Geschichte

Mit der Idee, Filme aus aller Welt nach Österreich zu bringen und hierzulande bzw. in Europa erstaufzuführen, ist es dem Otto-Preminger-Institut – Verein zur Förderung audiovisueller Mediengestaltung (OPI) gelungen, ein Filmfestival in Innsbruck zu begründen, das von übergreifender Bedeutung ist.

Ursprünglich im Jahre 1992 als „America Film Festival“ gegründet (Festivalgründer: Manfred Vosz, Glen Switkes, Helmut Groschup) und 1996 als „CineVision“ bezeichnet, erfolgte 1999 die Umbenennung in „Internationales Film Festival Innsbruck“ (IFFI). Die besondere Programmierung macht das IFFI einzigartig im deutschen Sprachraum. Das IFFI öffnet die Leinwand in fremde Welten. Gezeigt werden rund 50 Lang- und Kurzfilme (Spiel- und Dokumentarfilme) aus Lateinamerika, Afrika, Zentralasien und Osteuropa. Das IFFI gehört heute mit Viennale und Diagonale zu den wichtigsten österreichischen Filmereignissen und ist das internationale Filmevent in Westösterreich.

Die Geschichte des IFFI ist auch die Geschichte der Entwicklung des Weltkinos in den südlichen Regionen. Es ist die Geschichte von Trends, vom Boom, der vom Wind der Moden verblasen wird, und die Geschichte von Reisezielen, es ist die Geschichte von Volksaufständen und deren Niederwälzungen, und es ist die Geschichte der Zusammenhänge in einem interkulturellen Sinn, es handelt sich aber auch um die Geschichte der Vereinheitlichung, der Uniformierung und der Globalisierung, die dem Kino Gutes und Schlechtes gebracht hat: Das Gute ist die Demokratisierung des Kinos durch einen, scheint’s, unvermeidbaren Verdrängungswettbewerb, der Festivals nötig machte, das Schlechte ist die weltweite Veränderung der Kinosprache weg von authentischen Bildern hin zu einem „Einheitsbrei“.

Die Salzburger Gesellschaft für Kommunikation und Entwicklung (KommEnt), ein langjähriger Partner des Internationalen Film Festivals Innsbruck (IFFI), führt das IFFI auf seiner Website als „good practice“ an. So charakterisiert KommEnt in Kürze: „Mit Dokumentarfilmen und Spielfilmen aus und über Afrika, Asien und Lateinamerika sorgt das Internationale Film Festival Innsbruck alljährlich für ein – im europäischen Vergleich – eigenwilliges und einzigartiges Programm. Das Festival zeigt Filme aus und über die Länder des Südens. Es greift wesentliche Stile, neue Entwicklungen und Genres auf, die in den Filmdarbietungen kommerzieller Kinos kaum Berücksichtigung finden. FilmemacherInnen, ProduzentInnen und SchauspielerInnen aus fast allen Erdteilen nehmen an diesem Festival teil und lassen Innsbruck für 5 Tage und 5 Nächte zu einer Stätte interkultureller Begegnung werden.“

Ein Filmfest für Innsbruck – wie alles begann

Begonnen hat alles im Jahre 500 nach der so genannten Entdeckung Amerikas. Der kleine, schummrige Cinematograph bekam vom damaligen Kulturstadtrat Girstmair, einem ehemaligen Lateinlehrer, die Aufgabe gestellt, ein Filmfest zum Columbus-Jahr zu organisieren. In den Sommermonaten des Jahres 1992 wurden 40 Filme zusammengestellt, die die Geschichte der beiden Amerikas präsentieren sollten. Im Oktober war es dann so weit, die BesucherInnen sahen die ersten österreichischen Erstaufführungen in Innsbruck. Die Werkschau wurde dem deutschen Dokumentaristen Manfred Vosz gewidmet, einem der Gründer des Festivals, der heute noch im Präsidium des IFFI dem Festivalteam mit Rat und Tat beisteht. Der erste Gast aus Übersee war Glen Switkes, ein Filmemacher aus San Francisco. Zum Publikumsliebling wurde TANGOS – EL EXILIO DE GARDEL gewählt, und 1000 SchülerInnen Innsbrucks nahmen an der Aktion „Ein Schüler, ein Schilling, ein Film“ teil und schrieben Texte über das Gesehene. Der erste Partner war der Österreichische Informationsdienst für Entwicklungspolitik, der erste Skandal der Einsatz der Olmos-Produktion AMERICAN ME als Schulfilm – von Lehrern als zu brutal empfunden.

Das Festival hatte kein eigenes Büro, keine Assistenten: Der Vorsitzende des Otto Preminger-Instituts (OPI), Karl Zieger, war gleichzeitig Festivalleiter und Presseattaché, ein Teil der Filme kam aus dem Fundus des TVE (spanisches Fernsehen) gratis nach Innsbruck, Otto Licha spielte mit seiner Band „Süden“ im Rahmenprogramm, die Empfänge fanden in Privatwohnungen statt und dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Der Cinematograph wurde täglich gestürmt. Der Bedarf an einem Festival war geboren, doch niemand wagte an eine Fortsetzung zu denken. Zwei Festivalfilme wurden vom Cinematograph-Filmverleih übernommen: THE BALLAD OF GREGORIO CORTEZ von Robert M. Young und AMAZONIA – VOICES OF THE RAINFOREST von Glen Switkes, zugleich der erste Erfolg des hauseigenen Verleihs. Nach einem Intermezzo mit dem Namen „Orient Film Festival“ im Frühjahr 1993, bei dem der Verleihfilm EIN LIED FÜR BEKO von Nizamettin Aric präsentiert wurde, kam es Anfang Oktober zur zweiten Auflage des „America Film Festivals“.

