1998

BUUD YAM

Ein junger Westafrikaner tritt eine Reise in die Welt des Erwachsenwerdens an: Als seine Adoptivschwester schwer erkrankt, versucht Wend Kuuni, einen berühmten Heiler zu finden, von dessen „Löwentrank“ er sich Rettung für Pughneere erhofft. Dramatische, aber auch komische Abenteuer führen ihn weit über die Grenzen seines Landes hinaus.

Burkina Faso 1997
Regie: Gaston Kaboré
97 min, 35 mm, Farbe, OF mit dt. UT

FLAME

1995: Der Bürgerkrieg gegen das rhodesische Regime von Ian Smith liegt 15 Jahre zurück – Florence und Nyasha treffen sich. Seit dem Ende des Krieges haben sich die beiden Freundinnen nicht mehr gesehen. Nyasha arbeitet in Harare, Florence ist nach dem Krieg in jenes Dorf zurückgekehrt, das die beiden als Fünfzehnjährige verlassen haben, um am Kampf für die Unabhängigkeit des Landes teilzunehmen. Die beiden Frauen erinnern sich, wie sie sich der Befreiungsarmee angeschlossen haben. Anlass war die Verschleppung des Vaters von Florence. Florence nennt sich im Krieg Flame und wird eine mutige Kämpferin, Nyasha heißt Liberty, die sich Zugang zu besserer Bildung verschafft. In der von Männern dominierten Befreiungsarmee lernen die beiden vor allem eines, sich als Frauen durchzusetzen. Als der Befreiungskrieg vorbei ist, müssen Flame und Liberty feststellen, dass die politische Unabhängigkeit Zimbabwes nicht die erhofften gesellschaftlichen Veränderungen brachte. Sie versuchen den Kampf, um persönliche Freiheit fortzusetzen. Noch bevor FLAME endgültig fertiggestellt war, kam es zu heftigen Protesten der „Zimbabwe War Veterans´Association”, dem einflussreichen Zusammenschluss ehemaliger Freiheitskämpfer. Der Umstand, dass zwei Frauen im Mittelpunkt des Films stehen, stieß auf Missfallen, besonderen Anstoß aber erregte eine Szene, in der angedeutet wird, dass es in der Befreiungsarmee zu Vergewaltigungen an Mitkämpferinnen aus den eigenen Reihen kam. „Die politische Kontroverse um FLAME löste eine wichtige Diskussion darum aus, wem Geschichte gehört, wie sie erzählt werden muss, und wer das Recht dazu hat, sie zu erzählen.” (Screen Africa) read more

GADJO DILO

Stéphan, ein junger Franzose, durchwandert mitten im Winter die rumänische Steppe. Er sucht eine Sängerin namens Nora Luca. Gesehen hat er sie noch nie, nur ihr Lied gehört – immer und immer wieder. Tony Gatlif hat mit GADJO DILO eine vor 15 Jahren begonnene Zigeuner-Trilogie vollendet. Ganz unverschnörkelt und direkt erzählt er seine Geschichte und erschließt den ZuschauerInnen die lebenslustige, farbenfrohe und chaotische Welt der Roma.

Frankreich 1997
Regie: Tany Gatlif
100 min, 35mm, Farbe, OmU
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HACERSE EL SUECO

„Den Schweden spielen“ bedeutet in Lateinamerika „die Rolle des Dummen spielen, ohne es zu sein“ … In einer Wirklichkeit, die sich ändert und die alte Denkweise auf den Kopf stellt, sieht sich ein pensionierter Polizist mit unerwarteten Konflikten konfrontiert. Seine Autorität wird in Frage gestellt. Wird er ebenfalls den Schweden spielen müssen? Daniel Díaz Torres: „Wir wollten eine Art kubanisches Märchen erfinden, welches das nicht-touristische Havanna in realistischen Bildern zeigt. Die Figuren handeln auf komödiantische Art, manchmal ohne das Pathetische zu umgehen. Es ist ein Film über den Schein, über die Freundschaft und das Bedürfnis, in einen Dialog zu treten sowie über das Vertrauen. Diese stellen sich den Schemen und alten Dogmen entgegen, die in der komplexen kubanischen Wirklichkeit keinen Platz mehr haben.“ „Der Wert dieses Films liegt in seiner Art und Weise zu kritisieren. Er bringt uns zum Nachdenken, nicht nur über den Mangel. Díaz Torres geht weiter, bringt uns auch zum Nachdenken über die Bedingungen, die Natur des Menschen, der ethische Werte hat, diese Mängel bekämpft und für seine persönlichen Werte eintritt.“ (Emilio Barreto, Palabra Nuevo, Havanna) / (hg) • Publikumspreis Fribourg 2001 Daniel Díaz Torres (1948 Havanna) begann 1975 als Dokumentarist. 1991 erregte er mit seinem Spielfilm ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS (s. S 16) nationale Ärgernisse und internationales Aufsehen. HACERSE EL SUECO ist der dritte Film, den er gemeinsam mit Drehbuchautor Eduardo del Llano machte. Filmographie (Auswahl): JIBARO (1985), QUIEREME Y VERAS (1995), KLEINES TROPIKANA (1998) (Publikumspreis Innsbruck 1998) read more

