2001

ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS

In Memoriam Daniel Díaz Torres
A cultural assignment leads the drama expert Alicia to Maravillas (Wonders), a village which turns out to match Lewis Carrol’s Wonderland in its absurdity. The inhabitants of the obscure township are acting alarmingly strange and Alicia experiences one bizarre situation after another, until she comes to suspect that the mental asylum Satan is responsible for the weird on-goings. Through this real-life satire Daniel Diaz-Forres – himself an advocate of the revolution – levels criticism at the aberrations and the maldevelopments of the Cuban revolution. read more

AME NOIRE

Eine farbenprächtige Folge von Gemälden, die direkt unter dem Auge der Kamera entstehen, verfolgt die Geschichte schwarzer Völker von Afrika über die karibischen Inseln bis Amerika. (Berlinale 2001)

Kanada 2000
Regie: Martine Chartrand

ARTICLE 15 BIS

In einer afrikanischen Stadt unter sengender Hitze. Ein Mann schifft gegen eine Mauer, auf der steht: „Urinieren verboten, 5000 CFA Strafe“. Ein paar Meter weiter halten drei frustierte Soldaten Wache vor dem Haus eines Generals. Wieviel wird der arme Mann zahlen müssen? (hg)

RD Kongo 2000
Regie: Balufu Bakupa-Kanyinda
15 min, 35mm, Farbe, frzOmenglU

AYOLLAR SALTANATI

Der Schriftsteller und Professor Olmi leidet an einer existentiellen und künstlerischen Krise. Seine schwangere Frau erwischt ihn bei seiner Geliebten und freundet sich mit der vermeintlichen Rivalin an. Olmis Verwirrung erhöht sich, als sein sterbender Freund ihn darum bittet, über seine schöne Frau zu wachen. Auf der Suche nach ihr begegnet er in einer surrealen Traumreise den Frauen seines Lebens. Die anfänglich humoristisch-realistische Erzählweise wechselt rasch in einen phantastischen Ton, Vorstellung und Erleben durchdringen einander. Immer wieder findet sich Olmi im Wachzustand an unwirklich scheinenden Orten und die karge Steppenlandschaft Usbekistans öffnet sich ihm in symbolischen Bildern: die Natur, Mutter Erde – Frauen überall… Seine imaginäre oder wirkliche Reise konfrontiert ihn mit einer seltsamen Frage: Eine Frau lieben oder alle? (nach: trigon film) Yusup Razykov (1957) studierte Philologie in Taschkent, arbeitete als Regisseur (TV) und Drehbuchautor. Wie viele andere zentralasiatische Regisseure war Razykov Schüler von Sergej Solojew. Filmographie (Auswahl): THE LADDER IN THE HOUSE WITH A LIFT (1983 Kurzfilm), I AM GUILTY (1993), ORATOR (1999) read more

BAJO TIERRA

Argentinien, kurz nach der Militärdiktatur: Manuel lebt als Taxiboot-Fahrer am Paraná; eines Tages steigt jener Mann in sein Boot, der Manuels Frau entführte und verschwinden hat lassen…

Argentinien 1985
Regie: Rodrigo Fürth
17 min, 16mm, Farbe, OmeU
Bester Kurzfilm UNCIPAR Villa Gessell Film Festival 1985, Preise in USSR, Bahia Brasil Film Festival 1986

CORONACION

Don Andrés, der letzte Sproß des wohlhabenden Avalos-Clans, fühlt sich mit seinen 58 Jahren unzufrieden. Zuviel Zeit hat er mit Lesen und Sinnieren über sein Leben verbracht. Er stellt die junge Estela an, die im halbverfallenen Ansitz der Familie in der Nähe von Santiago die 97jährige gebrechliche Großmutter von Andrés, Doña Elisa, pflegen soll. Andrés kann aber seine Begierde nach der 17jährigen nicht zügeln. Es folgt der psychische Kollaps von Andrés und der endgültige Abstieg der Familie. „Coronación“(1958) war der erste Roman von José Donoso (1925-1996) und machte den Chilenen zu einem der größten Schriftsteller Lateinamerikas. Ebenfalls verfilmt wurde sein Roman „El lugar sin límites“ (Ort ohne Grenzen) unter dem selben Titel von Arturo Ripstein (Mexiko). „CORONACIÓN ist ein atmosphärischer Film, das gilt vor allem für die psychische Verfassung der Figuren. Caiozzi fügt eine gloriose Vergangenheit aus den Erinnerungen der Personen zusammen und verbindet diese mit dem Seelenleben dieser Figuren in der Gegenwart, das sich in sehr engen Räumen abspielt“, so einer der bekanntesten chilenischen Filmkritiker, Mariano Silva. read more

