Beyond Boundaries

27/05/2017, 19:15 , Leokino 1

Beyond Boundaries


Regie: Peter Zach
Slowenien, Deutschland 2016
108' Originalfassung mit englischen Untertiteln

Beyond Boundaries ist ein europäisches Road Movie entlang der Grenzen des heutigen Sloweniens und der Grenzelinien zu Österreich, Ungarn, Kroatien und Italien. Der Grazer Filmemacher Peter Zach präsentiert ein Kaleidoskop von Geschichten auf beiden Seiten dieser Linien im heutigen Europa. Begleitet durch Gedichte des slowenischen Autors Aleš Šteger und der Stimme der slowenischen Sängerin Brina Vogelnik stellt der Film die Frage: Ist ein Staat ohne Grenzen möglich?

in Anwesenheit des Regisseurs

DIE GRENZE IN MIR von Aleš Šteger

Der Zyklus entstand als Text zu dem Film BEYOND BOUNDARIES – BREZMEJNO
von Peter Zach.

Redigiert von Peter Zach und Matthias Göritz

1.
Am Anfang,
den ich nicht kenne,
am Anfang,
von dem mir nur
erzählt wurde,
gab es einen einzigen
unendlichen Raum.
Die Grenze gab ihm seine Form.
2.
Ohne Grenzen wäre ich ein Engel, oder ein Ozean.
So aber bin ich ein Mensch.
Ein winziger Mensch in einem winzigen Land.
Mein Land ist kleiner als meine Hosentasche,
daher gibt es Grenzen überall.
Alles ist Grenze.
3.
Dies ist ein Text voller Postkarten.
ein Text voller Nachrichten
von verschiedenen Grenzen inmitten von Europa.
Ein Text, der erkundet,
was alles Grenze ist,
was alles Grenze sein kann.
4.
Er schrieb mir:
er habe sich zu den Grenzen aufgemacht
dorthin wo slowenisch die Sprache ist,
in der er mir schrieb,
die sich in anderen Sprachen verläuft.
Er schrieb mir
er mache sich auf zu den Grenzen
zwischen slowenisch, ungarisch, kroatisch, italienisch und deutsch.
5.
Er schrieb mir
er sei von der Neugier angetrieben
wie die Menschen leben, nachdenken und schweigen,
in all diesen Sprachen,
in allen Sprachen an der Grenze,
in all diesen Grenzsprachen.
Unter seiner unleserlichen Unterschrift
fand sich ein kleiner Zusatz:
Die Grenze ist in mir.
Ich muss um sie herum.
6.
Er schrieb mir
Grenzen und Vögel wandern hin und her.
Sie sind ständig unterwegs und ich mit ihnen.
Was gestern noch unwegbar war,
ist heute scheinbar offen.
Wo gestern noch Flüsse geflüstert haben,
steht heute bewachtes Gelände, Flüchtlingslager,
Stacheldraht, an dem der Himmel hängt.
Grenzen und Vögel ziehen umher,
schrieb er mir,
Aber unsere Fracht ist die Erinnerung.
7.
In meiner Sprache, schreibt er mir,
steht die Geschichte vom Salzschmuggler geschrieben.
Was heute nur
die Prise eines Tages wert ist
galt einst mehr als das Leben.
In meine Sprache, schreibt er mir,
habe ich soviel geschmuggelt,
aus Deiner, aus jeder der Nachbarsprachen,
daß ich Dir schreiben kann.
Erst das, was manche das Fremde nennen,
ermöglicht es mir zu schreiben.
Alles, was ich bin, ist ausgeliehen.
Auch meine Reise.
Auch meine Grenzen.
Wenn ich Dir schreibe,
gebe ich mich Dir zurück
im Fremden.
8.
Ohne Zuhause kann ich nicht ankommen.
Nirgendwo.
Deshalb bin ich aufgebrochen,
schreibt er,
um mir in der Fremde ein neues Zuhause zu bauen.
Ein Zuhause ohne Wände und Dach.





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