Raoul Peck 1993
Raoul Peck, zu Gast beim 2. America Film Festival 1993. Foto: Helmut Groschup

Das Plakat wurde von der Künstlerin Christine Pöschl gestaltet, das Budget war ähnlich gering wie im Columbus-Jahr, der erste Film kam nicht an, im Mittelpunkt standen die Indianer der beiden Amerikas, und der kubanische Skandalfilm ALICIA EN EL PUEBLO DE MARAVILLAS wurde das erste Mal außerhalb Kubas von Eduardo del Llano, heute einer der Berater des Festivals, präsentiert. Unter Protest zog sich die kubanische Freundschaftsgesellschaft aus dem Veranstalterteam zurück. Die niederländische Avantgardekünstlerin Babeth präsentierte HAITI: KILLING THE DREAM, ein Konzert mit dem Aristide-Berater Manno Charlemagne geriet zur politischen Farce und entzweite die Festivalorganisatoren. Der „trigon“-Film L’HOMME SUR LES QUAIS wurde Publikumsfavorit, und die Anwesenheit des ersten Stars des Festivals Raoul Peck, des späteren Kulturministers von Haiti, brachte das Festival auf die Titelseiten.

Im darauf folgenden Frühjahr wurde gemeinsam mit dem Referat Weltkirche der Caritas ein „Afrika Film Festival“ organisiert, zu dem der Filmemacher Gaston Kaboré aus Burkina Faso eingeladen war.

Im September 1994 folgte das „3. America Film Festival“ mit der Präsentation der Schwulenkomödie FRESA Y CHOCOLATE im Dopolavoro am Brenner. Stargast war Barbara Trent, die für ihren Aufdeckerfilm THE PANAMA DECEPTION den Dokumentarfilm-Oscar erhielt, die ZuschauerInnen wählten HELLO HEMINGWAY von Fernando Pérez aus Kuba, und das Festival präsentierte sich auch in Schwaz und Bozen. Im Anschluss wurde in der Schweiz ein Zweigverleih des Cinematograph-Filmverleihs gegründet: Erstmals konnte ein Film des Festivals in vier Ländern verliehen werden – DOLLAR MAMBO, ein Musical des Mexikaners Paul Leduc über die US-Intervention in Panama.

Seit 1995 ist das Festival Teil des Innsbrucker Sommers. In den frühen Julitagen eines heißen Sommers wurde das Event mit der kubanischen Gaunerkomödie QUIEREME Y VERAS, dem späteren Publikumsliebling, im Beisein seines Regisseurs Daniel Díaz Torres, eröffnet. Der Leiter der Olmos Production Nick Athas zeigte den Young-Klassiker CORTILE CASCINO aus dem Jahre 1961, und der mexikanische Dokumentarfilm UN BESO A ESTA TIERRA erhielt ex aequo den Publikumspreis, was zur Verleihung des Films in Österreich führte. Höhepunkt des Festivals war der Besuch des brasilianischen Altmeisters Nelson Pereira dos Santos, der in Innsbruck auf den ehemaligen kubanischen Filmminister Julio García Espinosa traf, dem die Hommage gewidmet war. Das Festival begann somit, Filmgeschichte zu prägen. In der Folge kam es zum Ankauf eines Pakets kubanischer Filmklassiker, die im gesamten deutschen Sprachraum verliehen wurden, darunter die Schmierenkomödie AVENTURAS DE JUAN QUINQUIN von Julio García Espinosa. Die Filmkopien stammten aus dem Fundus der Kirch-Gruppe – den Zugang ermöglichte Festivalpräsident Hans Kohl. Die Filme wurden in den 60er Jahren von Leo Kirch für das deutsche Fernsehen gekauft und kamen durch die Initiative des Innsbrucker Festivals erstmals im Original mit deutschen Untertiteln in die Kinos. Bei einem Treffen der Festivalgäste wurde das „Manifest vom Goldenen Dachl“ verkündet, das dem Festival ein neues Gesicht geben sollte. Das Festivalplakat von Susann Richter wurde in Deutschland mit einem internationalen Grafikpreis ausgezeichnet. Erstmals fanden Videopremieren im Französischen Kulturinstitut am Rennweg statt.

Im Jahre 1996 bekam das Festival den neuen Namen „Cinevision“, internationalisierte sich und wurde von einem Präsidium gelenkt. Neue Partner machten diese Veränderung möglich; vor allem aber die enge Kooperation mit der schweizerischen Stiftung „trigon“ schlug sich auf die neue Programmgestaltung nieder. Erstmals wurden asiatische und afrikanische Filme ins Programm genommen. Die Werkschau wurde dem indischen Regie-Genie Ritwik Ghatak gewidmet, und der Publikumspreis erging an Shaji N. Karun für sein Drama SWAHAM, welches in Cannes im Wettbewerb gezeigt wurde. Im Haus der Begegnung wurde ein Verleiher-Symposium mit den internationalen Gästen abgehalten, das Festival erhielt eine neue Dynamik.

Mit der 6. Auflage wartete das Festival mit einer Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung auf, die von den Festivalpartnern finanziert wurde. Das Plakat gestaltete wiederum Susann Richter, die auch den Festivaltrailer herstellte. Geografischer Schwerpunkt war Senegal, aus welchem Ousmane Sembene und Safi Faye eingeladen wurden. Sembene wurde die Hommage gewidmet und der Publikumspreis für GUELWAAR zuerkannt. Der ÖIE hatte eine Schulfilmwoche organisiert, die Serie AMORES DIFICILES nach Büchern von Gabriel García Márquez wurde erstmals in Kinofassungen in Kooperation mit der Kirch-Gruppe vollständig gezeigt, dazu erschien eine international vertriebene Publikation.

„Schauen, was draußen los ist – Filme über Globetrotter und Heimatverliebte“, so lautete das Motto des 7. Internationalen Film Festivals. Erstmals war der Star des Festivals ein Schauspieler, Serge Yanogo aus Ouagadougou. Das Festival wurde mit der BMG-Produktion KLEINES TROPIKANA eröffnet, die auch den Publikumspreis zuerkannt bekam.