CRONICAMENTE INVIAVEL

In kleinen bissigen Szenen zeigt Sérgio Bianchi, was im heutigen Brasilien untragbar ist, vom Nord-Süd-Gefälle über den gewöhnlichen Rassismus und die Polizeigewalt bis zur Verdrängung des Elends. Als Störfaktor der Festlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Brasiliens hinterläßt der Film einen nachhaltigen Eindruck. Sérgio Bianchi: „Ich wolle einen Film über die brasilianische Identität drehen. Ich wollte vermeiden, was bereits alle anderen machen, nämlich europäische oder amerikanische Produktionen kopieren, in der stets vergeblichen Hoffnung, einen raschen Erfolg zu verbuchen. Die Situationen im Film entsprechen Erfahrungen, die mein Co-Autor oder ich gemacht haben. In erster Linie lag mir jedoch daran, den totalen Mangel an Solidarität zu beschreiben, diesen eigentlichen Riß, der sich, wie ich täglich feststelle, durch die menschlichen Beziehungen zieht.“ (Viennale 2000) Sérgio Bianchi (1945 Ponta Grossa) arbeitete als Darsteller, Kameramann und Regieassistent, bevor er 1972 seinen ersten Kurzfilm drehte. Filmographie (Auswahl): MATO ELES? (1982 Dok), ROMANCE (1988), A CAUSA SECRETA (1994)

Brasilien 2000
Regie: Sérgio Bianchi
101 min, 35mm, Farbe, OmeU
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DESPUEGE A LAS 18

Dokumentarfilm über die wirtschaftlichen Probleme in Kuba in den 60er Jahren und wie die Kubaner mit der Situation des „no hay“ (gibt es nicht) umgegangen sind.

Kuba 1969
Regie: Santiago Alvarez
41 min, 35mm, s-w, OmeU

DôLè

Mougler und seine Freunde leben in Libreville, machen Hiphop-Musik und gehen lieber kleinen Gaunereien nach als dem Lernen für die Schule. Baby Lee träumt davon, ein bekannter Musiker zu werden, Akson stellt sich eine Karriere als Boxer vor und Joker möchte als Schleppkahnkapitän „le tour de l’Afrique“ machen. Nur Mougler hat keine konkreten Pläne. Seine Mutter ist krank. Sein Vater treibt sich als Säufer im Quartier herum und will nichts von seiner Familie wissen. Als Mougler Geld für Medikamente braucht, lockt die Kassa im Kiosk des neuen Lotteriespiels „Dôlè“, das die ganze Stadt zu Geld-Träumen bewegt. Das Drehbuch zu Dôlè ist in Zusammenarbeit mit jugendlichen Schülern aus Libreville entstanden. Einige von ihnen wurden als Darsteller ausgewählt und während mehrerer Wochen auf den Dreh vorbereitet. Andere haben einige Hiphop-Stücke für den Soundtrack geschrieben. Dieses Vorgehen hat sich gelohnt. Die hervorragenden Leistungen der jugendlichen Schauspieler verleihen dem Film eine große Authentizität und Aktualität – gerade auch weil sie weitgehend ihre eigenen Erfahrungen auf der Leinwand darstellen. (aus „Dôlè – afrikanische Realität mit universeller Gültigkeit“, Sabine Girsberger, trigon Magazin) „Ich wollte von der Jugend und der Adoleszenz in einem urbanen Umfeld reden. Der Film versucht, das Schicksal dieser Jugendlichen in ihrem Alltag zu erfassen. Wenn die Jungs, die in Schwierigkeiten stecken, für sie auch Lösungen finden, über die man sicher streiten kann, so entwickeln sie doch auch ihre großen Projekte.“(Imunga Ivanga) read more

DOLLY BACK

Ein Film über das Filmemachen. Die Spielfilmhandlung wird scheinbar unterbrochen und das Publikum glaubt plötzlich den Dreharbeiten beizuwohnen – ein making-off zum Film. Der Film ist aber kein making-off, sondern das making-off ist das eigentliche Thema des Films. Ein Spiel mit dem Thema Film im Film. DOLLY BACK erinnert in dieser Hinsicht an LA RICOTTA von Pier Paolo Pasolini.

