Brasilien

A FESTA DE MARGARETTE

Pedro wohnt mit seiner Frau Margarette, den Kindern, der Großmutter und unzähligen Verwandten in einem abgelegenen Häuschen im Süden Brasiliens. Er träumt davon, Margarette ein großes Geburtstagsfest zu geben, doch er kommt finanziell auf keinen grünen Zweig und hat in der Kneipe und beim Händler einige unbezahlte Rechnungen offen. Als Pedro in der Autofabrik gekündigt wird, sind alle seine Träume zunichte. Doch seine Abfindung besteht aus einem Koffer und einer Tasche voller Geld. Trotz aller finanziellen Exzesse, die Pedro nun begeht, versiegt die Finanzquelle aus der Tasche wunderbarerweise nicht. Leider wird er zusehends mit der harten Realität konfrontiert. Gewalt, Mord und Korruption verwandeln Pedros neues Leben in einen Albtraum. Der in dunkel gehaltenen Schwarzweißbildern gedrehte Film ist eine bittere Komödie, die in jeglicher Hinsicht eine Reminiszenz an den Stummfilm der 20er Jahre ist. Erzählt wird die Geschichte ohne Dialoge und sogar ohne Zwischentitel. Im Film wird mit Situationskomik, Pantomime, instrumenteller brasilianischer Livemusik und hin und wieder mit Slapstickeinlagen gearbeitet, die eine moderne Sicht auf das klassische Genre Stummfilm erlauben.

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ACIDENTE (Zufall)

Epos auf die zwanzig Städte des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Als roter Faden zieht sich allein ein Gedicht durch den Film, das durch die Ortsnamen der besuchten Stätten inspiriert ist. Azurblauer Himmel, orangefarbene Hausmauern, weiße Kacheln, betende Gläubige in einer Prozession, spielende Kinder, einfache Menschen im Alltag: ACIDENTE ist ein flimmerndes, brillant gefilmtes Epos. Den beiden Filmemachern Cao Guimarães und Pablo Lobato gelingt es, durch ihre geschickte Kameraführung und raffinierte Montage das filmische Porträt einer Provinz zu zeichnen. Durch ihren Blick auf Alltag, Armut und Randständiges hat es nichts mit gängigen Postkartenidyllen gemein, und dennoch entfaltet sich in Bildern, Farben und Klängen ein Filmpanorama mit einer beinahe hypnotischen Faszination.

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AS TENTAÇÕES DO IRMÃO SEBASTIÃO (Die Versuchungen des Bruders Sebastian)

Im Jahr 2030 wird die Erde von Krieg und Umweltverschmutzung heimgesucht. Bruder Sebastian, Novize einer Kongregation, die auf einer Mischung aus christlichen Vorstellungen der Märtyrerzeit und messianischen Überzeugungen Nordostbrasiliens gründet, bereitet seine Priesterweihe vor. Von Zweifeln geplagt, voller Scham wegen einer in seiner Jugend erlittenen Vergewaltigung und seiner sündhaften Gefühle für einen androgynen Mitbruder, vertraut er sich dem Gründer des Ordens an, Pater Sanctus, in dem er seinen Retter sieht.

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ATOS DOS HOMENS (Acts of Men)

In der Nähe von Rio, in Baixada Fluminense, drehte Kiko Goifman seine Aufnahmen von der Verarbeitung eines Massakers, das dort im März 2005 verübt wurde. 29 Menschen wurden von Todesschwadronen getötet. In vier Teile gegliedert, berichtet der Film von den Bewohnern wie auch den Killerkommandos der Gegend.