„IFFI“ – INTERNATIONALES FILM FESTIVAL INNSBRUCK

Am 2. Juni 1999 eröffnet das Festival das neue Kinozentrum Leokino mit der belgisch-kongolesischen Koproduktion ID von Dieudonné Ngangura. Das Festival, nun mit der offiziellen Bezeichnung IFFI versehen, verfügt über drei Säle und erzielt einen neuen Publikumsrekord. Das erste Mal wird der von Landesrat Fritz Astl gestiftete „Filmpreis des Landes Tirol“ durch eine internationale Jury vergeben. Der Preis ist mit 5000,- EURO dotiert. Mit der Retrospektive „Indigene Gesichter 1918-1997“, zusammengestellt von Verena Teißl, gelingt dem Festival eine autente Programmschiene. Zur Retrospektive, die vom mexikanischen Dokumentaristen Juan Francesco Urrusti kommentiert wird, erscheint eine Dokumentation in der Cinematograph-Schriftenreihe. Eine Ausstellung von Fotografien des Schriftstellers und Ethnologen Juan Rulfo im Renner-Institut ergänzt die Retro. Die Jury zeichnet in der Folge den kasachischen Film BIOGRAPHIE EINES JUNGEN AKKORDEONSPIELERS von Satibaldy Narimbetov aus. Juroren sind Daniel Díaz Torres, Gabi Geist, Pierre Haffner (†), Hans Peter Kochenrath (†), Josef Koschier und Martine Armand. Der Publikumspreis (Cine Tirol-Preis) ergeht an den türkischen Film MASUMIYET von Zeki Demirkubuz.

„Gewalt und Liebe“ steht als Leitmotiv für die 9. Ausgabe des IFFI. Der Hauptpreis wird von der Sprecherin der internationalen Jury Valentina Leduc an S. Pierre Yameogo für SILMANDE übergeben. Der Slowene Igor Sterk (EKSPRES EKSPRES) wird vom Publikum zum Liebling erkoren, und der Mexikaner Gabriel Retes erhält für UN DULCE OLOR A MUERTE den Cine Tirol-Verleiherpreis, beide Filme werden im Anschluss an das Festival vom Cinematograph-Filmverleih vertrieben. Kuriosität am Rande des Festivals: die Europapremiere des erfolgreichsten kubanischen Films aller Zeiten ZAFIROS, LOCURA AZUL, die erste Koproduktion USA/Kuba in Anwesenheit des Produzenten Hugo Cancio aus Miami. Der Schwerpunkt des Festivals ist Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten gewidmet.

Den „Filmpreis des Landes Tirol“ 2001 erhält Rodrigo Fürth aus Argentinien für seinen Spielfilm TOCA PARA MI. Auch das Publikum wählt Fürth. Der Publikumspreis wird nun vom Stadtmagistrat Innsbruck gestiftet, der Cine Tirol-Preis an THE DAY I BECAME A WOMAN der Iranerin Marziyeh Meshkini überreicht. Neu: Eine SchülerInnenjury tagt und zeichnet als besten frankophonen Beitrag den marokkanischen Film ALI ZAOUA aus. Dieser Preis wird vom Französischen Kulturinstitut Innsbruck gestiftet. Zudem findet eine Filmnacht statt, und die Hommage wird dem Ungarn Béla Tarr gewidmet. „Die kubanische Filmkomödie“ ist die zweite große Retrospektive, die das Festival exklusiv organisiert hat. Zur Retrospektive erscheint die Cinematograph-Schriftenreihe Band 7 unter demselben Titel.

Jeanine Meerapfel, Patricio Guzmán
Cine Tirol-Ausflug zum Achensee 2002: Jeanine Meerapfel und Patricio Guzmán. Foto: Helmut Groschup
Das 11. Internationale Film Festival Innsbruck 2002 führt zwei Protagonisten des lateinamerikanischen Exilkinos zusammen: Es treffen sich die Argentinierin Jeanine Meerapfel und der Chilene Patricio Guzmán. Guzmán, dem wohl bekanntesten Dokumentaristen Lateinamerikas, ist die Hommage gewidmet. Sein Klassiker LA BATALLA DE CHILE wird vom Film Festival Innsbruck deutsch untertitelt und im Kulturhaus des ORF vor vollen Rängen gezeigt. Das Westafrikanische Panorama rückt die Geschichte der Kolonialisierung Afrikas in sein Zentrum. FELLINI von Nazim Abbasov erhält für seine Originalität den „Filmpreis des Landes Tirol“ aus den Händen von Jurypräsidentin Meerapfel. Den Film entdeckt hat Präsidiumsmitglied Franz Frei – als Beauftragter der Berner Regierung für Kulturaustausch in Zentralasien.

Das Publikum bewundert SIA – DER TRAUM DER PYTHON von Dani Koyaté, und die SchülerInnenjury entscheidet sich nach langer Diskussion für die algerisch/französische Koproduktion LITTLE SENEGAL. Cine Tirol lädt die internationalen Gäste zu einer Fahrt über den Achensee; die Filmparty findet am Baggersee statt. Eine Kooperation mit dem Internationalen Filmfestival Nantes beschert die Reihe „Von Peking nach Mexiko“.

EINBLICKE – AUSBLICKE

Mohammed Soudani, Jean Rouch
Der algerisch-schweizerische Regisseur Mohammed Soudani (li) mit Jean Rouch (†), dem Meister des ethnografischen Films, 12. IFFI 2003. Foto: Helmut Groschup
Die Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck Hilde Zach würdigt im Juni 2003 das IFFI wie folgt: „Das Internationale Film Festival Innsbruck gehört mittlerweile zu den beliebtesten Dauerbrennern im Rahmen des Innsbrucker Sommers.“ Und der Landeshauptmann von Tirol Herwig van Staa hebt die Ermöglichung eines ungewohnten Einblicks in fremde Länder und Gesellschaften hervor. Alle Preise ergehen im Jahr 2003 an den Tunesier Nouri Bouzid für ARAÏS AL-TEÏN. Das Festival gastiert wie in den Jahren zuvor auch in Bozen, und als besonderer Gast darf Jean Rouch, der mittlerweile verstorben ist, begrüßt werden. Zudem nehmen StudentInnen der Universität Innsbruck aktiv am Festival teil und gestalten einen Workshop mit Jean-Marie Teno aus Kamerun über die Bedeutung des Dokumentarfilms im Zeitalter des Internet. Eine Diskussion zwischen StudentInnen und Jean Rouch wird von Otto Licha aufgezeichnet, der daraus entstandene Kurzfilm wird beim 13. IFFI, anno 2004, als Abschlussfilm gezeigt. Diese Begegnung zwischen Teno und Rouch hatte bedeutsamen Charakter und wird als Anekdote Filmhistorikern nicht verborgen bleiben.

