Spielfilmwettbewerb

Die Gewinner 2019 im Überblick: IFFI Ehrenpreis: Marta Rodríguez (Kolumbien) Internationaler Spielfilmwettbewerb um den Filmpreis des Landes Tirol: FLESH OUT, Michela Occhipinti (Italien) Internationaler Dokumentarfilmwettbewerb um den Filmpreis der Stadt Innsbruck: LAILA AT THE BRIDGE, Elizabeth&Gulistan Mirzaei (Afghanistan) Wiener Städtische Publikumspreis: POP AYE, Kirsten Tan (Thailand) Südwind-Jugendfilmpreis: SUPA MODO, Likarion Wainaina (Kenia) Kurzfilmpreis der Universität Innsbruck: FATHERLAND, George Sikharulidze (Georgien) Die Gewinner im Detail Der Filmpreis des Landes Tirol für den besten Internationalen Spielfilm wurde von der Jury bestehend aus Luca Irakli Chikovani, Rainer Egger und Katarina Csanyiova vergeben. Der Preis geht an “FLESH OUT” von Michela Occhipinti. Jury Begründung Die hohe Sensibilität, mit der uns die Regisseurin in eine für die meisten unbekannte Welt eintauchen lässt, überzeugte die Jurymitglieder ebenso wie die exzellente Kameraführung von Daria D´Antonio. Außerdem möchten wir die hervorragende Leistung der mauretanischen Darstellerinnen und ihre bemerkenswerte Präsenz auf der Leinwand hervorheben. Der Dokumentarfilmpreis der Stadt Innsbruck wurde von der Dokumentarfilm-Jury Elena Fischli Hinshaw, Tsiako Abesadze und Dr. Peter Mair vergeben. Der Preis geht an LAILA AT THE BRIDGE von Elizabeth&Gulistan Mirzaei. Jurybegründung Der Hauptpreis geht an Laila at the Bridge von Elizabeth&Gulistan Mirzaei – ein erschütterndes Dokument gegen die Verzweiflung und für die Würde und Schönheit jeder Einzelnen selbst inmitten größtem Elend und korruptem Zynismus. Der mutige Film über eine mutige Frau verliert nie die subtile Balance zwischen Nähe und respektvollen Wahrung der Integrität der Protagonisten. Der Wiener Städtische Publikumspreis, ermittelt durch ein Voting des Festivalpublikums, geht an POP AYE von Kirsten Tan. Der Architekt Thana trifft in den Straßen von Bangkok auf den Elefanten Pop […]

ALF CHAHR (Mille Mois/Tausend Monate)

Die Hauptfigur des im Jahr 1981 spielenden Films ist der junge Mehdi, der in einem Bergdorf im marokkanischen Atlasgebirge lebt und auf die Rückkehr seines Vaters wartet. Dieser arbeitet laut seiner Mutter und seinem Großvater in Frankreich, sitzt in Wirklichkeit aber im Gefängnis. Das innere Gleichgewicht des Jungen ist in jedem Augenblick gefährdet … Marokko/F/B 2003 Regie: Bensaïdi Faouzi 124 min, 35 mm, Farbe, Farbe; arab. OF mit dt. und franz. UT

