Ciro Cappellari

SIN QUERER

Botschaft taucht eines Tages der junge Ingenieur Mario aus der Hauptstadt Buenos Aires im patagonischen Kaff San Lorenzo auf, das mit der Außenwelt nur durch eine nichtasphaltierte Landstraße und einen mittlerweile stillgelegten Bahnhof verbunden ist. Patagonien: Eine weite ockerfarbene, wüstenähnliche Landschaft am Fuße der Anden. Unbarmherziger Wind bläst durch die Schluchten. Die Lagunen – glitzernd in der Sonne – sind alljährlich das Ziel unzähliger Flamingos, die sich auf der Suche nach dem Sommer hier niederlassen. Doch dieses Jahr kommen nicht nur die Flamingos, sondern auch Mario. Er hat den Auftrag, eine Trasse für den Überlandtransport eines Ausflugdampfers zu vermessen, die durch San Lorenzo zum entfernt liegenden Inlandsee führen soll. Für die Bewohner des Städtchens ist dies das Ereignis des Jahres. Sie bereiten Mario einen herzlichen Empfang, denn das Unternehmen verspricht einen wirtschaftlichen Boom und vor allen Dingen einen Ausweg aus der alltäglichen Eintönigkeit – Hoffnungen und Sehnsüchte werden geweckt. Das Schöne bei den Leuten in Patagonien ist, daß es eine Poesie der Hoffnung gibt. Das kann die geringste und absurdeste sein. Im Film ist es ein Schiff. „Es ist eine TEOREMA-Situation in Patagonien, die alte Geschichte vom Fremden, der in eine geschlossene Gemeinschaft kommt und sie aus ihrem täuschend stabilen Gleichgewicht bringt.” (Frankfurter Rundschau) „Seit Buñuels CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR (1977) ist die Spanierin Angela Molina auf den Part der männernarrenden, rätselhaften Verführerin spezialisiert. In der obsessiven Beziehung Amados zu Juanita wirkt TRISTANA (1969) nach, in der bedrohlichen Atmosphäre des Ortes Buñuels mexikanischer Film EL RIO Y LA MUERTE (1954)” (FAZ) „Ein Westernmotiv und ein Motiv des Heimatfilms. Auch San Lorenzo ist so ein Ort an einer imaginären Zivilisationsgrenze. Hier ist die Weite der umgebenden Landschaft vor allem erdrückend. Und die Trockenheit, heißt es, zwingt die Bewohner des Ortes, züchtig zu sein. Aber einmal im Jahr kommen die Flamingos und mit ihnen der Regen. Und mit dem Regen der Schlamm, das Gewürm und die Unzucht.” (Süddeutsche Zeitung) „Ein stiller, poetischer Film des begabten argentinischen Autor-Regisseurs Ciro Cappellari (38), dessen spröde Reize sich dem sofort erschließen, der schauen, hören und vor allem fühlen will. Fein beobachtete Menschen-Schicksale offenbaren sich, wie man eine exotische Landschaft entdeckt – zögerlich aber neugierig.” (AZ, München) Angela Molina: „Es ist keine Höflichkeitsfloskel, wenn ich sage, daß die Arbeit mit Ciro etwas Besonderes war. Ich habe schon mehrere Filme in Südamerika gedreht, aber noch nie an einem so kargen Ort., in dem die herzlichsten Menschen wohnen. Ciro war plötzlich einer von ihnen – und auch wieder nicht: Wenn er als Regisseur auch europäische Einflüsse spüren läßt, wenn er vor der Kamera Visionen real werden läßt, so verrät er nie deren Geheimnisse an eine sich anbiedernde Vordergründigkeit. Wie ein geliebtes Buch entführt der Film einen in eine andere Welt.”

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