Shaji N. Karun, Gertraud Schwarz
Shaji N. Karun, indischer Kameramann und Regisseur, mit der österreichischen Filmemacherin Gertraud Schwarz – zwei Mitglieder der Internationalen Jury/IFFI 2004. Foto: Schneider
Das 13. IFFI präsentiert sich wieder einmal mit einem neuen Gesicht, mit einem neuen Team und neuen Kooperationspartnern, allen voran „Kino Otok – Izola Cinema“ in Slowenien. Erstmals werden mit einem Partnerfestival gemeinsam Regisseure eingeladen. Moussa Sene Absa aus Senegal und Shaji N. Karun aus Indien, der in Innsbruck diesmal auch als Jurypräsident tätig ist, sind bei beiden Festivals zu Gast, außerdem hatte der Kooperationspartner jeweils eine „Carte Blanche“ innerhalb der Programmierung. In der slowenischen Adriastadt Izola gibt es nun ein Festival wie in Innsbruck, und innerhalb einer „KooperativA“ benannten Partnerschaft befruchten sich die beiden Events gegenseitig. Als „Mutter von Festivals des Südfilms“ hingegen darf Fribourg in der Schweiz betrachtet werden. Das Internationale Filmfestival Fribourg ist schon seit vielen Jahren ein wertvoller Partner des IFFI. In Österreich gibt es in der niederösterreichischen Stadt Amstetten das ähnlich ausgerichtete „Südfilmfestival“, welches in erster Linie vom Cinematograph-Filmverleih beliefert wird. Der Preisträgerfilm 2004, DÍAS DE SANTIAGO des Peruaners Josué Méndez, wird auch bei der Viennale gezeigt, und die beiden trigon-Filme MEMORIAS DEL SAQUEO vom Argentinier Fernando Solanas und SALVADOR ALLENDE von Patricio Guzmán sind ebenso im Programm des oben genannten größten österreichischen Filmfestivals zu sehen. Damit bewegen wir uns weg von der Praktik der Exklusivität und wenden uns einer vernünftigen und effizienten Verbreitung unserer Filme zu.

Josué Méndez, Helmut Groschup, Otto Licha, Elisabeth Zanon.
Preisverleihung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 2004: Gewinner Regisseur Josué Méndez, Festivaldirektor Helmut Groschup, Moderator Otto Licha, LR Elisabeth Zanon.
Weitere Auszeichnungen des IFFI 2004: Der Senegalese Moussa Sene Absa bekommt für seine kanadisch-senegalesische Koproduktion in Innsbruck zwei Preise, jenen des Publikums und den der SchülerInnen. Das Festival vermittelt seinen Filmemachern Gespräche mit der Filmfoundation Cine Tirol, einem der wichtigsten Partner des IFFI. Neu ins Programm aufgenommen werden Filme aus den jungen Beitrittsländern der EU. Die Preisverleihung findet im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum statt, den „Filmpreis des Landes Tirol“ übergibt Kulturlandesrätin Elisabeth Zanon an den peruanischen Regisseur Méndez. Wiederum haben StudentInnen der Universität Innsbruck das IFFI mitgeprägt und einige Kurzfilme über Regisseure und die Festivals in Innsbruck und Izola gedreht.

Vom 1. bis 5. Juni 2005 fand zum 14. Mal das Internationale Film Festival in Innsbruck statt. Erstmals kam es zu einer Begegnung österreichischer Filmschaffender und Filmleuten aus den Ländern des Südens. Im Mittelpunkt stand dabei ein Werkstattgespräch über neues Lichtdenken im Kino. Der Tiroler Filmemacher Christian Berger (Kameramann von Michael Haneke) stellte Filmemachern und Filmemacherinnen aus allen Teilen der Welt das von ihm gemeinsam mit dem Lichtlabor Bartenbach entwickelte „Cine Reflect Light System“ im Innsbrucker Zukunftszentrum vor. Es handelt sich dabei um ein revolutionäres Beleuchtungssystem, welches die Gäste des Festivals vor allem deshalb begeisterte, da es billiger in der Anschaffung und leichter zu transportieren ist und weniger Energie braucht. Drei Faktoren, die vor allem in Entwicklungsländern für FilmemacherInnen geeignet sind. Das Festival war eine Begegnung zwischen den Generationen. Stars wie Antonio Skármeta aus Chile, dem genauso wie Roger Gnoan M’Bala aus Côte d’Ivoire eine Werkschau gewidmet war, trafen auf junge Regisseure und Regisseurinnen aus Benin, Algerien, Argentinien, dem Iran, Kuba und Lesotho. Durch heftige Diskussionen innerhalb der internationalen Wettbewerbsjury wurde ein Dialog um ästhetische Kategorien und ethische Maßstäbe eröffnet, der der Zukunft des Festivals eine Richtung weist, die von enormer Wichtigkeit im internationalen Wettbewerbsgeschehen ist. Die besondere Bedeutung liegt dabei auf der Veränderung der Wirkungsgeschichte von Filmen, vor allem im Dokumentarfilmbereich, dem neue Aufmerksamkeit zugebilligt wurde. Mit der Einführung eines Dokumentarfilmpreises ist das Festival in Innsbruck nun auch auf Entdeckungsreise in jenes Genre gegangen und konnte schon Akzente setzen. Mit der Verleihung des „Christian-Berger-Dokumentarfilmpreises“ an Teboho Edkins aus Lesotho und seinen Film ASK ME I’M POSITIVE wurde das erste Mal ein Erstlingswerk ausgezeichnet. Der Geldpreis und der Materialpreis der Firma Kodak sind für den jungen Filmemacher sicherlich eine Aufforderung, seinen Weg konsequent weiterzugehen. Erstmals ist auch der Film einer Frau mit dem „Filmpreis des Landes Tirol“ ausgezeichnet worden: PARAPALOS der Argentinierin Ana Poliak. Sie kann nun ihr neues Spielfilmprojekt mit diesem Geldpreis entwickeln. Das Publikum wählte den Film OUAGA SAGA von Dani Kouyaté zu seinem Liebling. Dani Kouyaté aus Burkina Faso ist nun schon zum zweiten Mal mit diesem Preis geehrt worden. Der Film kommt über den Cinematograph-Filmverleih in die österreichischen Kinos. 40 SchülerInnen diskutierten stundenlang unter Anleitung von MitarbeiterInnenn des Südwind Tirol über frankophone Filme. Sie teilten den Preis des Französischen Kulturinstituts: 500 Euro für Idrissou Mora-Kpai aus Benin für seinen Dokumentarfilm ARLIT, DEUXIÈME PARIS und 500 Euro für Ismaёl Ferroukhi für sein herzzerreißendes Roadmovie LE GRAND VOYAGE, eine Vater-Sohn-Reise nach Mekka.

