1999

ENREDANDO SOMBRAS

Die zwölf Regisseure des Films haben ihre persönliche Sichtweise auf die Geschichte des lateinamerikanischen Kinos und dessen Marksteine zu kleinen Episoden verarbeitet. Themen sind die Stummfilmzeit und der Beginn des Tonfilms, die Darstellung des menschlichen Körpers im mexikanischen Film, Zeugnisse vom „cinema novo” Brasiliens durch die Stimme ihres berühmten Vertreters Glauber Rocha, der längst gestorben ist; das venezolanische Kino der siebziger Jahre, das klassische kubanische Kino der sechziger Jahre, die indigene Problematik, die Sorgen des argentinischen und columbianischen Kinos bis zum Dokumentarfilm der sechziger und siebziger Jahre, welcher jene Epoche geprägt hatte. Aus der Welt des Kinos nehmen Stellung Pilar Miró, Michael Chanan, Costa Gavras und Robert Redford. „Die Ausdrucksweisen des Films sind so vielfältig wie die Ausdrucksweisen des lateinamerikanischen Kinos.” (Julio García Espinosa) read more

AYNEH

Iran 1997
Regie: Jafar Panahi
,

BOLEIROS

Brasilien 1998
Regie: Ugo Giorgetti
,

FOOLS

Südafrika 1997
Regie: Ramadan Suleman

GABBEH

Der Iran erscheint nach wie vor als kulturelle Terra incognita. In politisch-religiöser Hinsicht liegen die Klischees des fundamentalistischen Gottesstaates natürlich bereit, und einige Nachrichten aus dem weitgehend abgeschotteten Land bestätigen dann meist diese eurozentrischen Vorurteile. Hin und wieder gerät jedoch ein Spielfilm ins Blickfeld, der so gar nicht den Klischees entspricht, der vielmehr durch seine elementare Kraft ein Stück Utopie liefert: das einer universellen Poesie. Traumlandschaft: eine Hütte inmitten von Olivenbäumen, ein klarer Bach schlängelt sich vorüber, staut sich leicht. Zwei sehr alte Menschen, Mann und Frau, machen sich daran, einen ihrer Teppiche zu waschen. Keinen gewöhnlichen Teppich, sondern einen „Gabbeh”, von Nomaden in kräftigen Farben geknüpft. Da erwacht das Motiv des Teppichs – eine attraktive Nomadin im blauen Gewand. Sie beginnt ihre Lebens- und vor allen Dingen Liebesgeschichte zu erzählen, denn ihr Vater hatte ihr verboten, den Mann zu heiraten, den sie geliebt hatte. Teppiche mit erzählenden Motiven, sogenannte „Gabbehs”, spielen eine zentrale Rolle im Leben der Stämme, in ihnen spiegeln sich profane Dinge des Alltags ebenso wie transzendente Erfahrungen. Gabbeh heißt auch das junge Mädchen, das in der Rahmenhandlung des Films seine eigene Geschichte einer unerfüllten Liebe erzählt. Ein Märchen, gewiß, aber wie arm wäre das Kino ohne märchenhafte Momente! Bisher war der Regisseur Makhmalbaf außerhalb seiner Heimat nur Cineasten und Festivalbesuchern ein Begriff. Fünfzehn Filme hat er seit 1982 gedreht; GABBEH ist der erste, der bei uns ins Kino kommt. Im Iran gilt er als Superstar, seine Werke sind beim (prinzipiell lichtspielsüchtigen) Volk weit populärer als jene von Abbas Kiarostami, der im Westen oft als Synonym fürs persische Kino herhalten muß. (nach: filmdienst; Die Zeit, 26.3.99; zoom 3/97; zoom 4/97; epd Film 5/98; Presseheft) Mohsen Makhmalbaf: „Was die ausländischen Zuschauer am iranischen Kino anzieht, ist die Einfachheit der Filme und ihre Nähe zur Natur. Das sind zwei Merkmale, die auch in GABBEH eine wesentliche Rolle spielen. Es gibt eine naturbezogene Poesie in dem Film, die den Zuschauer ruhig macht und ihn in eine Stimmung versetzt, so als würde sich die Natur um ihn herum entfalten.” read more