ALTYN KYRGHOL – Bruder Seidenstrasse

Ausgelassen tollen kirgisische Kinder durch die Steppe, jeder von einem kargen Ast abgeleckte Tautropfen schmeckt wie, nein, … ist Abenteuer. Ganz nah und doch endlos weit lockt sie ihr Wissen an einen uralten Handelsweg zwischen Ost und West, die Große Seidenstraße, heute irgendeine Bahnstrecke in Kirgisien, und doch Pulsader, Traumschienenmanifest, Hoffnungsfluchtrettung, aber auch deprimierender Abschied, nostalgisches Niemandsland. Von all dem und noch viel mehr erzählt Marat Sarulu in narrativ-poetischen Ellipsen. Blitzend bruchstückhaft oszillieren Geschlechts- und Generationskonflikte, klagen Frauen Männer an: „Du hast mein Leben ruiniert, was willst du noch..?“, träumen verachtete Zeichnungsartisten Erlösungsmärchen, wissend um den Großvater, der die Bahn konstruierte und mit ihr zwangsweise zur einsamen Hinrichtung nach Sibirien verschickt wurde… Nonchalant, nebenbei läßt Marat Sarulu Mythen, zeitgenössische Traurigkeiten Revue passieren und tragische Lebensschicksale in verbotenen Räumen offen sichtbar werden: Kein Bruder irgendwo, die Seidenstraße nichts als ein alter nostalgischer Traum … Kirgisien/Kasachstan 2001 Regie: Marat Sarulu 80 min, 35mm, 1:1.37, sw, kirgisisch-russische OmenglU Panorama Berlinale 2002

ANI TATUWEN PIYABANNA (Flying with one wing)

Manju is a boyish car mechanic who plays the macho role indicative of his profession with ease. He returns home after work to the friendly, family-oriented neighborhood where he lives with his young wife, Kusum. Seemingly happily married, Manju maintains a deep secret by concealing from his wife his original female biology. Sri Lanka 2002 Regie: Asoka Handagama 81 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT In Kooperation mit HOSI

ARAÏS AL-TEÏN (Poupées d´Argile)

Im Dorf vertrauen die Familien ihre Mädchen Omrane, einem ehemaligen Hausangestellten, an. Sie werden nach Tunis gebracht, um dort als „Mädchen für alles“ zu arbeiten. Die kleine Feddha, die soeben in die Stadt gekommen ist, kann sich nicht an ihr neues Leben gewöhnen. Die Flucht eines anderen Mädchens aus dem Dorf, Rebeh, gibt ihr Gelegenheit auszubrechen. Sie macht sich davon, zusammen mit Omrane, der in Rebeh verliebt ist, und sucht in der ganzen Stadt nach jener, die fortlief, um frei zu sein. Mit seltener formaler Meisterschaft deutet der Film mehr an, als er aussagt, schafft Stimmungen und nicht Situationen, stellt Fragen, statt fertige Lösungen zu liefern. In eindringlicher Weise drücken gestische Metaphern – die eine angemessene Distanz zwischen Andeutung und Übertragung halten – die Gemütszustände der Personen aus; direkte Rede kommt selten vor. So formt und zerstört die kleine Feddha ihre Puppen aus Ton und lebt in einer imaginären Welt, dank der sie sich ein Stückchen der ihr allzu früh geraubten Kindheit zu bewahren vermag. Statt Moral zu predigen oder Lehren zu erteilen, will der Regisseur den Zuschauer dazu bringen, sich die Dinge selbst zu erklären; er zieht es vor, auf der Ebene der Emotion zu bleiben, um so in die Tiefe und Einsamkeit der Personen vorstoßen zu können, ohne deuten zu müssen. Tunesien/F/MA 2002 Regie: Nouri Bouzid 90 min, 35mm, Farbe, Dolby Digital, OF mit engl. UT Publikumspreis, Nantes 2002; Festival Fribourg 2003

ARCHEO

Eine Frau fällt vom Himmel und schläft ein. Ein Mann fällt ebenfalls vom Himmel und schaut sich erstaunt um. Das erste Bild des Jungen sagt uns, dass er schon einmal hier war, und jetzt schaut er friedlich auf einen Käfer, den er umbringt. ARCHEO ist eine Geschichte über drei Menschen in den Armen der Natur, des Wassers, der Erde, des Waldes und des Himmels. ARCHEO ist ein Film über ehrliche Beziehungen, der Form und der Fotografie, ohne Kommentare, Worte, soziale, psychologische und historische Kontexte. Jan Cvitkovič Geboren 1966. Archäologe, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Präsident von Kino Otok Isola Cinema. Er gewann zahlreiche Preise im In- und Ausland, unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig den „Lion of the Future“ für seinen Erstlingsfilm BREAD AND MILK und den Altadis „New Directors“- Award für GRAVEHOPPING in San Sebastian 2005. Er schreibt auch Kurzgeschichten und Gedichte. Slowenien 2011 Regie: Jan Cvitkovič 80 min, 35mm, ohne Dialog

