IFFI trauert um Fernando Birri

Regisseur-Poet-Maler-Professor-Philosoph

Der Italo-Argentinier Fernando Birri, der von Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez
„Vater des lateinamerikanischen Kinos“ bezeichnet wurde, ist im Alter von 92 Jahren in Rom gestorben.

Ohne Fernando Birri hätte das Internationale Filmfestival Innsbruck ein anderes Gesicht. Er hat es
nicht nur bereichert mit seinen Filmen, er war auch dessen geistiger Vater. Der politische Charakter des Festivals hat seinen
Ursprung im Denken und Schaffen des Gründers der Filmschule in San Antonio de los Baños nahe Havanna.
Seine Theorien über Film und die Welt wurden von Renate Wurm und Helmut Groschup gesammelt und 1992
im Buch „Fernando Birri-Kino der Befreiung“ veröffentlicht.

„Das ist Kunst und politische Position mit und hinter der Kamera.“ (Christian Berger über Fernando Birri)

Fernando Birri hat gemeinsam mit dem Kolumbianer García Márquez in Rom in den 50er Jahren Film studiert.
Die ein Leben währende Freundschaft zwischen den beiden gipfelte in Birris Verfilmung der Kurzgeschichte
„Un señor muy viejo con unas alas enormes“ von 1988. Dieser Spielfilm, gedreht in Kuba, – Fernando selbst
spielt die Hauptrolle, verursachte grobe Polemiken in Kuba während der Filmfestspiele von Havanna. In
Venedig wurde er für die beste Filmmusik ausgezeichnet.

Als Mensch war Birri sein Leben auf Wanderschaft, er war ein Nomade und lebte sein Leben lang im Exil.
Fidel Castro hat ihn aufgenommen und ihm eine Heimat geboten, in der Fernando am Stadtrand von Havanna
sein Studio hatte, wo er seine Bücher schrieb und malte. Aber er hat sich nicht eingerichtet, er ist weitergezogen und
hat auch seine politischen Überzeugungen über den Haufen geworfen. Er ist Humanist geblieben.

Bei der Berlinale in diesem Jahr wurde sein wohl umfangreichstes Werk „O.R.G.“ (1967-1978) in einer restaurierten
Fassung in digitalisierter Form wiederaufgeführt. Den 177 Minuten langen Film bezeichnete der Meister selbst als „Nicht-Film“,
dessen Geschichte auf einem indischen Mythos basiert. Birri ist durch die Lektüre von Thomas Manns Erzählung
„Die vertauschten Köpfe“ auf diese Sage gestoßen. Produziert wurde dieses Filmmonster von Mario Girotti, besser bekannt als Terence Hill,
der auch die Hauptrolle spielte.

Birri war ursprünglich Marionettenspieler, was man vielen Filmen ansieht. Mit seinem epochemachenden Dokumentarfilm
„Tire Die“ (1956-58), einer filmischen Sozialstudie über bettelnde Kinder in Santa Fé (Argentinien) ist Birri längst in die Filmgeschichtsbücher
eingegangen.

Sein letzter Film „Fausto Criollo“ wurde beim Filmfestival in Innsbruck 2016 präsentiert, eine lateinamerikanische Faustinterpretation, die sich
formal an „O.R.G“ orientiert. Das IFFI würdigte Fernando Birris Schaffen mit dem Ehrenpreis im Jahre 2010.

HG-IFFI 29.12.2017

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