Kuba 1986
Regie: Juan Carlos Tabío
12 min, 35mm, Farbe, OmeU

EL MEDINA

Ali ist kindisch, wenn er sich mit einer Zitrone in der Hose hinter die Frauen am Gemüsemarkt stellt, um sie erschrecken. Flüchtender Träumer, wenn er daran glaubt, als Schauspieler groß zu werden. Lässig entspannt, wenn er mit seinen Freunden im Morgengrauen in ausgedienten Autoreifen im Flußwasser treibt und Bier trinkt. Hilflos abwehrend, wenn ihm ein homosexueller Freund seine Liebe gesteht. Als er sich entschließt, nach Paris zu gehen, verlockt ihn mehr die Herausforderung, allein zu überleben, sich und dem Leben etwas abzuringen, als der Gedanke, daß es anderswo besser sei. Paris wird seine mißglückte Odyssee. Der ägyptische Film sei im Niedergang, sagt Yousry Nasrallah. Dennoch träumen 60.000 Ägypter davon, Schauspieler zu sein. „Wenn du verzweifelt bist, sagst du dir, daß das Publikum scheußliche Filme anschauen geht, daß die Welt völlig gleichgeschalten wird, daß wir nach unten angepaßt werden. Aber wenn man mit den Leuten spricht, entdeckt man, daß das nicht stimmt. Jeder lehnt sich gegen etwas auf.“ (Yousry Nasrallah über Film- und andere Helden) Nasrallahs Geschichte des Umherirrens in Städten und inneren Wüsten wurde vor allem inspiriert von dem Gedicht „Die Stadt“ des griechischen Dichters Konstantinos Kavafis. (vt) read more

ELPIDIO VALDÉS – DER REBELL MIT DER MACHETE

General Elpidio Valdés, Held des kubanischen Unabhängigkeitskrieges von Spanien, ist ursprünglich eine Comics-Figur. Juan Padrón verhalf ihr durch seine Verfilmungen zur Berühmtheit eines kubanischen „Asterix“. In dieser Episode steht Elpidios Geschichte von seinen ersten Schlacht bis zum erfahrenen Soldaten, Freundschaft und Liebe im Mittelpunkt.

Kuba 1979
Regie: Juan Padrón
70 min, 35mm, Farbe, DF

ENGLAND!

Wie die traurige Geschichte eines gestohlenen Lebens ohne künstliche dramatische /dramaturgische Feuerwerke in glänzenden Kinobildern erzählen? Geradlinig, sensibel, unspekulativ. Den Mut haben wenige, der 33-jährige deutsche Regisseur Achim Borries beweist ihn. Schon in den normal kontaminierten Gesellschaften unseres Planeten begrenzen sich die Möglichkeiten eines furchtlos radikal selbstbestimmten Lebens auf ein Minimum, aber Valerij kann noch für etwas anderes nichts dafür: Er träumt von einem Leben in Farbe, doch er kommt aus einem Ort, der übersetzt harmlos Schwarzweiß heißt, weltweit berühmt als Tschernobyl. Freundliche Ärzte teilen ihm mit, daß sein Leben eher ziemlich kurz ausfallen werde, so entwickelt er eine ganz persönliche Utopie, einen Reisetraum: England! Und macht sich auf den Weg. Doch zuerst muß Valerij nach Berlin, dorthin ist doch sein Jugendfreund Viktor geflüchtet…. Mit ihm will er weiter nach…. Voll Optimismus stolpert Valerij durch die fremde, feindselige Stadt, erlebt, was alle Reisenden erleben, falsche Freundlichkeiten, schlecht gespielte Toleranz, selbstgefälliges Mißtrauen, bis er endlich Viktor findet, zu früh gestorben. Aber da ist noch ein Fremder (Merab Ninidze), der sich als Freund erweist, weiter geht die Reise bis…. Bis sich langsam die optimistischen Schleier lichten und unbarmherzig das Damoklesschwert der Zeit fast keine Gnade kennen will, zeigt sich das Ende traumhaft real, voll trauriger Schönheit. Regisseur Borries hat die Filmidee nicht in einer Zeitung gefunden oder vor leeren Drehbuchblättern sitzend phantasiert: „Vor einigen Jahren habe ich Valerij in Berlin kennengelernt. ENGLAND!, das ist seine Geschichte, sie erzählt von der Angst an den eigenen Glücksvorstellungen zu scheitern, jeder Mensch kennt diese Angst, daß die in die Welt geträumten Versprechen letztlich nicht halten.“ (or) Achim Borries (1968 München), studierte Geschichte, Politologie und Philosophie an der FU Berlin, Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. ENGLAND! ist sein Debutfilm. read more