AS TENTAÇÕES DO IRMÃO SEBASTIÃO (Die Versuchungen des Bruders Sebastian)

Im Jahr 2030 wird die Erde von Krieg und Umweltverschmutzung heimgesucht. Bruder Sebastian, Novize einer Kongregation, die auf einer Mischung aus christlichen Vorstellungen der Märtyrerzeit und messianischen Überzeugungen Nordostbrasiliens gründet, bereitet seine Priesterweihe vor. Von Zweifeln geplagt, voller Scham wegen einer in seiner Jugend erlittenen Vergewaltigung und seiner sündhaften Gefühle für einen androgynen Mitbruder, vertraut er sich dem Gründer des Ordens an, Pater Sanctus, in dem er seinen Retter sieht. Brasilien 2005 Regie: José Araújo 150 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT Festival: Weltpremiere Fribourg 06; In Anwesenheit von José Araújo; In Kooperation mit Kino Otok-Isola Cinema und dem Österr. Lateinamerika-Institut/Sektion Tirol

BAYIRI – LA PATRIE

BAYIRI  zeigt das Schicksal von Menschen, die Burkina Faso einst verlassen mussten und versuchten, in Côte d’Ivoire neu Fuß zu fassen. Als in Côte d’Ivoire 2002 ein Bürgerkrieg ausbricht, müssen die Burkinabe wieder fliehen. Sie werden nach Burkina Faso in das Flüchtlingslager Operation Bayiri gebracht, wo gerade die Frauen Hunger, Gewalt und Willkür durch Polizei und Rebellen erleben müssen. Auch Biba, eine starke junge Frau, landet in Bayiri, wo sie versucht, trotz ihrer Schwangerschaft nach der Vergewaltigung durch einen Rebellenchef für sich und ihre Freundinnen zu sorgen. Zodo, ein Schlepper, hilft dabei, so gut er kann.   S. Pierre Yaméogo wurde 1955 in Koudougou in Burkina Faso geboren. 1978 zog er nach Paris, um dort Fotografie und Kommunikationswissenschaften zu studieren. Heute arbeitet er als Produzent, Regisseur und Dokumentarfilmer. IFFI 2000: Filmpreis des Landes Tirol für SI LMAN DE. Weiters Teilnahme am Internationalen Wettbewerb des IFFI mit MOI ET MON BLANC (2006) und DELWENDE (2007).   Burkina Faso/Demokratische Republik Kongo/F 2011 Regie: S. Pierre Yaméogo 90 min, 35mm, OmeU

CAJA NEGRA (BLACK BOX)

Dorotea, ein hübsches siebzehnjähriges Mädchen, lebt mit ihrer hundertjährigen Großmutter zusammen, die pflegebedürftig ist. Jeden Morgen hilft ihr Dorotea bei der Toilette und richtet ihr Haar, bevor sie in eine Wäscherei arbeiten geht. Eduardo, ihr Vater, wurde soeben aus dem Gefängnis entlassen – ein schwacher Mann, der bei der Heilsarmee unterkommt. Drei Generationen, drei sich kreuzende Lebenswege, bestimmt vom verzweifelten Wunsch, zusammenzusein. In Caja Negra, einem ungewöhnlichen und sensiblen Erstlingswerk, zeigt Luis Ortega drei hilflose, zerbrechliche Personen. Man erfährt nicht, was vor Filmbeginn geschehen ist. Einzig die Gegenwart und die elementaren menschlichen Gefühle zählen: „Caja Negra erzählt von der Schwierigkeit, mit anderen Individuen zu leben, von der Angst, allein zu sein, von dem verzweifelten Bedürfnis, das wir alle empfinden, eines Tages die Distanz zu überwinden, die uns von der Welt und den anderen trennt. Der Film erzählt vom Tod, den wir erhofft haben, ohne ihn zu kennen, und davon, wie Liebe weitergegeben werden kann. Ich wollte die ständigen Ausbrüche von Schönheit zeigen, die dieses Leben auslösen kann, wenn die schwarzen Kästen geöffnet und die einsamen Seelen zusammengeführt werden.“ Luis Ortega Argentinien 2002 Regie: Luis Ortega 83 min, 35mm, Farbe, Dolby Digital, OF mit engl. UT Internationales Film Festival Mannheim-Heidelberg 2002; Havanna Film Festival 2002; Spezialpreis der Jury, Festival Fribourg 2003

