumentation über Prostitution auf der Insel drehen möchten. Mit der Gage vor Augen entschließt sich Ana kurzerhand das Leben selbst zu spielen und schlüpft in die Rolle der kubanischen Prostituierten.

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LISANKA

Kuba, 1962: Als die Revolution beginnt, ist das Leben in der Kleinstadt Veredas, in der Lisanka und ihre Freunde Sergio und Aurelio leben, nicht mehr so friedlich. Die beiden jungen Männer sind der neuen politischen Richtung gegenüber äußerst unterschiedlich eingestellt. Dazu kommt, dass sie beide in Lisanka verliebt sind. Diese bemüht sich nach Kräften, die Revolution zu unterstützen – das schließt auch den russischen Soldaten Volodia mit ein, der auf einem sowjetischen Militärstützpunkt in der Nähe stationiert ist. Diese verwickelte persönliche Konstellation wird schließlich durch die Oktoberkrise unterbrochen.

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