ESPERANDO AL MESIAS

Der Film erzählt die halbautobiographische Geschichte von Ariel, einem jüdischen Jungen in seinen frühen Zwanzigern, der zwar stolz auf seine Wurzeln ist, aber eine Identitätskrise durchmacht, als er eine faszinierende – bisexuelle und katholische – Filmemacherin kennenlernt. Und er erzählt die Geschichte von Santamaría, einem Bankangestellten, der mit seinem Job auch sein Eheglück und seine Selbstachtung verliert. Ariel verlässt seine Umgebung, um die Welt kennenzulernen. Santamaría wird von seiner Umwelt ausgeschlossen und zieht los, um sich selbst zu finden. ESPERANDO AL MESIAS schildert die persönlichen Beziehungen zwischen Menschen aus den winzigen Mikrokosmen, von denen moderne Großstädte wie Buenos Aires umgeben sind. read more

FATAL REACTION (NEW YORK, SINGAPUR, BOMBAY, MOSKAU)

Eine tragikomische Filmnachtreise in Anwesenheit der holländischen Regisseurin Marijke Jongbloed von Amsterdam nach NEW YORK, SINGAPUR, BOMBAY und MOSKAU. Alles begann mit einem Selbstversuch, einer Kontaktanzeige in einer holländischen Tageszeitung: Frau sucht Mann. Niederschmetternd die männlichen Reaktionen: Unsicher, hilflos von sexuellen und anderen Dienstleistungen träumend. Marijke reagiert höflich: „Danke. Nein. Ich möchte mehr sein, als Mutter, Callgirl oder Therapeutin.“ Und macht sich auf den Weg nach New York, wo Statistiken wahrsagen, daß die Chance, von einem Terroristen erschossen zu werden, gleich hoch sei, wie für eine gebildete Frau einen gleichwertigen Partner zu finden. So findet sie Laura Slutsky. 45 Jahre, erfolgreich, selbständig, schlagfertig, witzig, ohne Partner, ohne Kinder: „Ich fühle mich wie ein grausamer Witz Gottes, meine biologische Uhr tickt in den Eierstöcken immer schwächer, aber die Männer, die ich kennenlerne, sind alle gestört, verwundet.“ Trotzdem gibt sie nicht auf, moderiert Junggesellen-Versteigerungen in exklusiven Hotels, lächelt unter Tränen auf der Straße, weint haltlos bei ihrer Therapeutin, quält sich durch Buchhandlungen, vorbei an unzähligen Ratgebern mit Titeln wie „Ich bin so wunderbar, aber warum noch immer allein?“ oder „Die Männer sind vom Mars, die Frauen von der Venus“, um schließlich den ganzen Zirkus von Vorurteilen und kaum überbrückbaren Mißverständnissen in eine klare Sehnsucht zu übersetzen: „Ich will einen Mann wie eine beste Freundin, nur mit einem Penis!“ Andere Frauen besuchen teure Seminare, wo sie lernen, unterwürfig und gleichzeitig abweisend zu sein, immer fünf Männer in Reserve zu halten, Laura kann darüber nur lachen: „Fünf? Ich hab’ nicht einmal einen.“ Dabei sprüht Laura vor selbstironischer Lebensfreude, genießt den beruflichen Erfolg als Chefin ihrer eigenen Werbeagentur, eine starke Frau, von der Männer eigentlich träumen sollten. Trotzdem bleibt abends in ihrem großen Bett ein weiter, unerfüllter Sehnsuchtsraum, bewacht von zwei kleinen verspielten Hunden, die an Kinderwünsche erinnern. „Männer bevorzugen dumme Frauen. Je gebildeter, erfolgreicher und gut verdienend eine Frau ist, desto geringer ihre Chancen, einen gleichwertigen Partner zu finden“, meint die Journalistin Sheri Mackover. „Frauen suchen nach Partnern, die gleichwertig oder überlegen sind. Männer suchen Frauen, die gleichwertig oder unterlegen sind. Deshalb haben erfolgreiche Frauen weniger Auswahlmöglichkeiten.“ In Singapur steht laut Statistik fünf gebildeten Frauen gerade ein potentieller, gleichwertiger Partner gegenüber. In Bombay gibt es doppelt soviel unverheiratete Frauen wie Männer und auch in Moskau wird bei wachsender ökonomischer Unabhängigkeit die emotionale Lebensperspektive für selbstbewußte, selbständige Frauen von Tag zu Tag schwieriger. In Singapur hat die Statistik, die besagt, daß 40% aller Frauen mit Universitätsabschluß nie heiraten werden, sogar eine Regierungsinitiative provoziert: Eine staatlich finanzierte Partnervermittlungsagentur wurde gegründet, mit dem verlockenden Namen „The Love Ship“. Frauen und Männer sitzen sich fassungslos auf arrangierten Schiffsfahrten gegenüber, gesteuert von einem Zeremonienmeister. Das traditionell-konservative Denken der Männer werden diese hilflosen Versuche kaum ändern. So meint eine junge Frau: „Ich arbeite sieben Tage die Woche, in meinen Job bin ich für Hunderttausende Dollar verantwortlich. Meine Arbeitskollegen schätzen mich, weil ich stark und unabhängig bin, aber unterschwellig versuchen sie immer, mich zu brechen. Sie ertragen es nicht, daß ich ihnen aufgrund meiner Ausbildung und beruflichen Stellung ebenbürtig bin. Sie wollen unterlegene, gefügige Frauen, aber ich würde mich nie mit einem ignoranten oder ungebildeten Mann zufrieden geben.“ Regisseurin Marijke Jongbloeds Mut und Ausdauer ist es zu danken, daß ein Problem von Millionen Frauen enttabuisiert und öffentlich diskutierbar wird. Ihr persönliches Engagement verweigert den vier Filmen die übliche glatte Reportageform oder das denkbare Pamphlet, sie öffnet Fenster in die Abgründe unserer Oberflächenwelt. Herausfordernd, humorvoll und dennoch voll herzzerreißender, sehnsuchtsvoller Traurigkeit. (Otto Reiter) read more