DIE NEUZEIT

BAB’AZIZ (Naver Khemir)
Das IFFI 2006 wird mit dem neuen Film von Nacer Khemir eröffnet: BAB’AZIZ. Dem Tunesier Khemir ist auch eine Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum gewidmet „Die Kindheit der Engel“. Durch ein politisches Missverständnis kam es zur verfrühten Abreise von Nacer Khemir, der auch das geplante Filmportrait der StudentInnen zum Opfer fiel und auch die

Präsentation seiner Filme in Izola. Helmut Groschup erhält aus den Händen des Leiters von Cine Tirol, Johannes Köck, den Cine Tirol Award, gesponsored von der Firma Swarovski. Sein unmittelbarer Vorgänger ist kein geringerer als der Berlinale Leiter Dieter Kosslik.

Der Filmpreis des Landes Tirol ergeht an die südkoreanisch-chinesische Koproduktion GRAIN IN EAR, den Dokumentarfilmpreis teilen sich Teboho Edkins aus Lesotho und der Kurde Yusuf Yesilöz. Daniel Sanou Kollo aus Burkina Faso wird der Liebling des Publikums und LILI ET LE BAOBAB erhält den SchülerInnenpreis. Kuriosität am Rande: Durch die Präsentation von Filmen mit Fussballthematik kommt es zu einer Kooperation mit dem Innsbrucker Profifussballclub FC Wacker Innsbruck. Gemeinsam mit dem Zagreb Filmfestival werden das erste Mal Filme aus dem ehemaligen Jugoslawien präsentiert. Im Mittelpunkt Jan Cvitkovics GRAVEHOPPER, der in San Sebastian den Preis für den besten Erstlingsfilm erhielt. Das IFFI bekommt ein neues Gesicht: gemeinsam mit dem Künstler Anton Christian wurde eine Arbeit des Schülers Dietmar Waldboth aus Brixen als Plakatmotiv (das Ei) ausgewählt. IFFI Filme werden auch in Imst und Bozen gezeigt.

Bei der Eröffnung des IFFI 2007 wird von Martin Abram ein Text des Schriftstellers Egon A. Prantl vorgetragen. Marianne Bergmann, Leiterin der Hamburger Filmförderung ist Sprecherin der internationalen Jury. Der Reckfilm RAJAS REISE von Karl Saurer konnte bei der Eröffnung begeistern. Erstamls wird im großen Saal des Leokino ein Film von digitalem Material projeziert.

Eine Fotoausstellung von Joze Rehberger dokumentiert die Kooperation mit dem slowenischen Filmfestival Kino Otok-Izola Cinema. Portraits von RegisseurInnen schmücken das Foyer des Leokinos.

DIE VERSUCHUNGEN DES BRUDERS SEBASTIAN (José Araújo)
DIE VERSUCHUNG DES BRUDERS SEBASTIAN des Brasilianers José Araújo, sicherlich einer der besten Filme, die das Innsbrucker Filmfestival je gezeigt hatte – ein Rausch – ist für das Publikum ungenießbar. Eine rumänische Filmemacherin erscheint samt ihrer Schauspielerin nicht. Die Türkin Aysum Bademsoy erhält ihren ersten Award. Der Dornbirner Filmclubchef Norbert Fink ärgert den Festivalchef wie üblich: „Du zeigst nur die Filme, die nicht einmal eine Klosterfrau erröten lassen.“ Anzunehmen, dass er Araujos Film nicht gesehen hat. Zu SWEEPING ADDIS kocht Kasai Adefries äthiopischen Cafe und verleiht dem Umfeld des Cinematograph verführerische Gerüche. Am Schluss des Festivals tanzen alle im Bierstindl einen ab, wo Stars wie Goran Paskaljevic auf Starlets treffen. Am erfolgreichsten ist die Hommage an Akira Kurosawa. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Der Cine Tirol Ausflug führt die Festivalgäste nach Praxmar in ein verlassenes Tal. Darüber berichtet ein Film des Kirgisen Omar.