Brasilien/Deutschland 2006
Regie: Kiko Goifman
75 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT
Nominiert für ray Filmmagazin-Dokumentarfilmpreis; In Kooperation mit dem Österr. Lateinamerika-Institut/Sektion Tirol

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BAIXIO DAS BESTAS – SUMPF DER BESTIEN

Irgendwo in Brasilien, in einem armen Dorf inmitten von Zuckerrohrplantagen, befindet sich die Hölle. Hier lebt ein junges Mädchen mit seinem brutalen Großvater. Die Tage verbringt sie als Haussklavin, am Abend muss sie sich nackt zahlungswilligen Männern präsentieren. Die einzige, durchaus fragwürdige Aufmerksamkeit erhält sie von dem jungen Cícero, der neben dem Haus die Latrine gräbt…

Brasilien 2007
Regie: Cláudio Assis
82 min, 35mm, Farbe, OF mit engl. UT
Rotterdam Film Festival 2007

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BARRAVENTO – DREHENDER WIND

Im Staat Bahia kehrt der gebildete Schwarze Firmino in das Fischerdorf zurück, in dem er geboren wurde, um das Volk vom Mystizismus, besonders dem der Candomblé-Religion zu befreien, die er als Gegenstand der politischen und sozialen Unterdrückung ansieht, was tragische Folgen mit sich bringt. Der junge Aruan kann keine sexuellen Beziehungen haben. Firmino beschließt zu zeigen, dass auch Aruan ein Mann wie die anderen ist, und bekommt dabei Hilfe von einer Prostituiertent. Nachdem die beiden miteinander geschlafen haben, verliert er seine Macht und bringt seinem Volk Unglück. Aruan emigriert in Richtung der Stadt, während die Prostituierte sich umbringt.

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BIRDWATCHERS – LA TERRA DEGLI UOMINI ROSSI

Um in ihrer alten Tradition zu überleben, beschließen die Guarani-Kaiowà, ein vom Aussterben bedrohter brasilianischer Stamm, ihr zugewiesenes Reservat zu verlassen und an den Ort ihrer Vorfahren zurückzukehren. Dieses Land gehört in der Zwischenzeit aber schon einem Großgrundbesitzer, dem alle Mittel recht sind, die Guarani-Kaiowà wieder zu vertreiben. BIRDWATCHERS ist ein Film voller Gegensätze. Anhand einer fiktionalen Geschichte wird auf die Problematik der brasilianischen UreinwohnerInnen aufmerksam gemacht. Tradition und Zivilisation treffen in einer nicht zu vereinbarenden Weise aufeinander. Es ist ein Kampf um Recht, Anerkennung und Überleben.

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BOLEIROS

Brasilien 1998
Regie: Ugo Giorgetti
,

BRASILEIRINHO

Ein Dokumentarfilm über den Choro, die erste urbane original brasilianische Musik, die sich im Laufe der vergangenen 130 Jahre zu einer faszinierenden Form moderner tropischer Klänge entwickelt hat. Im späten 19. Jahrhundert begannen brasilianische Musiker in Rio de Janeiro, europäische Melodien mit afro-brasilianischen Rhythmen und der melancholischen Interpretation der Musik der brasilianischen Indios zu vermischen und schufen so den Choro. Dieser wurde, meist instrumental, in Bierhallen ebenso wie in Tanz- und Konzertsälen aufgeführt und gilt als erstes musikalisches Zeugnis der damals entstehenden urbanen Mittelklasse in Rio de Janeiro, dem Schmelztiegel Brasiliens.

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CINEMA, ASPIRINAS E URUBUS

In seinem Lieferwagen hat Johann einen Werbefilm für Aspirin, einen Projektor und Aspirintabletten, die er staunenden Menschen im Nordosten Brasiliens verkauft, die weder Kino noch Medikamente kennen. Johann ist auf der Flucht vor seiner Heimat, die die Welt in einen Krieg verwickelt hat. Auch der Anhalter Ranulpho flieht: vor der Dürre im Süden des Landes. Die beiden Männer werden Freunde – doch dann erklärt Brasilien Deutschland den Krieg … Ein episches Roadmovie begleitet von sparsamen Dialogen mit Bildern der Einsamkeit und Verlorenheit.

