ESCAPE TO PARADISE

Nächtliches Türklopfen löst bei Sehmuz, Delal und ihren Kindern vor allem eines aus: Jagende Angstzustände, körperhafte Erinnerungen an die Razzia türkischer Soldaten, Schläge, Feuer, Schändung. Jetzt sind sie mit Kubanern, Afrikanern, weiteren Kurden in einem Schweizer Asylantenheim, warten auf ihre Vorladung, um dann auf den schicksalsentscheidenden Brief aus Bern weiterzuwarten. Das Ausschlaggebende sei nicht, was Sehmuz widerfahren sei, sondern, daß seine Geschichte glaubwürdig klinge, so die Warnung eines kurdischen Freundes. Narben auf dem Körper seien gut, aber zuwenig. Immerhin werden 90% der Anträge von Kurden abgelehnt. Unter dem Druck von ablaufender Zeit, Alpträumen, in denen sich Gestern und Heute bedrohlich zu vermengen beginnen, kauft sich Sehmuz eine teure, erfundene Geschichte… Regisseur Jacusso hat Drehbuch und Film mit Asylanten aus acht Kulturen erarbeitet. Hauptdarsteller Düzgün Ayhan, der seine Geschichte unter Erinnerungsschmerzen nachspielte, wurde in San Sebastian ausgezeichnet; auf der Heimreise hielt man ihn am Flughafen wegen „seiner Physiognomie“ mehrere Stunden fest… – Am Ende von ESCAPE TO PARADISE formuliert der kleine Sohn von Sehmuz das Dilemma jener, die ins „Paradies“ kommen dürfen: „Müssen wir jetzt für immer hier bleiben?“

Schweiz 2001
Regie: Nino Jacusso
90 min, 35mm (blow up), Farbe, türkisch-kurdisch-deutsche OmU

2002, Archiv

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