GENET IN CHATILA

es wahrzunehmen.“ 1982 drang der Foltertod von palästinensischen Flüchtlingen im Lager Chatila bei Beirut durch Jean Genets Netzhaut und holte ihn ein: Nach 30 Jahren hat er noch einmal Literatur geschrieben. Sein Gesicht war wie verbrannt, schildert seine Begleiterin Leila Chahid Barrada, als er aus Chatila zurückkam. Er sperrte sich ein und schrieb, jedem Reflex, den die Niedergemetzelten auf seiner Netzhaut auslösten, jedem Gedanken folgte er in düstere Gänge. Auch solchen: „Das Recht ist auf ihrer Seite, weil ich sie liebe. Doch würde ich sie lieben, wenn das Unrecht sie nicht zu einem Wandervolk gemacht hätte?“ „Memory-composer“ hat man den Schweizer Filmemacher Richard Dindo genannt. In GENET IN CHATILA führt er Mounia ein, eine junge Französin aus algerischem Elternhaus, die Genets Reise zu ihrer Odyssee macht. Ihre uninszenierte Schönheit, ihre unaufdringlich hartnäckige Präsenz, ihre Jugend, die gegen das Vergessen setzt, schlagen eine Brücke zwischen der Solidaritätsbewegung und der „Wickie, Slime and Paiper“-Generation. (vt) • Erwähnung der FIPRESCI-Jury Locarno 1999 Richard Dindo (1944 Zürich) ist Chronist grenzgängerischer Figuren. Filmographie (Auswahl): ARTHUR RIMBAUD (1990), ERNESTO „CHE“ GUEVARA – DAS BOLIVIANISCHE TAGEBUCH (1994), GRÜNINGERS FALL (1997) read more