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CRONICAMENTE INVIAVEL

In kleinen bissigen Szenen zeigt Sérgio Bianchi, was im heutigen Brasilien untragbar ist, vom Nord-Süd-Gefälle über den gewöhnlichen Rassismus und die Polizeigewalt bis zur Verdrängung des Elends. Als Störfaktor der Festlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Brasiliens hinterläßt der Film einen nachhaltigen Eindruck. Sérgio Bianchi: „Ich wolle einen Film über die brasilianische Identität drehen. Ich wollte vermeiden, was bereits alle anderen machen, nämlich europäische oder amerikanische Produktionen kopieren, in der stets vergeblichen Hoffnung, einen raschen Erfolg zu verbuchen. Die Situationen im Film entsprechen Erfahrungen, die mein Co-Autor oder ich gemacht haben. In erster Linie lag mir jedoch daran, den totalen Mangel an Solidarität zu beschreiben, diesen eigentlichen Riß, der sich, wie ich täglich feststelle, durch die menschlichen Beziehungen zieht.“ (Viennale 2000) Sérgio Bianchi (1945 Ponta Grossa) arbeitete als Darsteller, Kameramann und Regieassistent, bevor er 1972 seinen ersten Kurzfilm drehte. Filmographie (Auswahl): MATO ELES? (1982 Dok), ROMANCE (1988), A CAUSA SECRETA (1994)

Brasilien 2000
Regie: Sérgio Bianchi
101 min, 35mm, Farbe, OmeU

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MESTICAS, O FILME

„Empregadas domesticas“ nennt man in Brasilien die fast leibeigenen, minimal bezahlten Hausangestellten, ein Putz-, Lächel- und Unterwerfungsberuf, der „natürlich“ nur von Frauen ausgeübt wird. Darüber eine Komödie zu drehen, zeugt von kritischem Mut, aber auch stabilisierender Versöhnlichkeit. Sie heißen Cida, Roxana, Raimunda, die sich lieber Rai nennt, aber noch schöner wäre Railda, tragen tausende Namen, zehntausende Verletzungen und Millionen Hoffnungen mit sich; flüchten in Horoskope, Prinzenträume, winzige Bosheiten als Zeichen des Widerstands, kämpfen nebenbei um ihr eigenes Glück, gegen Einsamkeiten und sagen so schöne einfache Sätze wie: „Die meisten meiner Freundinnen sind allein, dabei gibt es so viele Männer, aber die meisten sind Lügner, hilflos und selbstverliebt.“ DOMESTICAS ist kein beschaulicher, analytischer Film, sondern ein zwischen Zeitraffer, verknappenden Parallelmontagen, Farbe und Schwarzweiß rasendes, humorvoll euphemistisches Panorama anachronistischer Lebens-unwürdigkeiten.

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FEBRE DO RATO

FEBRE DO RATO ist eine beliebte brasilianische Bezeichnung, die besonders typisch für die Stadt Recife im Nordosten des Landes ist, für jemanden, der außer Kontrolle ist, ein wütender Mensch. Genau unter dieser Bezeichnung veröffentlicht der nonkonformistische und anarchistische Dichter Zizo seine eigene kleine Zeitung. Das Zusammentreffen mit der unschuldigen Eneida bringt allerdings einiges in Zizos Leben durcheinander. Von diesem Moment an wird Eneida zur Antenne, die den Dichter verwandelt und seine Sehnsüchte leitet. Cláudio Assis Geboren 1959 in Caruaru (Brasilien), war Cláudio Assis Schauspieler, bevor er sich 1986 der Regie zuwandte. Gemeinsam mit Marcelo Gomes gründete er 1993 die Produktionsfirma Parabólica Brazil, eine NGO , die Kurz- und Dokumentarfilme über die Kultur des brasilianischen Staates Pernambuco produzierte. FEBRE DO RATO ist sein dritter Spielfilm und schließt eine Trilogie, die er 2003 begann. Sein letzter Film BAI XIO DAS BESTAS lief im Internationalen Wettbewerb des IFFI 2008.