Erstmals meldet sich der Rektor der Universität, Karl-Heinz Töchterle zu Wort und schreibt das Geleitwort zum Programmheft 2008. Das Institut für Sprachen und Literaturen (Abteilung Vergleichende Literaturwissenschaft) ist ein starker und verlässlicher Kooperationspartner des IFFI. Ein Teil der StudentInnen erweist sich als freiwillige Stütze des Festivals. Die Eröffnung mit Ernst Gossners Film SOUTH OF PICO musste auf Grund des Publikumsandranges wiederholt werden. Er erhält den Publikumspreis. Gahité Fofana aus Guinea erhält den „Filmpreis des Landes Tirol“. Es gibt wieder Fußballfilme im Rahmenprogramm der EM, die auch in Innsbruck stattfindet. Das Highlight des Festivals ist Joachim Leitners Italo-Western Retrospektive und einer der Stars des Italo Western ist Stargast des Festivals durch die Einladung über das Italienzentrum: Gianni Garko. Wieder stellt der Festivaldirektor einen Kurzfilmabend zusammen.

LA VIDA LOCA (Christian Poveda)
2009 beginnt das Festival mit einem Knalleffekt: Tiroler Filmemacher kritisieren die Landespolitik in der Wirtschaftskammer, wegen der schwachen Förderung des heimischen Filmwesens.

Das 18. IFFI wird von einem japanischen Film eröffnet, Regie führt Marie Miyayama. Das Publikum ist begeistert von DER ROTE PUNKT, die Fachwelt ist sich hingegen uneins. Zum äthiopischen Wettbewerbsbeitrag TEZA kommt eine Nebendarstellerin, die ein Kommunique des Regisseurs Haile Gerima vorliest. In der Reihe Masters wird wieder der wohl verrückteste Film von Jean-Luc Godard gezeigt: LE VENT D’EST, zur Verfügung gestellt von Paul Reichl aus München, einem der legendärsten Gönner des IFFI. Am Donnerstag kommt das Blackout des Festivaldirektors, das er seit 1992 erwartet. Spannend die Präsentation von LA VIDA LOCA des Fotojournalisten Christian Poveda. Es war wohl einer seiner letzten öffentlichen Auftritte: Anfang September wird er in El Salvador ermordet.

Der Teenie Film QUE TAN LEJOS erhält erwartungsgemäß den Publikumspreis. Der Obmann des Otto Preminger-Instituts Markus Dziemballa untertitelt zwei Filme (PAWEOGO und LE VENT D’EST) mit Hilfe der Sprachkenntnis von Elisabeth Brungger aus Genf. Gabi Geist, eine langjährige Freundin des IFFI, erhält den erstmals vergebenen Ehrenpreis des IFFI für ihre Verdienste um das IFFI. Nach der Präsentation des Achternbusch-Films DER NEGER ERWIN wird im Krahvogel gemeinsam mit Anton Christian gefeiert. Das Festival endet mit Preisen für TEZA, ANOTHER PLANET und LA VIDA LOCA. Des Festivaldirektors Tochter Perla Widmann ist im slowenischen Film A LETTER TO A CHILD von Vlado Škafar zu sehen.

Das IFFI endet mit einem vom offiziellen Tirol nicht besonders positiv aufgenommenen Film NEW KAISERTAL CITY von Melanie Hollaus: das gesamte Team war auf der Bühne des großen Leosaals. Festivalmitarbeiterin Evelin Stark erprobt sich in Abwesenheit des Direktors als Festivalleiterin. Die offizielle Festivalausstellung findet im französischen Kulturinstitut statt, gezeigt werden Fotos von Kinos in aller Welt des Pariser Fotografen Stephan Zaubitzer. Erstmals gibt es eine Festivalbriefmarke der österreichischen Post.

Helmut Groschup, Herwig van Staa, Fernando Birri
Das 19. IFFI wird bei der Eröffnung von der stellevertretenden Leiterin des IFFI, Evelin Stark, vorgestellt. Der Direktor hält sich aus gesundheitlichen Gründen im Hintergrund, wird aber zu einer Rede eingeladen, die ihm Kritik einbringt, weil er in seinen Ausführungen Gendersprachregelungen missachtet. Der Serbe Goran Paskaljevic ist wieder Gast des Festivals, das er eröffnet. Im Gegensatz zu seinem ersten Besuch in Innsbruck wird ihm seitens des Publikums viel Ehre erwiesen. Vor seinem Film HONEYMOONS kommt es zur Begegnung zwischen Shaji N. Karun, Fernando Birri und Goran Paskalevic. Fernando Birri besuchte das erste Mal das IFFI. Er stand im Zentrum auf Einladung von Barbara Tasser, Leiterin des Italien-Zentrums der Universität Innsbruck. Der alte Mann begeisterte jung und alt und erhielt den Ehrenpreis des Festivals im Beisein von Landtagspräsident Herwig van Staa und dem Botschafter der Republik Argentinien in Wien.

Zum zweiten Mal findet die Olivenölverkostung der Firma Zait statt. Unser Kooperationspartner Thomas Fuhlrott aus der Pfalz erklärt den Zusammenhang zwischen nativem Olivenöl und den Filmen des IFFI.

Der Cine Tirol Ausflug führt die internationalen Gäste des IFFI ins Kramsacher Höfemuseum. Die Gäste aus Lateinamerika sind unzufrieden mit der Presse. DER LETZTE TANGO IN PARIS begeisterte das Publikum. Der Bertolucci Film wurde in Fernando Birris Retrospektive „Träumen mit offenen Augen“ gezeigt. Die Juryentscheidung TRUE NOON auszuzeichnen stößt auf Kritik seitens von Festivalbesuchern. Auch das Treibhaus ist zum 2. Mal Partner des Festivals: Videoclub und Partynächte mit Konzerten locken massenweise Publikum an. Im Treibhausturm findet auch die Preisverleihung statt, die von Stadträtin Patrizia Moser und Landesrätin Beate Palfrader begleitet wird.