HACERSE EL SUECO

„Den Schweden spielen“ bedeutet in Lateinamerika „die Rolle des Dummen spielen, ohne es zu sein“ … In einer Wirklichkeit, die sich ändert und die alte Denkweise auf den Kopf stellt, sieht sich ein pensionierter Polizist mit unerwarteten Konflikten konfrontiert. Seine Autorität wird in Frage gestellt. Wird er ebenfalls den Schweden spielen müssen? Daniel Díaz Torres: „Wir wollten eine Art kubanisches Märchen erfinden, welches das nicht-touristische Havanna in realistischen Bildern zeigt. Die Figuren handeln auf komödiantische Art, manchmal ohne das Pathetische zu umgehen. Es ist ein Film über den Schein, über die Freundschaft und das Bedürfnis, in einen Dialog zu treten sowie über das Vertrauen. Diese stellen sich den Schemen und alten Dogmen entgegen, die in der komplexen kubanischen Wirklichkeit keinen Platz mehr haben.“ „Der Wert dieses Films liegt in seiner Art und Weise zu kritisieren. Er bringt uns zum Nachdenken, nicht nur über den Mangel. Díaz Torres geht weiter, bringt uns auch zum Nachdenken über die Bedingungen, die Natur des Menschen, der ethische Werte hat, diese Mängel bekämpft und für seine persönlichen Werte eintritt.“ (Emilio Barreto, Palabra Nuevo, Havanna) / (hg) • Publikumspreis Fribourg 2001 Daniel Díaz Torres (1948 Havanna) begann 1975 als Dokumentarist. 1991 erregte er mit seinem Spielfilm ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS (s. S 16) nationale Ärgernisse und internationales Aufsehen. HACERSE EL SUECO ist der dritte Film, den er gemeinsam mit Drehbuchautor Eduardo del Llano machte. Filmographie (Auswahl): JIBARO (1985), QUIEREME Y VERAS (1995), KLEINES TROPIKANA (1998) (Publikumspreis Innsbruck 1998) read more

HASEN NO MALICE

Schnelle Finger an einem elektronischen Schnittplatz bereiten für die angriffslustige News-Sendung „Neun vor zehn“ einer privaten Fernsehstation die Bilder auf, damit die Sache zugespitzt wird, wie das die neue Medienwelt schätzt. Und wie es die Einschaltquotenfetischisten wünschen. Yoko Endo ist eine hochtalentierte Cutterin, die ihr Metier im Schlaf beherrscht und es immer wieder geschafft hat, in allerletzter Sekunde einen Beitrag bereit zu stellen und ihm ein großes Entlarvungspotential zu geben. Auch jetzt überführt sie durch einen simplen Bildschnitt einen Mann und Familienvater nicht irgendeiner Unterstellung, nein: Er soll hinter einem Mord stecken. Ein Anflug von Lächeln in seinem Gesicht genügt. Satoshi Isaka hat sich bereits in seinem ersten Spielfilm FOCUS mit der Medienwelt auseinandergesetzt, und hier gestaltet er in Form eines Thrillers eine fundierte Medienkritik. „ The frame ist ein hervorragender japanischer Suspense-Thriller, der eine moderne Variation eines alten Themas bildet.“ (American Dreamer) / (trigon film) Satoshi Isaka (1960 Tokio) arbeitet nach seinem Literaturstudium als Regieassistent bei Segawa Masaharu und Higashi Youichi, 1992 erster Fernsehfilm. Filmographie (Kino): FOCUS (1997), ONNA KEIJI RIKO (1998)

Japan 1999
Regie: Hisashi Nozawa
98 min, 35mm
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LA DEGENESIS

Adam, Eva, Gott, der Teufel und Figuren aus der Religion der Ocumichu kreieren eine Welt, die von ihren Bewohnern zerstört wird. Alles explodiert, Sieger ist „der gute Satanas“.