HAIFA

Palästina 1996
Regie: Rashid Masharawi
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JIBARO

Kuba 1982
Regie: Daniel Diaz Torres
14 min, 35mm, Farbe, OmU

Kisangani Diary

1994. Nach dem Massaker an den Tutsis, flüchten ca. 80.000 Hutus von Ruanda nach Zaire. Heute leben sie entlang  überwachsener Eisenbahnstraßen südlich von Kisangani in Armut, am Rande des Hungertods, geplagt von Krankheiten und Angriffen bewaffneter Milizen. 1997 machte sich Hubert Sauper in einem U.N.-Zug auf die Suche nach den „verlorenen“ Flüchtlingen. In KISANGANI DIARY führt Sauper seine Zuschauer an rätselhafte Orte, die noch am Tag davor Schauplatz von brutalen Massakern waren und begleitet die hilflosen Versuche von Rettung. read more

KLEINES TROPIKANA – Tropicanita

uriges Kuba. Havanna in den 90er Jahren. In der Dunkelheit einer tropischen Sommernacht wird im Hinterhof eines großen Hauses die Leiche eines deutschen Touristen aus dem Schwarzwald gefunden. Am Rücken hat er Engelsflügel umgeschnallt, in der Hand hält er eine Flasche Schnaps. Für die lokale Polizei ist der Fall schnell klar: Betrunkener Ausländer stürzte bei einer wilden Party vom Dach. Einzig den Polizeileutnant Lorenzo lässt der Fall nicht los, und er beginnt gegen den Willen seines Chefs auf eigene Faust zu recherchieren. Was hatte dieser Ausländer in Kuba gemacht? Welche Rolle spielte sein Vater, der vor 40 Jahren eine Bar mit dem Namen „Tropicanita” betrieb? Die Untersuchung nimmt immer haarsträubendere Wendungen, und als Lorenzo am Ende die Lösung seinem Vorgesetzten präsentiert, wirkt diese nicht unbedingt wahrscheinlich, aber so verrückt und abenteuerlich, dass man glatt einen Film daraus machen könnte. Alle Fiktion ist Lüge, besagt ein geflügeltes Wort aus Kuba. Aber die Lüge, so heißt es da weiter, sei lediglich die außer Kontrolle geratene Vorstellung einer Wahrheit. Der Kubaner Daniel Díaz Torres, 1995 mit der Komödie QUIEREME Y VERAS, macht mit seiner jüngsten Produktion KLEINES TROPIKANA klar, dass die Grenzen zwischen dem Erfundenen und dem Wirklichen, zwischen dem Erlogenen und dem Wahren, zwischen der Phantasie und der Realität fließend sind. Und dass das eine das andere durchfließt, die magische Wirklichkeit sprießt. Seine Hauptfigur Lorenzo ist ein vorbildlicher Polizist aus der Provinz, der dichtet, und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass er uns eine Geschichte erzählen möchte, die von ihm handelt und vielleicht sogar wahr ist, sicher aber schön erfunden. Er tut auf alle Fälle so, als sei sie wahr, indem er sie gleich zweimal dokumentiert, faktisch belegt und damit natürlich auch zeigt, wie leicht man im Kino den Leuten etwas als Wahrheit verkaufen kann. Der Deutsche aus dem Schwarzwald (Kuckucksuhr mit Dirndl) soll unter anderem an einem Dokumentarfilm gearbeitet haben über die kubanische Seele. Er wusste zu berichten, wie unglaublich es sei, eine Kubanerin zu lieben, was wiederum den Polizeioffizier im Detail sehr interessiert hätte. Von den Ursachen des mysteriösen Todes des deutschen Touristen gibt es am Ende gleich mehrere Versionen, von denen die irrwitzigste jene ist, dass der Tourist ein Bruder des Polizisten war. Geschrieben hat KLEINES TROPIKANA Kubas erfolgreichster Drehbuchautor Eduardo del Llano, der auch am Buch zu ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS von Daniel Díaz Torres mitwirkte und für Fernando Pérez das Buch zu LA VIDA ES SILBAR verfasste. Man hätte seine liebe Mühe, aus den Fadensträngen, die er und Díaz Torres ausklügelt, einen einzelnen herauszunehmen, um zur Gewissheit zu gelangen: So war es. Doch just diese Gewissheit wollen uns die beiden Kubaner nicht vorgeben. Im Gegenteil: Sie zeigen uns, dass es eine Gewissheit nicht gibt. (Texte aus: Trigon Film Magazin Nr. 10, erhältlich an der Kinokasse) Die Urfassung des Drehbuches zu KLEINES TROPIKANA hat Eduardo del Llano mit Unterstützung des Otto Preminger-Institut in St. Sigmund im Sellraintal geschrieben. Die österreichische Erstaufführung von KLEINES TROPIKANA fand im Rahmen des Internationalen Film Festival Innsbruck im Jahre 1998 statt, wo der Film vom Publikum zum Lieblingsfilm gewählt wurde. read more