DIE VERLIEBTEN

Eine Karrierefrau jugoslawischer Abstammung und ein feingeistiger Musiker, dessen Vater im Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan stationiert war, treffen sich in Jugoslawien. Sie fremdelt, glaubt zur Heimatlosigkeit verdammt zu sein, ihm macht die väterliche NS-Vergangenheit zu schaffen. Für ihre Eltern spielen sie Verliebte, ein Paar – und machen sich auf die Reise durch Montenegro: eine berührende Liebesgeschichte. DIE VERLIEBTEN zeigt beschädigte Identitäten und brüchige Existenzen, vor allem aber eröffnet der Film einen Blick auf eine Sehnsuchtslandschaft, die Fanatismen und Geschäftemacherei wenig später in die Katastrophe rissen.

Jeanine Meerapfel wurde 1943 in Argentinien geboren. Von 1964 bis 1968 studierte sie an der Ulmer Hochschule für Gestaltung bei Alexander Kluge und Edgar Reitz. 1980 drehte sie ihren ersten Spielfilm, MALOU, der bei den Filmfestivals in San Sebastián und Chicago mit dem Hauptpreis und in Cannes mit dem Preis der Internationalen Filmkritik FIPRESCI ausgezeichnet wurde. 1981 folgte der Dokumentarfilm IM LAND MEINER ELTERN. Der Dokumentarfilm DIE KÜMMELTÜRKIN GEHT gewann 1985 bei der Berlinale den Interfilm-Preis der evangelischen Jury und den Preis der deutschen Filmkritik. In DIE VERLIEBTEN (1987) erzählt Jeanine Meerapfel eine Geschichte von Heimatsuche der jungen Gastarbeitergeneration.  Von 1986 bis 1989 arbeitete sie am Dokumentarfilm DESEMBARCOS – ES GIBT KEIN VERGESSEN, eine Auseinandersetzung mit der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien. Für ihr Meisterwerk LA AMIGA mit Liv Ullmann in der Hauptrolle erhält sie den Bundesfilmpreis 1989 und den Preis für die beste Darstellerin in San Sebastián, den Preis der OCIC Havanna 1988 und wird als argentinische Oscar-Kandidatin nominiert. AMIGOMÍO mit Mario Adorf kommt 1995 in die Kinos. 2001 folgte der Spielfilm ANNAS SOMMER, mit Angela Molina in der Hauptrolle, der den Spezialpreis beim argentinischen Festival in Mar del Plata gewann.  2007 entstand der Dokumentarfilm MOSCONI – ODER WEM GEHÖRT DIE WELT, in dem Jeanine Meerapfel den Überlebenskampf einer von Privatisierung gezeichneten nord-argentinischen Stadt nachvollzieht.

Deutschland/Jugoslawien 1987
Regie: Jeanine Meerapfel
95 min, 35mm, OmeU

2012, Archiv, Ehrenpreis, Hommage

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