CINEMA, ASPIRINAS E URUBUS

In seinem Lieferwagen hat Johann einen Werbefilm für Aspirin, einen Projektor und Aspirintabletten, die er staunenden Menschen im Nordosten Brasiliens verkauft, die weder Kino noch Medikamente kennen. Johann ist auf der Flucht vor seiner Heimat, die die Welt in einen Krieg verwickelt hat. Auch der Anhalter Ranulpho flieht: vor der Dürre im Süden des Landes. Die beiden Männer werden Freunde – doch dann erklärt Brasilien Deutschland den Krieg … Ein episches Roadmovie begleitet von sparsamen Dialogen mit Bildern der Einsamkeit und Verlorenheit. Brasilien 2005 Regie: Marcelo Gomes 99 min, Festivals: Cannes 05, Hamburg 05, San Sebastian 05, Rotterdam 06; In Anwesenheit des Regisseurs und des Hauptdarstellers; In Kooperation mit dem Österreichischen Lateinamerika-Institut/Sektion Tirol

CUM MI-AM PETRECUT SFARSITUL LUMII (Comment j’ai fêté la fin du monde/Wie ich das Ende der Welt erlebt habe)

Eva lebt 1989, als der Eiserne Vorhang in Stücke zerfällt, mit ihren Eltern und dem siebenjährigen Bruder Lalaliu in einem Quartier von Bukarest. Sie ist Gymnasiastin und eine attraktive junge Frau. Als sie mit ihrem Freund Alex eine Ceausescu-Büste zerstört, wird sie in eine Umerziehungsanstalt geschickt und lernt den Dissidentensohn Andrej kennen. Gemeinsam planen sie die Flucht, während Brüderchen Lalaliu einen Anschlag auf den Staatschef im Sinn hat. Erfrischend, melancholisch und heiter. Rumänien 2006 Regie: Catalin Mitulescu 106 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT Produktion: Strada Film, Les Films Pelléas, Martin Scorsese, Wim Wenders

Der rote Punkt

Die in Tokio lebende Studentin Aki Onodera hat in sehr jungen Jahren ihre Eltern bei einem Unfall in Deutschland verloren. 18 Jahre nach diesem Ereignis folgt sie den Spuren ihrer Eltern zum damaligen Unfallort und lernt die dort ansässige Familie Weber kennen. Elias Weber fühlt sich spontan von der geheimnisvollen Reisenden angezogen, während sein Vater, Johannes Weber, vor ihr zurückschreckt, da er mit Entsetzen die verborgene schicksalhafte Verbindung zwischen Aki und seiner Familie erkennt. Deutschland 2008 Regie: Marie Miyayama 82 min, 35mm, Farbe, OF mit dt./engl. UT Förderpreis Deutscher Film Hof 2008

DÍAS DE SANTIAGO

Der junge Santiago Roman kehrt nach drei Jahren Militärdienst nach Lima zurück und möchte ein normales Leben beginnen, doch die Regierung hält für ihre Soldaten keine Unterstützung bereit. Peru 2004 Regie: Josué Méndez 83 min, 35 mm, Farbe und s/w, span. OF mit engl. UT