Ninetto Davoli mit Festivaldirektor Helmut Groschup
Ninetto Davoli mit Festivaldirektor Helmut Groschup
Die Jubiläumsausgabe des IFFI war wohl das größte Filmfestival, das Innsbruck je sah. Am Eröffnungsabend des 20. IFFI war Ninetto Davoli Gast auf Einladung des Italien-Zentrums, Schauspieler in mehreren Pasolini Filmen. Gezeigt wurden drei Episoden von PPP, in denen Ninetto die Hauptrolle spielt. Das Festival wurde von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eröffnet. Den zweiten Tag dominierte Cannes Jurymitglied Mahamat-Saleh Haroun aus Tschad. Besonderes Interesse erweckten die Dokumentarfilme von Pier Paolo Pasolini, die selbst am frühen Nachmittag ein gutes Publikum fanden.
Festivalpartner Cine Tirol entführte die internationalen Gäste aufs Möserer Plateau und die internationale Fernsehanstalt TV 5 gab einen Empfang zu Ehren der Österreichpremiere von UN HOME QUI CRIE von Haroun unterstützt vom Französischen Kulturinstitut. Der Film erhielt den Südwind-Tirol Filmpreis und wird vom Cinematograph-Filmverleih in Österreich verliehen.

Daniel Díaz Torres erhält Ehrenpreis des IFFI
Daniel Díaz Torres erhält Ehrenpreis des IFFI
Der Ehrenpreis des Festivals wurde an Daniel Díaz Torres aus Kuba vergeben, der während des IFFI den Salzburger Produzenten Josef Koschier traf, um über Koprodduktionsmöglichkeiten Kuba/Österreich zu verhandeln.
Überraschend wurde Daniel Sanou Kollo aus Burkina Faso mit seinem Film LE POIDS DU SERMENT mit dem „Filmpreis des Landes Tirol“ ausgezeichnet. Der Dokumentarfilmpreis ging an die Reck-Film Produktion SIRA.
Großes Interesse erzeugte die Retrospektive „Lust und Leidenschaft“, in der Highlights aus 20 Jahren Filmfestival in Innsbruck präsentiert wurden, unter anderem der österreichische Spielfilm WELCOME HOME in der Hauptrolle der Innsbrucker Schauspieler Rainer Egger, dem am Ende des Festivals ebenso wie dem Drehbuchautor Eduardo del Llano aus Havanna eine Hommage als Regisseur gewidmet wurde.
Als besonderes Schmankerl wurde Kurt Lanthalers DER GELATIKILLER mit Martin Maria Abram in der Hauptrolle wiederaufgeführt. Ebenfalls gut besucht waren die Vorstellungen des „Balkan-Clash“.
Leider ist dem IFFI der Festivalsponsor abhanden gekommen, worunter die Qualität des Festivals aber nicht gelitten hat, denn: noch nie sahen so viele Leute in Innsbruck in so kurzer Zeit so viele Filme. Umrahmt war das IFFI von Festen, Partys und Konzerten im Treibhaus, wodurch vor allem viele junge Menschen das IFFI kennengelernt haben.
Die Gäste aus Kuba und der Dominikanischen Republik sind im Anschluss an das IFFI mit ihren Filmen beim Schwesternfilmfestival Kino Otok in Izola (Slowenien) eingeladen gewesen. Ein neuer Partner wird beim 21. IFFI einen Schwerpunkt präsentieren: Salina Doc Fest innerhalb des Mittelmeerschwerpunktes.

Jubiläumsbuch: Poetik des Zeigens
Jubiläumsbuch: Poetik des Zeigens
Melanie Hollaus, Eva Rottensteiner, Otto Licha, Daniel Dlouhy, Joachim Leitner und Andreas Pronegg haben die Geschichte des IFFI in einem geschmackvollen Bild- und Textband aufgearbeitet und dem Festivalgründer und Festivalleiter gewidmet.

Jeanine Meerapfel erhält IFFI-Ehrenpreis
Jeanine Meerapfel erhält IFFI-Ehrenpreis
Das 21. IFFI wurde vom Innsbrucker Kabarettisten Markus Koschuh eröffnet. Am Eröffnungsabend wurde FUGHE E APPRODI, ein Dokumentarfilm über die Filmproduktion auf den Eolischen Inseln, in Anwesenheit der Regisseurin Giovanna Taviani gezeigt, die auch an der Universität Innsbruck eine Vorlesung hielt. Ehrengast Jeanine Meerapfel hielt einen Workshop am Institut für Sprachen und Literaturen (Abteilung Vergleichende Literaturwissenschaft). Der argentinisch-deutschen Regisseurin wurde der Ehrenpreis des Festivals überreicht.

Erstmals gab es auch einen Filmworkshop unter Leitung der bosnischen Regisseurin Ines Tanovic in Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft Innsbruck-Sarajewo. Die traditionelle Filmdiskussion in der Wirtschaftskammer drehte sich um die von der Filmindustrie vernachlässigte Spezies des Kurzfilms. Der Hauptpreis („Filmpreis des Landes Tirol“, 5.000 Euro) verliehen von einer hochkarätigen Jury (Piotr Jaxa, Seraina Rohrer, Michela Occhipinti) erging an den Slowenen Jan Cvitkovic für seinen Film ARCHEO. Den „Dokumentarfilmpreis des Innsbrucker Sommers“(1.500 Euro) erhielt Jean-Marie Teno aus Kamerun für LIEUX SAINTS, verliehen von Melanie Hollaus, Dirk Steinkühler und Matthias Helwig. Die meisten Stimmen aus dem Publikum erhielt der Burkinabe S. Pierre Yaméogo für sein Flüchtlingsdrama BAYIRI und wurde somit Preisträger des Filmpreises des Stadtmarketing Innsbruck (1.000 Euro). Von den SchülerInnen wurde ein kanadischer Film ausgezeichnet. Philippe Falardeau ist mit seinem Asylantenfilm MONSIEUR LAZHAR „Südwind-Film Preisträger“ mit 1.000 Euro.

