2000

BELO ODELO

Lazar Ristovski
(Jugoslawien/Großbritanien 1999)

ATRAVES DA JANELA

Tata Amaral: geb. 1960 in São Paulo; war als Produktionsassistentin bei Film- und Videoproduktionen tätig; produzierte Filme und inszenierte zahlreiche Kurzfilme. Filmografie (Auswahl): UM CEU DE ESTRELAS (1997), ATRAVES DA JANELA (2000), ANTÔNIA (2006)

Brasilien 1999
Regie: Tata Amaral
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BEAUTIFUL PEOPLE

London, 13. Oktober 1993: Ein sturzbetrunkener Fußball-Fan landet nicht, wie geplant, beim Länderspiel in Rotterdam, sondern mitten im Kriegsgeschehen in Bosnien. In London streiten ein Serbe und ein Kroate, einst Nachbarn und gute Freunde, so heftig, dass sie sich im Krankenhaus wieder finden. Nur wenige Zimmer von den beiden Streithähnen entfernt bringt eine Bosnierin ihr unerwünschtes Kind zur Welt – und tauft es auf den Namen „Chaos”. Ein Ex-Basketballer läuft einer angehenden Ärztin vors Auto und findet so die Frau fürs Leben … Eine bunt schillernde Komödie über Liebe und Hass, über Chaos und Bestimmung, Sinn und Eigensinn, Engel und Bestien, eine zärtliche Groteske über die Menschlichkeit – all das vereint Jasmin Dizdar, englischer Regisseur mit bosnischer Abstammung, in seinem ersten abendfüllenden, in Cannes preisgekrönten Spielfilm BEAUTIFUL PEOPLE. (nach: filmladen.at; Votiv-Kino) Jasmin Dizdar: „Natürlich war der Bürgerkrieg eine Tragödie, aber gleichzeitig musste ich darüber lachen: all diese großen Armeen, die sich benahmen wie in einem Film von Fellini.” „Das (doppelte) Erwachen des Fußball-Fans im Kriegsgebiet sorgt für die komischsten Momente im Film, während der Krieg selbst hyperrealistisch inszeniert ist wie ein Drogentrip. Es ist diese Mischung aus britischem Realismus, Kusturica-Überdrehtheit und tschechischem Schelmen-Charme, die BEAUTIFUL PEOPLE so sehenswert macht.” (epd Film) „Ein turbulentes Liebeslied … an … das Chaos und die Menschlichkeit.” (New York Times) read more

BESHKEMPIR

Der Junge Azate lebt im ländlichen Kirgisistan, wo die Zeit – zumindest für westeuropäische Verhältnisse – stehen geblieben zu sein scheint. Gemeinsam mit anderen Jungen entdeckt er die Welt. Als sein bester Freund ihn eines Tages mit jenem Mädchen schäkern sieht, auf das auch er ein Auge geworfen hat, kommt es zu einer Keilerei. Azate sei ein Waisenkind, bekommt er vom gekränkten Freund zu hören, ein Adoptivsohn, ein „Beshkempir“, wie man in der Region sagt: Sohn von fünf Großmüttern. Der Name „Beshkempir“ deutet auf ein Ritual hin, das am Beginn steht: Fünf Frauen nehmen auf einem aus bunten Stoffstücken zusammengeflickten Teppich Platz; sie beten und weihen das gefundene Kind der Erde. Nach kirgisischem Brauch stellt jedes Stoffstück des Teppichs die Erinnerung an einen verstorbenen Verwandten dar. In schlichter Natürlichkeit, schnörkellos, bedächtig und mit wundervoll komponierten Schwarzweißbildern erzählt Abdikalikow vom Erwachsenwerden. Nur punktuell kehrt der Film zur Farbe zurück, immer dann, wenn ein Erinnerungsmoment besonders stark wird: Das kann ein so kleines Detail wie ein Stoffstück im Lehmwasser sein. (nach: trigon-film magazin 9; Film 4/2000) „Das Außerordentlichste an BESHKEMPIR ist für den westlichen Zuschauer jedoch, dass man den Eindruck hat, endlich einmal wieder bloß schauen zu dürfen. Abdikalikow komponiert so sinnlich und sinnstiftend wie die Frauen, die den Teppich betreten und dem Kind einen Namen geben. Und das ist ein Genuss.“ (epd Film 12/99) read more

DEL OLVIDO AL NO ME ACUERDO

Juan Carlos Rulfo war zu Gast beim IFFI 2000 mit DEL OLVIDO AL NO ME RECUERDO und mit EL ABUELO CHENO 1996. Beide Filme drehen sich um Motive aus dem literarischen Schaffen des Vaters von Juan Carlos Rulfo, Juan Rulfo („Pedro Paramo“).