DIE BRÜCKE AM IBAR / MY BEAUTIFUL COUNTRY

Die verwitwete Serbin Danica muss ihre beiden Söhne im Kosovokrieg der 1990er großziehen, in einer serbisch-albanischen Siedlung am Fluss. Eines Tages flüchtet sich der verletzte UÇK-Soldat Ramiz in ihr Haus, den sie zwischen den anhaltenden Luftangriffen gesund pflegt. Der Krieg, das Versteckspiel und die familiäre Situation bringt die beiden einander näher. Doch soll sie wegen ihrer Gefühle für den Mann das Leben ihrer Familie aufs Spiel setzen und ihn nicht an das Militär ausliefern? Letztlich trifft ihre Nachbarin die Entscheidung… Deutschland/Kroatien/Serbien 2012 Regie: Michaela Kezele 88 min, DCP, Farbe, OmeU

DILHIROJ (MEN’S DANCE)

Ihre Großmutter sagt Sanam voraus, dass der kleine Toshtemir einmal ihr Mann werde. Zunächst reagiert Sanam erschrocken, Jahre später aber ist sie es, die Toshtemir bei seiner Beschneidung „Beistand“ leistet. Nun gibt es für die Dorfbewohner keinen Zweifel mehr, dass die zwei füreinander bestimmt sind. Doch als Sanam und Toshtemir ins heiratsfähige Alter kommen, kann Toshtemir sich nicht zu einem offiziellen Antrag durchringen. Er glaubt, dass ein Mann seine künftige Frau „erobern“ müsse. Empört über Toshtemirs Zögern verkündet Sanam, sie werde den Sieger des bevorstehenden großen Ringer-Turniers heiraten. Da sieht Toshtemir seine Chance gekommen. Und er besiegt im entscheidenden Kampf einen weitaus stärkeren Mann. Jetzt steht der Heirat nichts mehr im Weg. Dafür tauchen andere Probleme auf: So fragen sich Mütter und Tanten, wie voreheliche Besuche Toshtemirs bei Sanam zu verhindern seien. Die Großmutter kann da nur den Kopf schütteln – wer sei schon bis zur Hochzeitsnacht keusch geblieben? Als aber Toshtemir kurz vor der Hochzeit unerwartet zum Militärdienst eingezogen wird, ist das Entsetzen groß. Und dann stellt Sanam fest, dass sie schwanger ist. Wie soll sie das der Verwandtschaft erklären? Usbekistan 2002 Regie: Yusup Razykov 77 min, 35mm, Farbe, OF mit engl. UT Filmmusik Biennale Bonn 2002, Afrika Film Festival Mailand 2003

El Amigo Alemán

„Er ist nicht Deutscher, er ist Argentinier“, meint die junge Sulamit Löwenstein über ihren Freund Friedrich. Beide wachsen im Argentinien der 1950er auf, sie als Tochter jüdischer Eltern, er als Sohn eines Nazis. Als sie sich ausgerechnet in Deutschland als Austauschstudenten wiedertreffen, kämpft Friedrich politisch gegen den Makel seiner Herkunft. Den beiden stellt sich die Frage „was wird aus uns?“, während in Argentinien die Militärdiktatur wütet. Jeanine Meerapfel erzählt in dieser autobiografisch gefärbten Geschichte von zwei Liebenden in einer Zeit, in der auch das Private politisch ist. DE 2012 Regie: Jeanine Meerapfel 100 min, 35mm, Farbe, OmeU

EL MEKTOUB – TAXIPHONE

Wegen einer Autopanne ist ein junges Schweizer Liebespaar gezwungen seine Wüstendurchquerung zu unterbrechen. Sozialer Treffpunkt ist ein kleines Büro mit dem einzigen Münzfernsprecher der Umgebung. Durch die unerwartete Situation lernen die beiden die Menschen und deren Kultur auf ganz unterschiedliche Weise kennen. Während er bemüht ist, den Schaden an ihrem Wagen so schnell wie möglich zu reparieren um die Reise fortsetzen zu können, findet sie schnell Gefallen an der geheimnisvollen Fremde. Algerien/CH 2009 Regie: Mohammed Soudani 90 min, 35mm, Farbe, OF mit dt. UT