OMAR GATLATO
OMAR GATLATO
Erstmals konnte auch eine Auswahl von Kurzfilmen vom wohl größten und bekanntesten Kurzfilmfestival in Oberhausen gezeigt werden. Das größte Zuschauerinteresse erweckten die Filme von Jeanine Meerapfel, der eine Hommage gewidmet war. Und ganz besonders gewürdigt wurden die Sektionen Mittelmeer, Algerien und Süd.Ost.Europa, bei denen auch Filmklassiker wie OMAR GATLATO von Merzak Allouache und LA BATTAGLIA DI ALGERI von Gillo Pontecorvo gezeigt wurden. Erstmals konnten wieder mehr Tickets verkauft werden und die Akkreditierungen gingen leicht zurück. Ein erfolgreiches Festival mit viel Schwung und guter Stimmung, die vor allem durch die Disco im Leo-Foyer angefeuert wurde. S. Pierre Yaméogo konnte seinen Film durch das Netzwerk des IFFI auch in Freistadt, Oberösterreich und Izola, Slowenien zeigen.

Paul Leduc
Paul Leduc
Das 22. IFFI wurde mit einer 70mm Projektion des Namenspaten des Festivalträgers Otto Preminger eröffnet. Damit wurde ein Zeichen gesetzt Filmklassiker in ihrer Originalversion zu pflegen und zu projizieren. Der Eröffnung wohnte die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer bei, die auch eine sehr kurze Rede hielt. Die Zeremonie dauerte erstmals nur 18 Minuten und 46 Sekunden (zu sehen auf Youtube, aufgezeichnet von Emir Handzo). Der mexikanische Regisseur Paul Leduc wurde für sein Gesamtwerk, das er als abgeschlossen hält, mit dem IFFI Ehrenpreis ausgezeichnet. Ihm zu Ehren wurde auch eine Hommage gewidmet. Schon beim ersten Innsbrucker Film Festival wurden Filme von ihm gezeigt. Am Vorabend des Festivals wurde im Studio 3 des ORF am Rennweg der Melanie Hollaus Film BOCKSIEDLUNG. EINE FILMISCHE SPURENSUCHE als Auftakt vor vollem Haus gezeigt. Im Künstlerhaus Büchsenhausen wurde der 1. IFFI Talente Campus im Beisein von Landesrätin Beate Palfrader eröffnet. Der Campus wurde von IFFI Co-Direktorin Evelin Stark ins Leben gerufen. Jeanine Meerapfel, eine der Lektorinnen des Campus: „Was ich erlebt habe, war eine sehr interessierte sehr wache gruppe von jungen Filmemachern, die unterschiedlichen Fragestellungen hatten, aber alle waren intelligent und respektvoll.“

David Gitonga erhält den Filmpreis des Landes Tirol
David Gitonga erhält den Filmpreis des Landes Tirol
Die internationale Jury (Julek Kedzierski, Daniela Knapp und Pavo Marinkovic) zeichnete die kenianisch-deutsche Koproduktion NAIROBI HALF LIFE von David Tosh Gitonga aus, der auch den Preis des Publikums erhielt. Als bester Dokumentarfilm wurde Peter Hellers SÜSSES GIFT von Jean-Marie Teno, Antonella Arseni und Bruno Moll ausgezeichnet. Die SchülerInnen entschieden sich für WADJDA von Haifa al-Mansour aus Saudi Arabien, auch in einer deutschen Produktion. Am meisten Publikum zog Jeanine Meerapfels Film EL AMIGO ALEMAN an und Daniel Díaz Torres lieferte für den Wettbewerb die erste österreichisch-kubanische Koproduktion in Beisein von Produzent Josef Koschier und Drehbuchautor Eduardo del Llano Rodriguez aus Havanna. Die Hommage war Théo Angelopoulos gewidmet. Länderschwerpunkte Kuba und Georgien rundeten das Programm ab. Es kam zu einem absoluten Zuschauerrekord und noch nie wurden so viele Eintrittskarten verkauft. Das offizielle Programm wurde von einem Südtirol Tribut beendet. Mit DER KINOMANN AUS SÜDTIROL wurde der Festivalleiter der Bozner Filmtage Martin Kaufmann geehrt und im Anschluss kam es zu einer Wiederaufführung von DIE WALSCHE. Regisseur Werner Masten und die SchauspielerInnen Marie Colbin und Martin M. Abraham waren anwesend. Ein Festival der Emotionen verspricht eine erfolgreiche IFFI Zukunft.

Shaji Karun erhält den Ehrenpreis des IFFI
Das 23. IFFI widmet seine Retrospektive dem 100jährigen Jubiläum des indischen Kinos. Ein kleiner Querschnitt durch die indische Filmgeschichte zeigt die sprachliche und thematische Vielfalt des Kinos am Subkontinent. Der IFFI Ehrenpreisträger Shaji N. Karun zeigt im Wettbewerb seinen neuen Film SWAPAANAM, in dem es um Musik und Tanz in Kerala geht. Die internationale Jury um Maren Niemeyer vom Goethe Institut entschied sich den „Filmpreis des Landes Tirol“ an den kasachisch-japanischen Film THE FIRST RAINS OF SPRING zu verleihen. Yerlan Nurmukhambetov hat den mit 5.000,- EURO dotierten Preis mit Freude übernommen. Auch die SchülerInnenjury, die den Südwind-Filmpreis vergibt, hat sich für diesen Film entschieden. Die Publikumsjury, die dieses Jahr aus ExpertInnen aus dem Publikum bestand und vom Leiter des Dornbirner Filmclub Norbert Fink betreut wurde, vergab den Filmpreis des Innsbruck Marketing an SOLEILS von Daniel Kouaté und Olivier Delahaye. Tamara Danicic, Peter Heller und Astrid Heubrandtner haben den Dokumentarfilmpreis der Stadt Innsbruck an den Kroaten Nebojsa Slijepcevic für GANGSTER OF LOVE reserviert. Der Kurdin Yesim Ustaoglu war eine Werkschau mit 5 Filmen gewidmet, die zum absoluten Publikumsrenner wurde. Shaji N. Karun reiste nach dem Ende des IFFI zum Partnerfestival „Kino Otok“ nach Izola.

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