KOEZIMNING KARASY – BIOGRAFIE EINES JUNGEN AKKORDEONSPIELERS

In einer Rückschau lässt Eksen seine Erlebnisse zur Zeit der Nachkriegsjahre in einem kasachischen Dorf Revue passieren. Der große Krieg ist vorbei. Japanische Kriegsgefangene sind bei Eskens freundlichem Vater gern gesehene Gäste, weswegen er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wird. Der kleine Esken spielt Akkordeon, während sich die Männer im Dorf wegen der hübschen Bibliothekarin prügeln. Doch das Akkordeon kommt bald aus der Mode. In Mode ist vielmehr das Kino mit seinen Chaplin-Filmen. – Eine Liebeserklärung an das Kino als Stätte der Begegnung und Ort der Erinnerungen. BIOGRAFIE EINES JUNGEN AKKORDEONSPIELERS erhielt beim 8. Internationalen Film Festival Innsbruck 1999 mit folgender Begründung den „Filmpreis des Landes Tirol”: „Die Jury empfindet den Film als eine poetische Botschaft aus einem zwar fernen und uns nahezu unbekannten Land, dessen Menschen uns aber dennoch vertraut werden, weil ihre Probleme, ihre Sehnsüchte und ihre Hoffnungen uns auf eine überzeugende Weise nahegebracht werden. Es handelt sich um Menschen, die versucht haben menschlich zu bleiben in einer zeit, in der Menschlichkeit ein hohes Wagnis war. Der Regisseur liefert keine runde, in sich geschlossene Geschichte, sondern Splitter der Erinnerung, wie sie sich in den Menschen eingebrannt haben. Dies tut er mit großer Sensibilität und einem behutsamen Bildrythmus, hinter dem die Kraft einer großen oralen Erzähltradition liegt.” read more

LA NUBE – DIE WOLKE

In Buenos Aires regnet es ohne Unterlaß. Über der Stadt hängt die im Titel angesprochene Wolke, die alles in ein fahles Zwielicht taucht. Viele haben den Widerstand aufgegeben und laufen rückwärts durch die Straßen. Doch die Schauspieler des einst revolutionären „Spiegel-Theaters” kämpfen weiter gegen Zuschauerschwund, Geldmangel und Bürokratie. Das Theater in der alten Werfthalle am Stadtrand war einmal eine revolutionäre Kulturinstitution, sein charismatischer Leiter Max (Eduardo Pavlovsky), ein mephistophelischer Komödiant, der große Vor- und Querdenker seiner wilden Generation. Aber jetzt sind auch in Buenos Aires die Funktionäre am Wort. Lange Zeit war es still um Fernando E. Solanas, der hierzulande mit seinem satirischen Film EL VIAJE und dem poetischeren SUR bekannt wurde. LA NUBE besticht durch die Verbindung von metaphorischen Bildern und harter Realität. In düsteren Bildern, mit dominanten Grau- und Schwarztönen beschreibt der argentinische Regisseur den Zustand einer Gesellschaft, die sich im Rückwärtsgang befindet. (nach: Zoom 11/98; NZZ; trigon-film Magazin) Fernando E. Solanas: „LA NUBE ist ein Film über den Rückschritt und eine ziemlich poetische Metapher für die Art, wie sich unsere Gesellschaft bewegt. (…) Dieser Film handelt von Grautönen, und grau sind alle jene, die warten: Studenten, Rentner, Lehrer, Bauern, Forscher und Künstler. Sie repräsentieren den Großteil der Landsleute, jene, die betrogen wurden, denen Rechte genommen und Dinge entwendet wurden. Jene, die zu Opfern gezwungen werden, Geduld üben müssen, Schlange stehen und immer noch warten. Warten und hoffen, daß dieses Land wieder in Schwung kommt und sie für all ihre Entbehrungen entschädigt.” „LA NUBE ist ein Film, um den man nicht herumkommt, will man gewisse Aspekte der Realität im heutigen Argentinien begreifen.” (El cronista) – „Jede Epoche hat ihre Schlüsselfilme. LA NUBE ist der Schlüsselfilm dieser Zeit. (…) Eine Inszenierung, wie sie feiner nicht sein könnte. (…) Das Theater als Spiegel des Landes. Das Schmerzliche des Films wird durch Solanas\’ Humor gedämpft, jenem tiefgründigen und kathartischen Humor, mit dem uns Solanas viel von der argentinischen Realität vermittelt.” (La nación) Osella d´Oro für die beste Musik, Venedig 1998; Preis der Jugendjury Venedig 1998; Unesco-Spezialpreis für das beste Gesamtwerk. read more