Mexiko 1998
Regie: Dominique Jonard
10 min, 35mm, Farbe (Animation)

LA SAISON DES HOMMES

Ein Tag am Meer: eine kleine befreiende Ausflucht für die Protagonistinnen eines Films, der sich mit sozialen Räumen auseinander setzt, die im Kino immer noch ein Schattendasein fristen: Wie in ihrem viel beachteten Spielfilmdebüt DAS SCHWEIGEN DES PALASTES bindet die tunesische Regisseurin Moufida Tlatli auch in LA SAISON DES HOMMES die Erzählung an einen konkreten Ort, der zugleich die Erinnerungen und Sehnsüchte seiner Bewohnerinnen bewahrt und wieder freisetzt. Aicha kommt mit ihrem kleinen Sohn, den erwachsenen Töchtern und ihrer Schwägerin aus Tunis in den verlassenen Familiensitz auf der Insel Djerba zurück. Bald wird klar, dass es sich dabei nicht um die Rückkehr in ein früheres Idyll handelt. Das Haus, in dem die Frauen und der kleine autistische Bub nun Zuflucht finden, haben sie zuvor viele Jahre lang als Gefängnis empfunden: ein Wohnsitz von Frauen, die auf den einen Monat warten, in dem ihre Männer zum Heimaturlaub von ihren fernen Arbeitsstätten anreisen. Ein Ort, geprägt von patriarchalen Traditionen und streng verwaltet von Aichas Schwiegermutter, gegen deren systemerhaltendes Regiment die nächste Generation nur zaghaft aufbegehrt und von dem sich erst die darauf folgende langsam und unter Mühen befreien wird. Der Film beginnt mit der Rückkehr der Protagonistinnen an den zentralen Ort ihrer Vergangenheit. Von dort aus entwickelt Tlatli mit Hilfe von Rückblenden die Geschichte ihrer Heldinnen. So lässt die Regisseurin in langen, ruhigen Einstellungen verschiedene Zeitebenen sich kreuzen und verknüpft die Alltagserfahrungen und Wünsche der Mutter- und der Töchtergeneration. Der Umgang mit Sexualität ist dabei ein zentrales Element, wobei Sexualität als Teil der individuellen Freiheit und Kreativität wie auch als historisches Instrument der Unterdrückung erkannt wird. Außer in der filmischen Montage liegt die Stärke von Tlatlis Film denn auch im Verständnis für den Zwiespalt vom repressiven Charakter der Tradition und dem Aufgehobensein in ihr. (nach: Der Standard, berlinaleonline.de, www.taz.de, NZZ) „Die komplexe und nichtlineare Erzählstruktur ließe einen kopflastigen Film erwarten. Das Gegenteil ist der Fall: LA SAISON DES HOMMES ist ein geschmeidiger, flüssiger Film voll sinnlicher Überraschungen. Dazu gehört der gleitende Wechsel von äußerer Handlung zu Bildern, die das Innenleben der Protagonistinnen offenbaren.“ (Robert Richter, NZZ) read more

LAS AVENTURAS DE JUAN QUIN QUIN

Juan Quinquin, a poor but smart farmer, gets through life in pre-revolutionary Cuba in many different ways: as a church clerk and circus artist, bull fighter and coffee planter, who gets conned by the owners of the coffee plantation. He even plays Christ in a moving theater. When the revolution starts, he and his friend Jachero become followers of Fidel Castro and the two get closed in on by Batista soldiers.
 

Cuba 1967
Regie: Julio García Espinosa
113 min, 35mm, schwarzweiß, OF mit dt. UT
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LAS DOCE SILLAS

Eine alte Frau stirbt und versteckt ihre Juwelen im Sitz eines Stuhles, aber sie besitzt 12 Stühle desselben Stils. Als ihr Haus nationalisiert wird, werden die zwölf Stühle über die ganze Stadt verteilt. Die Helden versuchen, den Stuhl mit den Juwelen zu finden. LAS DOCE SILLAS vermittelt dei Stimmung in Kuba unmittelbar nach der Revolution. Hipólito Garrigó repräsentiert die Bourgeoisie der 50er Jahre, der Priester stellt die konservative Kirche dar, die nur im eigenen Interesse arbeitet und Oscar, der Sandler, wird nach und nach auf Grund seines sozialen Standes ein aufrechtes Mitglied der neuen Gesellschaft. (hg) read more

LE CHAUFFEUR DU DÉPUTÉ

Tidiane, der ein Jurastudium abgeschlossen hat, ist Vater zweier Kinder und arbeitslos. Seine Familie lebt am Rande des Elends. Endlich wird er als Fahrer eines Abgeordneten angestellt, was mit einschließt, daß er dessen Reden verfassen muß. Wie weit wird er akzeptieren, sich der Macht seines Arbeitgebers zu unterwerfen und sich ausbeuten zu lassen? (hg)

Burkina Faso/F 2000
Regie: Tasséré Ouédraogo
15 min, 35mm