Marta Rodríguez als Ehrengast beim IFFI

Kolumbien Widerstand der indigenen Bevölkerung Marta Rodríguez als Ehrengast beim IFFI

Marta Rodríguez wird 1938 in Bogotá geboren. Nach dem Abschluss der Schule studiert sie in Barcelona Soziologie. 1957 geht sie nach Paris und sieht dort viele Filme und kommt mit Arbeitervereinigungen in Kontakt. 1958 kehrt sie nach Kolumbien zurück. Sie lernt den fortschrittlichen Priester Camilo Torres kennen, der in einem Vorort der Hauptstadt Arbeiter- und Bauern von kirchlicher Seite unterstützt. Marta beginnt Anthropologie zu studieren und reist wieder nach Paris, um sich dort an der Universität für Film und Ethnologie einzuschreiben. Sie lernt den bekannten Dokumentarfilmer Jean Rouch kennen und beginnt sich mit der Bewegung des ‚Cinema Verité’ auseinanderzusetzen. Ihr erster Film im universitären Rahmen ist eine Arbeit über den Flohmarkt in Paris.
1965 kehrt sie nach Kolumbien zurück und nimmt ihr Studium wieder auf, engagiert sich in der französischen Botschaft für Filme und lernt den Filmemacher Jorge Silva kennen. Sie beginnen gemeinsam das Projekt CHIRCALES in der Gemeinde Tunjuelito bei Bogotá vorzubereiten und können es in den Jahren 1967 bis 1972 fertig stellen. Marta kennt die Familie Castañeda bereits von dem Projekt mit Camilo Torres. Mit geliehenen Kameras und Aufnahmegräten nehmen Marta und Jorge am Leben der Familie teil und erarbeiten mit ihr gemeinsam das Projekt. Der Film wird 1968 beim Encuentro de Cine Latinoamericano in Merida in Venezuela erstaufgeführt. Die Dramatik, mit der die Familie ums Überleben kämpfen musste, beeindruckt nachhaltig.
1972 reisen Marta und Jorge in die westlichen Landesteile, nachdem sie in der Presse erfahren hatten, dass dort Massaker und Greueltaten an den Guahibos erfolgten. Damit beginnt das Projekt PLANAS, TESTIMONIO DE UN ETNOCIDIO im Jahre 1972, ein Film, der die Zustände anprangert und bei den Festivals von Cartagena und Leipzig ausgezeichnet wird.
1976 wird CAMPESINOS, 1980 LA VOZ DE LOS SOBREVIVIENTES, ein Film über den Tod von Eingeborenenführern und 1981 NUESTRA VOZ DE TIERRA, MEMORIA Y FUTURO, die Situation der Indígenas in Cauca beleuchtet, fertig gestellt. Der Kampf um das Land ist im Fokus der Menschen, die in den Anden vom Ackerbau und Viehwirtschaft in kleinem Umfang leben. Die Kultur der Anden steht im Vordergrund und die meisten Menschen dort hatten noch nie eine Kamera gesehen und wussten nicht, dass es Fotos gibt. Es waren zudem mehrere Haciendas besetzt worden und die Hacenderos starteten eine Gegenbewegung, um die Anführer der Besetzer umzubringen. So geht es immer zwischen den andinen Kleinbauern, Drogenhändlern, der Guerilla und den Killern hin und her und die Schwachen bleiben dabei auf der Strecke. NUESTRA VOZ DE TIERRA, MEMORIA Y FUTURO wird ebenfalls vielfach – so auch in Berlin – prämiert. Es entstehen weitere Filme vor dem Tod von Jorge Silva im Jahre 1987. Später arbeitet sie mit Fernando Restrepo. 2006 erscheint SORAYA, AMOR NO ES OLVIDO – über den Kampf in Kolumbien zwischen Guerilla, Paramilitärs und Armee.
Beim 28. IFFI werden die vom Arsenal in Berlin digitalisierten und restaurierten Fassungen der frühen Filme präsentiert.
Wir freuen uns, dass Marta Rodríguez bei uns zu Gast sein und ihre Filme persönlich kommentieren wird.
Ute Mader (Vizepräsidentin IFFI)

CAMPESINOS
In CAMPESINOS (1975) vertiefen Marta Rodríguez und Jorge Silva ihre Auseinandersetzungen mit den Lebensverhältnissen der Indígenas. Sie dokumentieren nicht nur ihre äußeren Umstände, sondern erforschen ihre Kultur, ihr Bewusstsein, ihr historisches Gedächtnis und machen so ihre politischen Organisationsformen und die Militanz ihres Kampfes verständlich.
Dieser Film war in zwei Teilen geplant, doch aus dem zweiten wurde eine Arbeit, in der sie die Grenzen des Dokumentarischen sprengten und Gestaltungsmittel des Spielfilms einbezogen: NUESTRA VOZ DE TIERRA, MEMORIA Y FUTURO (Unsere Stimme von Erde, Erinnerung und Zukunft). In den fiktiven Sequenzen wollten sie das Unterbewusstsein der Indígenas, ihr magisches Denken, ihre Beziehung zu Mythen und Legenden darstellen, eine mythische Wirklichkeit, die Teil ihres politischen Lebens und Handelns ist.
(Nach: Peter B. Schumann, Handbuch des Lateinamerikanischen Films 1982, Freunde der Deutschen Kinemathek).

In Kooperation mit Renner Institut

In Anwesenheit von Marta Rodríguez

CAMPESINOS
Mi 29.5. um 15.45 Uhr Leokino 1 dt. Voiceover-Fassung/16mm-Projektion

CHIRCALES
Do 30.5. um 16.00 Uhr Leokino 2 OmenglU

NUESTRA VOZ DE TIERRA, MEMORIA Y FUTURO
Fr 31.5. um 16.45 Uhr Leokino 2 OmenglU

Marta Rodríguez Filmografie

(Quelle Berlinale)
1971 Chircales (The Brickmakers / Ziegelarbeiter); 42 Min., Co-Regie: Jorge Silva  · Planas: testimonios de un etnocidio (Plans: Testimony About Ethnocide); 37 Min., Co-Regie: Jorge Silva 
1975 Campesinos (Peasants); 51 Min., Co-Regie: Jorge Silva 
1980 La voz de los sobrevivientes; 16 Min., Co-Regie: Jorge Silva 
1981 Nuestra voz de tierra, memoria y futuro (Our Voice of Land, Memory, and Future); 90 Min., Co-Regie: Jorge Silva, Forum 1982 
1987 Nacer de nuevo (To Be Born Again); 30 Min. 
1989 Amor, mujeres y flores(Love, Women and Flowers); 52 Min. Co-Regie: Jorge Silva 1993Memoria Viva; 30 Min., Co-Regie: lván Sanjines 
1998 Amapola: La flor maldita; 32 Min., Co-Regie: Lucas Silva  · Los Hijos del Trueno; 56 min., Co-Regie: Lucas Silva 
2001 La Hoja sagrada; 53 Min.  · Nunca más; 56 Min., Co-Regie: Fernando Restrepo 
2004 Una casa sola se vence; 48 Min., Co-Regie: Fernando Restrepo 
2006 Soraya, amor no es olvido; 52 Min., Co-Regie: Fernando Restrepo 
2010 Testigos de un etnocidio: memorias de Resistencia; 57 Min. 2012 No hay dolor ajeno; 23 Min. 
2015 La toma del Milenio; 52 Min. 
2018 La sinfónica de los Andes; Co-Regie: Lucas Silva

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