LA VIDA ES SILBAR

„LA VIDA ES SILBAR verweigert sich jeder eindimensionalen Deutung konsequent und thematisiert – trotz seinen surrealistischen Höhenflügen, die an die besten Momente in den Filmen der Argentinier Eliseo Subiela und Fernando Solanas erinnern – ein uraltes Thema: die Suche nach dem Glück im Leben. Gleichzeitig ist der Film ein Aufruf zu Toleranz und Respekt vor dem Anderssein des Mitmenschen. Damit erweist Fernando Pérez seinem einstigen Mentor und Lehrmeister, dem 1996 verstorbenen Tomás Gutiérrez Alea, eine würdige Hommage.” (Neue Zürcher Zeitung) „Mein Traum war es einen Film zu machen, als hätte Magritte seine Bilder im heutigen Havanna gemalt.” read more

LAGRIMAS NEGRAS

LAGRIMAS NEGRAS ist teils ein Road Movie über La Vieja Trova Santiaguera, die durch Europa touren und dort auf ihre enthusiastischen Fans treffen, und teils ein Home Movie über das Leben in Kuba, wo die fünf Philosophen aus der Arbeiterklasse über das Leben, die Liebe und „Carlos“ Marx sprechen. Sie verkörpern eine lebendige Tradition, sie sind ein wettergegerbtes Denkmal der kubanischen Populärkultur, ebenso wie die zerschrammten 1950er-Chervrolets, die durch die „son“-durchtränkten Straßen von Santigao de Cuba fahren. Die Musik ist aus den „schwarzen Tränen“ destilliert, der Musik der Schwarzen und Mulatten, der Abkömmlinge der früheren Sklaven und Kolonisten. Dolz gelingt es, das Lebensgefühl der Generation der fünf „soneros“ und das Ineinander von Leben und Musik poetisch zu verdichten sowie wichtige Seiten von Kubas sozialistischer Geschichte aufzuzeigen. „Dieser Film macht glücklich. 75 Minuten lang Menschen zu sehen, die in großer Würde gealtert sind, die den Tod auf die leichte Schulter nehmen und ihren Lebensabend genießen, ist einfach eine Freude.“ (Holger True) read more

LE FRANC

Senegal 1994
Regie: Djibril Diop Mambéty
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LUCÍA

Lucía is an anthology film, three separate stories related by the common theme of women in revolution. It tells the stories of three Lucías, one in 1895, when the Cubans fought for independence from the Spaniards; in 1933, when Cuban popular resistance against the dictator Geraldo Machado resulted in failure; in the aftermath of the victory of the revolution led by Fidel Castro. They are women from three different classes: The first is upper class, the second is from the middle class, the third is working class. The first part is particularly striking in that the framing and the musical composition coincide in a way that they remind you of the Brazilian Glauber Rocha’s details in the presentation of cruelness. read more