ENCOUNTER

Sinan und Mahmut lernen sich während der Therapiestunden in einer Klinik kennen. Der Architekt Sinan macht sich für den Unfalltod seines Sohns verantwortlich. Türkei 2003 Regie: Ömer Kavur 123 min, 35 mm, Farbe, türk. OF mit engl. UT

ESSAHA – LA PLACE

ESSAHA ist eine algerische Musikkomödie, in der eine Gruppe Jugendlicher „the Square“, den Ort, an dem sie leben, gegen einen Konzern verteidigen, der dort ein Einkaufszentrum errichten will. Keiner von ihnen hat einen Job oder die Aussicht darauf, Gewalt, Drogen und illegale Migration sind überall, und die Bedrohung durch die Übernahme des Lebensraums durch die Konzerne übermächtig. Ein Musical, besonders ein lustiges, darüber zu schreiben scheint erst einmal unangebracht. Doch die ironischen Songs in verschiedenen Musikrichtungen wie Hip-Hop, RnB und traditioneller Musik schaffen eine Atmosphäre von Hoffnung, die alle Probleme zumindest etwas lösbarer erscheinen lassen. Dahmane Ouzid wurde 1950 in Algerien geboren. Er studierte Film am Gerassimow-Institut für Kinematographie in Moskau. Nach der Gründung einer eigenen Produktionsfirma und der Arbeit an einigen TV -Serien für den algerischen Sender ENTV schrieb er 2007 gemeinsam mit Salim Aissa das Musical „La Place“, das 2010 fürs Kino verfilmt wurde und gleichzeitig als Serie in 18 Folgen startete. ESSAHA hatte seine Erstaufführung beim panafrikanischen Filmfestival in Ouagadougou 2011. Algerien 2010 Regie: Dahmane Ouzid 115 min, 35mm, OmeU

FARISHTAY KIFTI ROST (ANGEL ON THE RIGHT)

Ein alter Glaube besagt, dass jeder Mensch von 2 unsichtbaren Engeln begleitet wird. Der Engel zur Rechten zeichnet die guten Taten auf, der Engel zur Linken die bösen Taten. Am Lebens-ende wird entschieden, ob er in den Himmel oder in die Hölle kommt. Halimas Sohn Khamro wollte vor 10 Jahren sein Glück in Russland versuchen. Halima fürchtet, dass nach ihrem Tod ihr Sarg nicht durch die enge Eingangstür passt und über die Gartenmauer gehoben werden müsste. Um diese Schmach nicht erleben zu müssen, ersinnt Halima eine List: Sie gibt vor, im Sterben zu liegen, damit ihr Sohn zurückkehrt und die versprochene breite, reich verzierte Eingangstür einbaut. Khamro kommt zwar, muss die Reise aber mit von Schwindlern geborgtem Geld finanzieren. Er hofft, mit dem Erlös aus dem Verkauf seines Hauses seine Schulden begleichen zu können, aber alles sieht plötzlich anders aus, als seine Mutter nicht stirbt und er seinen Sohn trifft, von dem er nichts ahnte. Mit diesem Film blieb Usmonov seinen Wurzeln treu. Der Film wurde in seinem Heimatdorf Asht gedreht, wo Realität und Fiktion sich vermischen. Seine Mutter und sein Bruder spielen Halima und Khamro und weitere Familienmitglieder – durchwegs Laienschauspieler – spielen auch in dem Film mit. Frankreich/I/CH/TJ 2002 Regie: Djamshed Usmonov 88 min, 35mm, 1:1,66, Farbe, Dolby, OF mit engl. UT Cannes (Un certain regard, 2002); Rotterdam 2003; FIPRESCI-Preis, London Film Festival 2002

