SATIN ROUGE

Tunis, die Hauptstadt. Lilia, die Hauptdarstellerin. Lilia, verwitwet, Hausfrau und Mutter, lebt nur mehr für ihre Tochter Salma, versorgend, beschützend, alle Lebenszeichen auf Rückzug und Gefahr sensitiv redu-ziert. Und eines Tages… Eines Tages entdeckt sie, daß ihre Tochter mit einem Musiker liiert ist, aber nicht mit irgendeinem, sondern einem, der nur nächtens spielt, in jenen „Cabarets“. Um ihre Tochter zu retten, schleicht sie sich in die fremde Nachwelt ein, wie eine plötzlich freigelassene Katze, Angst und gleichzeitig die nur vorzeitig vergessene Instinktsicherheit von jeher mobilisierend, läßt sie sich betören, schminken, lebendige Tänzerin sein… Plötzlich, als vor der Zeit altgewordene Mutter, entdeckt sie jenes junge Mädchen in sich, dem nie Zeit gegeben war, sich zu fühlen, geschweige denn, sich zu entfalten und tanzt sich weg von allem und mitten in ihr verschüttetes Lustzentrum hinein. Plötzlich entdeckt sie ihren sinnlos versteckten Körper wieder, läßt ihn schweben, vibrieren, nicht um die Geilheit des dumpfen männlichen Publikums zu erregen, sondern um sich selbst lustvoll begehrend zu erleben. Raja Amari, die 32-jährige Tunesierin, entwirft in ihrem Debütfilm nicht nur ein weitsichtiges Panorama weiblicher Sehnsüchte, sondern auch die Vision eines zukünftigen politischen Widerstand-Szenarios. Noch ist es nicht soweit. Raja Amari: „Die Scheinheiligkeit, mit der sich Lilia unterordnet und die Rolle der Mutter übernimmt, reiht sich ein in die Scheinheiligkeit der Gesellschaft.“

Tunesien/F 2002
Regie: Raja Amari
89 min, 35mm, 1:1.85, Farbe, arabische Om
U

2002, Archiv, Internationaler Wettbewerb

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