MS VALENTINA

29/05/2019, 20:00 , Leokino 2

MS VALENTINA


Regie: Melanie Hollaus
Österreich 2019
80'

Ein Dokumentarfilm von Melanie Hollaus

1640 Donaukilometer von Linz/Österreich nach Russe/Bulgarien, quer durch den europäischen Kontinent. Ein Raum voller Gegensätze und Differenzen. Sieben verschiedene Länder – verbunden durch ein Frachtschiff.
Ein Film vom Alltag an Bord des Frachtschiffes MS VALENTINA. Eine rumänische Familie und ihr stählernes Eigenheim, Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Bad und eine Kabine für den Matrosen. Ein Leben am und mit dem Wasser und immer unterwegs auf der europäischen Straße. Im Frachtraum, 890 Tonnen Dünger. Alles wird bestimmt von der Arbeit für das Schiff. Vom ständig zu erneuernden Schiffsanstrich, dem Einlegen von Gemüse bis zum Backen von Brot. Aber auch Schiffskollisionen wie in Hainburg und gefährliche Wasseruntiefen in Ungarn gehören zum Alltag.
Der Rhythmus des Lebens an Bord ist definiert von den Launen des Kapitäns, dem immer gleichen Takt des Motors und der konstanten Geschwindigkeit des Schiffes, die Donau hinunter.
„Mein Ziel ging verloren. Russe kam mir nicht in den Sinn. Kein Gedanke an den nächsten Tag. Nur der nächsten Stunde galt mein Interesse. Und selbst das Geschehen der nächsten Stunde kam irgendwie von außen zu mir. Es kam vom Kapitän und seinem Fluss.“
Ein Film über einen Naturraum, der seit jeher von Menschen brachial überformt und zerstört wird. Riesige Stauseen generieren Strom, Atomkraftwerke kühlen ihre Brennstäbe, für die Schwerindustrie ist sie schlicht Transportweg und die Fischer holen sich den Stör. Jeder bedient sich an der Donau und doch lässt sich der Fluss seine Schönheit nicht zerstören. Für den Fluss gibt es keinen Stillstand, er nimmt alles mit sich und erneuert sich dabei ständig.
Ein Film, der die wirtschaftliche und politische Zerrissenheit Europas zeigt. Von den prosperierenden Industriestandorten der Länder im Westen zu den verlassenen Industriearealen des Balkans. Ruinen des Fortschritts.
„Ein Stürzen, oder doch ein gleichmäßiges Fallen nach Osten. Es wandelt sich alles, aber kaum oder eigentlich nie zum Besseren; denn der ‚Fortschritt’ ist die profane Gestalt des Absturzes.”  
Noch immer präsent sind Zerstörungen und Verletzungen der Jugoslawienkriege. Zerstörte Brücken, Einschusslöcher in den Wohnhäusern oder der durchlöcherte Wasserturm von Vukovar. Alles stumme Zeugen die die Kluft zwischen den Völkern repräsentieren. Die Donau – oftmals Grenze, eine Mauer aus Wasser und das in einem vermeintlich geeinten Europa.

MS VALENTINA
Mi 29.5. um 20.00 Uhr Leokino 2 OmU
In Anwesenheit der Regisseurin Melanie Hollaus

RISSE
So 2.6. um 17.00 Uhr Leokino 1 OmU
In Anwesenheit der Regisseurin Melanie Hollaus

präsentiert von Arbeiterkammer Tirol






Zurück zum Programm // Back to the Program