FEBRE DO RATO

FEBRE DO RATO ist eine beliebte brasilianische Bezeichnung, die besonders typisch für die Stadt Recife im Nordosten des Landes ist, für jemanden, der außer Kontrolle ist, ein wütender Mensch. Genau unter dieser Bezeichnung veröffentlicht der nonkonformistische und anarchistische Dichter Zizo seine eigene kleine Zeitung. Das Zusammentreffen mit der unschuldigen Eneida bringt allerdings einiges in Zizos Leben durcheinander. Von diesem Moment an wird Eneida zur Antenne, die den Dichter verwandelt und seine Sehnsüchte leitet. Cláudio Assis Geboren 1959 in Caruaru (Brasilien), war Cláudio Assis Schauspieler, bevor er sich 1986 der Regie zuwandte. Gemeinsam mit Marcelo Gomes gründete er 1993 die Produktionsfirma Parabólica Brazil, eine NGO , die Kurz- und Dokumentarfilme über die Kultur des brasilianischen Staates Pernambuco produzierte. FEBRE DO RATO ist sein dritter Spielfilm und schließt eine Trilogie, die er 2003 begann. Sein letzter Film BAI XIO DAS BESTAS lief im Internationalen Wettbewerb des IFFI 2008. Brasilien 2011 Regie: Cláudio Assis 110 min, 35mm, OmeU

Fellini

Am wüstenartigen Ufer des Aralsees läßt sich ein höchst unkonventionelles Filmteam nieder, fröhlich gelaunt, verloren zwischen riesigen Schiffswracken, die an bessere Zeiten vor der ökonomischen und ökologischen Katastrophe erinnern. In einem Nachbardorf lebt ein kinobesessener Filmvorführer, spöttisch-freundlich von allen nur „Fellini“ ge-nannt, der soll ihnen als Handwerker helfen, doch träumt er sich selbst als Regisseur, lebt Kino mit jeder Faser seines Körpers. FELLINI-Regisseur Nazim Abbasov erobert inmitten einer vielfach depressiven Umgebung mit dieser usbekischen Hommage an den italie-nischen Meister ein auch vom bosnischen „Jugostalgiker“ Emir Kusturica als entfernten Verwandten bewohntes, phantasiesprühendes, leider nur im Kino existentes Allerweltsland, voll skuriller TraumtänzerIn-nen, schöner Lügen, farbenprächtiger Des-Illusionen, freudig gelebten Beschädigungen, Schadenfreuden, Freuden… Usbekistan 2000 Regie: Nazim Abbasov 93 min, 35mm, Farbe, usbekisch-russische OmenglU Nazim Abbasov (1962) studierte an der VGIK in Moskau, seit 1984 Mitarbeit an zahlreichen Filmen der staatlichen Filmproduktion „Uzbekkino“

Good Morning Karachi

Rafina wohnt mit Mutter und Bruder in einem Armenviertel der 13-Millionen-Stadt Karatschi, arbeitet im Schönheitssalon und soll bald heiraten. Leider entpuppt sich der Kandidat als konservativer Chauvi, der nicht will, dass Rafina eigenes Geld verdient. Und als man sie als Model entdeckt, ist sogar die eigene Familie dagegen. Kann Rafina bis zur Hochzeit in zwei Monaten noch etwas ändern? DE/GB/PK 2011 Regie: Sabiha Sumar 77 min, Farbe, DCP, OmdU

GRAIN IN EAR (Mang Zhong)

Die junge Koreanerin Cui lebt in der chinesischen Provinz in ärmlichen Verhältnissen und als illegaler Flüchtling ständig von Entdeckung und Auslieferung bedroht. Die auferzwungene Situation hat ihrem Leben einen eigenen, minimalistischen Rhythmus verliehen, eine Art Unauffälligkeit und ein Sich-zum-Verschwinden-Bringen. Mit ihrem Dreirad verkauft sie auf der Straße Selbstgekochtes und findet langsam ein wenig Eingang in die örtliche Gemeinschaft. Man lädt sie zum Kochen ein, und schließlich verliebt sich einer ihrer Kunden in die junge Frau. China/Südkorea 2005 Regie: Zhang Lu 109 min, 35 mm, Farbe, OF mit engl. UT Festivals: Cannes 05, Viennale 05, Pusan 05, Rotterdam 06; In Kooperation mit AK Tirol