Mexiko 1998
Regie: Juan Carlos Rulfo

EKSPRES EKSPRES

Ein junger Mann, der nicht weiß, wohin seine Reise ihn führen soll, trifft in einem Zugabteil eine junge Frau mit einer Kommode und einer Wäscheleine. Er löst beim Schaffner immer nur ein Ticket für die nächste Station, sie wäscht ihre Socken im Zug. Die beiden scheinen in ihrer Exzentrik füreinander bestimmt zu sein, doch dann steigt sie aus. Todunglücklich verlässt auch er irgendwann den Zug – um sie am Bahnhof wieder zu treffen. Gemeinsam setzen sie ihre Reise ins Unbekannte fort. read more

EL ENTUSIASMO

Fernando, Guillermo und Isabel treffen sich 1980 und werden Freunde. Alle drei sind Anhänger des utopischen Konzepts von einer unabhängigen Republik und lehnen den wilden Kapitalismus, den die Militärjunta mit Gewalt eingeführt hat, ab. Zehn Jahre später treffen sie sich wieder in einer Stadt an der peruanischen Grenze, wo Fernando ein Reisebüro eröffnet hat. Die Zeit der Militärdiktatur ist vorbei, Fernando hat einen Sohn mit Isabel und Guillermo ist verbittert und desillusioniert, weil er seinen Kampf um Freiheit verraten sieht. Jetzt verkauft er Reportagen an europäische Fernsehanstalten, früher war er engagierter Dokumentarist. Fernandos Unternehmen beginnt zu blühen, in dem er voll Enthusiasmus dubiose Geschäfte mit Spekulanten treibt. Zwischen Fernando und Guillermo steht Isabel. Ricardo Larraín, der bedeutendste chilenische Filmemacher der Zeit nach Pinochet, choreographiert diese Dreiecksgeschichte in der faszinierende Wüstenlandschaft des Nordens seiner Heimat, gibt ihr eine symphonische Note und Chiles Nationaldichter Pablo Neruda dient als Leitmotiv. Der kleine Miguel ist den Entwicklungen ausgeliefert, stellt aber Fragen an seine Eltern und an die Vergangenheit. Pinochet ist noch immer präsent, doch für Geld und Touristen ist Fernando sogar bereit, seine Familie zu opfern. Die Träume, für die man unter der Diktatur gelitten hat, werden im aufblühenden Kapitalismus verscherbelt. „Larraín beschreibt den schwierigen Umgang mit der neu gewonnenen Freiheit, und er schafft dies in einer visuell und musikalisch ebenso gewagten wie spannungsvollen Art.” (Frankfurter Rundschau) read more

KARVAAN

Indien 1999
Regie: Pankaj Butalia
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Midwinter Night’s Dream – San Zimske Noci

Serbien im Winter 2004. Lazar kehrt nach zehn Jahren im Gefängnis nach Hause zurück. Dort findet er in der Wohnung, die er früher bewohnt hatte, eine Frau namens Jasna, die alleinerziehende Mutter des 12-jährigen autistischen Mädchens Jovana. Sie sind bosnische Flüchtlinge, die die Wohnung besetzen, weil sie nirgendwo anders hingehen können. Lazar empfindet Mitgefühl für Jasna und erlaubt ihr mit ihrer Tochter zu bleiben. Nach und nach baut sich zwischen den sozialen Schiffbrüchigen eine Seelenverwandtschaft auf und sie komme einander immer näher.

SRB 2004
Regie: Goran Paskaljević
95 min, Farbe, 35mm, OmeUT
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MILAGRO EN ROMA

Zwölf Jahre nach ihrem plötzlichen Tod exhumiert Margarito die sterblichen Überreste seiner kleinen Tochter Evelia. Doch ihr Körper ist unversehrt. Ein Wunder? Nach dem Ratschlag des örtlichen Bischofs, die Kleine wieder zu begraben, macht sich Margarito auf nach Rom. Der Heilige Vater soll über die Heiligsprechung entscheiden… Aus der Serie „Amores Dificiles“, Drehbuch: Gabriel García Márquez.

Kolumbien 1988
Regie: Lisandro Duque Naranjo
90 min, 35mm, Farbe, OF mit dt. UT
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MUNDO GRÚA

Der argentinische Regisseur Pablo Trapero entdeckt in seinem Erstling die unspektakuläre Ästhetik von Kränen. MUNDO GRÚA stellt die harten sozialen Verhältnisse Argentiniens in der Art des italienischen Neorealismo dar. Der alternde Ex-Rockmusiker Rulo schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten auf Baustellen durch. Mit Hilfe seines Freundes Torres bereitet er sich auf die Prüfungen als Kranführer vor. Als es mit dem Traumjob nicht klappt, ist Rulo gezwungen, eine Stelle in Südargentinien anzunehmen. read more

NAHJA NO MURA

In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986: Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl. Damals gehörte das Gebiet der heutigen Ukraine noch zur Sowjetunion. Der Landstrich Gomel bei Tschernobyl gehört heute zu Weißrussland. Kurz nach dem Unglück verteilte ein starker Wind Radioaktivität über das ganze Gebiet und verwandelte die Erde in verseuchtes und totes Land. Fast alle der dort lebenden dreihundert Familien wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Nur sechs von ihnen blieben zurück. Da sie sich weigerten, in einen anderen Teil des Landes zu ziehen, wurden sie „Samosyol” (Egoisten) genannt. Die achtjährige Nadia im Dorf Dudichi (Landkreis Tschetschersk in Gomel) gehört zu einer dieser sechs Samosyol-Familien. Im Frühling breiten sich grüne Felder vor ihnen aus und im Sommer ernten sie Getreide. Elf Jahre sind vergangen und noch immer ist das radioaktiv stark belastete Land offizielles Sperrgebiet. Die Menschen, die trotzdem geblieben sind, leben ihr eigenes, isoliertes Leben in der weiten Ebene. „Die Schönheit von Belarus ist überwältigend. Man kann die Dorfbewohner verstehen, die fragen: ’Wie könnt ihr von uns verlangen, unsere Heimat zu verlassen, weil sie verstrahlt wurde? Warum lasst ihr uns nicht in Ruhe?’ Die provokative Kamera macht klar, wie lebenssprühend diese Dörfer einst gewesen sein müssen.” (Sato Tadao in: Asahi Shinbun) read more