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FILME DE AMOR (Ein Liebesfilm)

Drei fast nackte Körper, die auf der Suche nach den Bildern vermischt wurden. Eine poetische Überlegung von Julio Bressane (Vertreter des „Cinema Nôvo“) über Sex und seine Visualisierung. (Le Monde)

Brasilien 2003
Regie: Julio Bressane
90 min, 35 mm, Farbe und s/w, bras. OF mit engl. UT
Official Selection 35ème Quinzaine des Réalisateurs, Cannes 2003

GARAPA

Garapa ist eine Mischung aus Zucker und Wasser – das Grundnahrungsmittel vieler Hunger leidender Menschen in Brasilien. Eltern, die ihren Kindern nichts anderes bieten können als Garapa, leiden doppelt unter ihrer Situation. Der Regisseur José Padilha begleitet dreißig Tage lang drei hungernde brasilianische Familien in ihrem Alltag – eine in einer Großstadt, die zweite in einem Dorf, und die dritte Familie, die fernab jeglicher kommunaler Einrichtung lebt.

Brasilien 2009
Regie: José Padilha
110 min, 35mm, schwarzweiß, OF mit engl. UT

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Habi, la Extranjera

Die junge Analía fährt nach Buenos Aires, um dort Kunsthandwerk auszuliefern. Eine Adressverwechselung führt sie zu einer muslimischen Gemeinde, wo sie an einem fremdartigen Ritual teilnimmt. Sie ist von der neuen fremden Welt gebannt und beschließt kurzerhand, in diese hineinzuschlüpfen. Sie mietet sich ein Zimmer in der Nähe. In einer Suchanzeige entdeckt sie den Namen „Habiba Rafat“ – so wird sie sich nennen. Sie wird die Sprache der Fremden und das muslimische Beten lernen, sie wird einen Job finden und neue Freundschaften schließen. Sie wird lernen, was es bedeutet, eine andere zu sein.

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HOUVE UMA VEZ DOIS VERÕES (TWO SUMMERS)

Chico, ein Jugendlicher, der seine Ferien am „längsten und schlimmsten Strand der Welt“ verbringt, lernt in einem Spielsalon Roza kennen und verliebt sich in sie. Sie schlafen miteinander in der ersten Nacht ihrer Begegnung, dann verschwindet sie spurlos. Mit seinem Freund Juca sucht Chico Roza am Strand, doch vergeblich. Erst nach den Ferien trifft er sie wieder. Als er ihr von ihrer gemeinsam verbrachten Nacht erzählen will, teilt Roza ihm mit, dass sie schwanger ist. Die schwungvoll erzählte Handlung, die sich durch ihre Frische auszeichnet, aber auch voller Kabalen steckt, berichtet von der ersten Liebe und sexuellen Erfahrung zweier Jugendlicher.

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Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: Lateinamerika-Programm

LA FóRMULA SECRETA/ THE SECRET FORMULA MEX 1966
 43 min 35mm Rúben Gámez Schwarz/weiß / Spanisch mit engl. UT

Ein kleines Porträt von Mexiko – 1966. Die Probleme und Träume der mexikanischen Bevölkerung.

OPERAçãO BRASIL/ OPERATION BRAZIL BRA 1985
 11 min, 35mm, Luiz Alberto Pereira Schwarz/weiß / Spanisch mit engl. UT Als im April 1985 der erste demokratisch gewählte Präsident Tancredo Neves kurz nach der Wahl schwer erkrankt, bangen Bevölkerung und Medien wochenlang um den ersten Repräsentanten ihrer nationalen Identität.

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KAHLSCHLAG – Fighting for Brazil’s last forests (Director´s Cut)

Die Urwaldlandschaft Brasiliens ist Schauplatz einer menschlichen Tragödie. Dieses einzigartige für uns alle lebenswichtige Ökosystem wird Tag für Tag durch Holzfäller, Soja-Bauern, Maisanbauer und Viehzüchter zerstört. Vor allem aber kapitalkräftige, ausländische Großkonzerne sind verantwortlich für den täglichen Raubbau am Regenwald und der dort lebenden Tiere und Menschen. KAHLSCHLAG zeigt, wie sich die Ureinwohner mit der Tatsache konfrontiert sehen, ihre Lebensgrundlage zu verlieren. An den Rand gedrängt und ihrer Kultur weitgehend beraubt versuchen sie ein letztes Stück Identität zu bewahren.

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